ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Honorarreform: Reich gerechnet
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Nun wissen wir es endlich: Unser Honorar hat sich kräftig vermehrt. In den veröffentlichten Statistiken der KBV erfahren wir, dass unser Honorar in (fast) allen Bundesländern und bei (fast) allen Fachgruppen kräftig, zum Teil im zweistelligen Bereich zugenommen hat – was ist da schon ein einzelnes Minus von 4,1 Prozent!

Mit Stolz verkündet der KBV-Vorsitzende, dass das Honorarplus sogar höher als erwartet ist. Politik und Kassen hören dies gerne, waren sie doch schon immer der Meinung, dass genügend Geld im System ist und nur richtig verteilt werden muss.

Nur wundert sich der gemeine Vertragsarzt in Baden-Württemberg ob dieser glänzenden Zahlen. In seiner Umgebung sieht er Honorarverluste in zweistelliger Höhe. Ganze Fachgruppen wären um 30 Prozent abgestürzt, wenn nicht eine 95-Prozent-Garantie auf RLV-Leistungen gegeben worden wäre. Der reale Honorarverlust ist oft höher. Ursache der geschrumpften Gesamtvergütung um 80,7 Millionen Euro sollen dann die Hausarztverträge nach §73 b sein. (Die machen aber nur 30 Millionen aus, dies steht aber nicht im Text.)

Man kann daher die Statistiker der KBV nur bewundern: Man muss nur die richtigen Zahlen mit den richtigen Parametern mischen, ein bisschen was weglassen und Honorarverluste mit Honorarzuwächsen saldieren und erhält so glänzende Statistiken. Dass durch die unsägliche Honorarreform extreme Verwerfungen innerhalb einer KV entstanden sind, kaschiert man, indem man einfach die Gesamthonorare einer Landes-KV zusammenzählt. Verwerfungen unter den Fachgruppen kaschiert man, indem man die Fachgruppen bundesweit zusammenzählt.

Clever, gell? So werden wir alle reich gerechnet und müssen uns dies noch lächelnd von den Kassen vorlesen lassen. Vielen Dank, KBV.
Dr. Hans-Michael Walter, Mitglied der Ver­tre­ter­ver­samm­lung der KV Baden-Württemberg, 89584 Ehingen
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