ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Public Health: Anregung zur Reflexion

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Public Health: Anregung zur Reflexion

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-934 / B-816 / C-804

Kuhn, Joseph

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In der Medizin ist bereits vor etlichen Jahren deutlich geworden, dass sich viele Behandlungsverfahren zu sehr auf ärztliche Erfahrung oder tradierte Lehrmeinungen und zu wenig auf eine systematische Zusammenfassung wissenschaftlicher Befunde stützen. Die Folge war die Entwicklung der „evidenzbasierten Medizin“, die sich das Heranziehen der besten verfügbaren Evidenz zur Bewertung von Behandlungsverfahren zum Ziel gesetzt hat. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen und die Choch- rane-Organisation sind heute allseits bekannte Institutionen in diesem Feld. Public Health galt dagegen lange Zeit mehr oder weniger als naturwüchsig evidenzbasiert, schließlich bilden Epidemiologie und Evaluation die Grundlagen dieses Fachs. Dass auch Public-Health-Interventionen oft die nötige Evidenzbasierung vermissen lassen, tritt erst langsam in das Bewusstsein der breiteren Fachöffentlichkeit. Die Diskussionen um die Adipositasprävention oder die HPV-Impfung mögen dazu ihren Beitrag geleistet haben.

Nun also auch „Evidence-based Public Health“. Dies ist der Titel eines Buches, das für Public-Health-Maßnahmen ein systematisches Vorgehen von der Problembestimmung bis zur Umsetzung in die Praxis vorschlägt. Anhand von Fallbeispielen (Adipositas, Zervixkarzinom, Rückenschmerzen, Feinstaub) wird der vorgeschlagene Ansatz konkretisiert. In einem Methodenkapitel werden epidemiologische, gesundheitsökonomische und ethische Grundlagen erläutert. Etwas irritierend ist, dass ausgerechnet beim Leitbeispiel Adipositas am Ende auch nicht recht klar ist, wie die gesundheitlichen Folgen der Adipositas – abgesehen vom Sterberisiko – aus Public-Health-Perspektive zu bewerten sind und welche Evidenz den gängigen Präventionsmaßnahmen in diesem Bereich zukommt. Aber vielleicht gehört diese Irritation auch zum heimlichen Lehrplan des Buches. Vermisst wird ein Kapitel zur Gesundheitsberichterstattung – einem doch nicht ganz unwichtigen Instrument für Evidence based Public Health.

Das Buch ist vor allem als Anregung zur Reflexion konzeptioneller Fragen in Public Health geeignet, als Beitrag zur Weiterentwicklung der Disziplin und sicher auch als Unterrichtsmaterial in den Public-Health-Studiengängen. Joseph Kuhn

Ansgar Gerhardus, Jürgen Breckenkamp, Oliver Razum, Norbert Schmacke, Helmut Wenzel (Hrsg.): Evidence-based Public Health. Huber, Bern 2010, 275 Seiten, kartoniert, 29,95 Euro
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