ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Neue Berufsbilder: Die Stewardess am Steuer
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. . . Es ist auffällig, dass insbesondere aus dem Bereich der privatwirtschaftlichen Kliniken die Initiativen für Assistenzberufe kommen, denn diese sind sicherlich die Profiteure solcher neuartigen Berufsbilder. Es wäre interessant zu wissen, wie viele Arztstellen dafür nicht mehr besetzt werden und welche Einsparung das einem Klinikbetreiber bringt. Glauben wir tatsächlich, dass die Anleitung von WB-Assistenten im OP plötzlich massiv verbessert wird? Der Wandel unseres für die Gesellschaft wichtigen Berufs hat auf allen Ebenen stattgefunden: vom Arzt als Helfer, Beistand in vielen Notlagen und bei Krankheiten haben wir es nun endlich geschafft, uns vor den Karren der Ökonomie spannen zu lassen, um als ordinärer Dienstleister in der Maschinerie Gesundheitsmarkt für Profite zu sorgen. Dienst am Menschen – Fehlanzeige! Dank vielfältiger QM-Systeme haben Betriebswirtschaftler Zahlenwerke generiert, die einzig und allein mit Hilfe des Benchmarkings dazu dienen, die Prozessoptimierung nicht im Sinn der besseren Versorgung zu vollziehen, sondern um unter genau diesem Deckmantel die Profitorientierung weiter voranzutreiben. Ich bin mir sicher, dass es ausreichend Zahlenwerke geben wird, die die Prozessqualität und Ergebnisqualität der medizinischen Assistenzberufe beweisen werden. Die Ärzte und Pflegenden, die dem originären Anspruch ihres Berufs gerecht werden möchten und für eine allumfassende Betreuung ihrer Patienten einstehen, werden diese Zahlen liefern, da sie längst zu personell am Limit arbeitenden Dokumentationsgehilfen degradiert wurden. Gerade das Beispiel aus Erfurt zeigt doch, wo das Problempotenzial liegt. Es werden ärztliche Leistungen delegiert, dies führt zu einer zunehmenden Autonomie der Handelnden und Kontrollverlust der Verantwortlichen. Wo liegen die Grenzen für das Assistenzpersonal, und wie sehen denn Richter die Situation im Schadensfall, wenn delegiert wurde? . . . Der Patient hat ein Recht auf die Versorgung durch einen approbierten Arzt, der in vielen Situationen meiner Meinung nach die Tragweite und Folgen seines Handelns eben aufgrund einer langwierigen Ausbildung besser einschätzen können sollte . . .
Dr. med. Hauke Borchardt, 06108 Halle/Saale
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