ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Neue Berufsbilder: Erst die Analyse
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Der Ärztemangel stellt an deutschen Kliniken ein großes Problem dar. Wenn nun mit großer Fantasie an neuen, nichtärztlichen Berufsbildern gebastelt wird, muss aber die Frage gestellt werden, wie sorgsam vorher der spezifische Bedarf ermittelt wurde beziehungsweise wie Ärzte momentan in Krankenhäusern eingesetzt werden.

Tatsächlich verbringen viele Ärztinnen und Ärzte ihre Zeit damit, Befunde zu sortieren, Akten zu suchen, logistische Telefonate zu führen, zu codieren, Anforderungen in Computer einzugeben, Rehaanträge zu stellen usw.

Jede Praxis ist besser organisiert als die meisten Krankenhausstationen. Will man Ärzte sinnvoller, also qualifikationskonform, einsetzen, muss man sie von den oben genannten Tätigkeiten befreien, ihnen aber nicht die genuin ärztlichen Aufgaben nehmen. Vor der Schaffung nichtärztlicher Fachberufe muss also die genaue Analyse des Arbeitsalltags stehen.

In der Kardiologie am Klinikum Coburg hat jede Stationsärztin, jeder Stationsarzt eine eigene Sekretärin (Medizinische Fachangestellte). Diese entlastet so weit, dass Zeit für die patientennahen Tätigkeiten bleibt. Eine Win-win-Situation für alle, auch den Pflegedienst (dieser wiederum wird zusätzlich durch Stationssekretärinnen unterstützt).

Die Übernahme eigentlich ärztlicher Aufgaben (wie bei COAs oder MAfAs oder im angelsächsischen Raum den sonographern) ist dabei nicht vorgesehen.

Meine Horrorvision ist der vor den Computer verbannte Stationsarzt, der nur noch die von Nichtärzten erstellten Befunde und Eingriffsberichte verwalten darf.

Literatur bei dem Verfasser
Dr. med. Harald Pless, MBA, II. Medizinische
Klinik, Klinikum Coburg GmbH, 96450 Coburg
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