ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Paracelsus-Medaille 2010: Der „Oscar“ der deutschen Ärzteschaft

PARACELSUS-MEDAILLE

Paracelsus-Medaille 2010: Der „Oscar“ der deutschen Ärzteschaft

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-937 / B-819 / C-807

Hibbeler, Birgit

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Vorder- und Rückseite der Paracelsus-Medaille
Vorder- und Rückseite der Paracelsus-Medaille
Beim 113. Deutschen Ärztetag in Dresden sind vier verdiente Persönlichkeiten mit der höchsten Auszeichnung der Ärzteschaft geehrt worden.

Sie ist so etwas wie der „Oscar“ für Ärztinnen und Ärzte. Zwar dauert die Verleihung der Paracelsus-Medaille keine ganze Nacht und die Preisträger müssen auch nicht über einen roten Teppich laufen, doch es handelt sich um die höchste Ehrung der deutschen Ärzteschaft. Allerdings gibt es noch einen Unterschied zum Oscar: Es geht nicht um Glamour, sondern um Haltung. Die Paracelsus-Medaille bekommt nur, wer sich besondere Verdienste um das Gesundheitswesen, die Patientenversorgung, die ärztliche Selbstverwaltung und das Gemeinwohl erworben hat. Der erste und wohl auch prominenteste Träger der Auszeichnung war Albert Schweitzer.

Namensgeber für die Medaille ist der Arzt und Gelehrte Philippus Aureolus Theophrastus Bombastus von Hohenheim, genannt Paracelsus (1493–1541). Für ihn stand fest: Der Arztberuf ist nicht irgendein Beruf, sondern ihm liegt eine ganz besondere Motivation zugrunde. „Der höchste Grund ist die Liebe.“ So wird er auf der Paracelsus-Medaille zitiert.

Erstmals vergeben wurde die Ehrung auf dem 56. Deutschen Ärztetag 1952 in Berlin. Seitdem ist die Verleihung der Paracelsus-Medaille ein fester Bestandteil der Deutschen Ärztetage geworden. Auf der Medaille ist das Profil des Namensgebers abgebildet. Dass die höchste Auszeichnung der deutschen Ärzteschaft ausgerechnet nach Paracelsus benannt wurde, ist kein Zufall. Denn er war ein herausragender Gelehrter. Sein Wirken gilt als umfassend, er hat viele Aufzeichnungen über astrologische, philosophische und theologische Themen hinterlassen. Seine eigentliche Bedeutung liegt aber auf dem Gebiet der Medizin. Paracelsus vertrat eine neue Sichtweise der ärztlichen Heilkunde: weg vom Allgemeinen, von der Idee und von der Büchergelehrtheit hin zum Konkreten, zum Patienten. Er vertraute auf den Tatsachenbefund, nicht auf abstrakte Lehren von Autoritäten.

Mit seinen Ansichten steht er für den Wendepunkt zwischen mittelalterlicher und neuzeitlicher Medizin. Paracelsus war zu Lebzeiten sehr umstritten. Er scheute sich nicht, die vorherrschende Lehrmeinung infrage zu stellen – wie etwa die Viersäftelehre. Er war einer der Ersten, die Vorlesungen in deutscher Sprache hielten, und wird deshalb auch als „Luther der Medizin“ bezeichnet.

Heute wird die nach Paracelsus benannte Medaille in der Regel einmal im Jahr an Ärzte verliehen, die sich besondere Verdienste um das Ansehen des Arztberufs erworben haben. Beim 113. Deutschen Ärztetag in Dresden zeichnete Prof. Dr. med. Jörg-Dietrich Hoppe, Präsident der Bundes­ärzte­kammer und des Deutschen Ärztetages, vier verdiente Ärzte mit der Paracelsus-Medaille aus (siehe Kasten). Auf den folgenden Seiten befinden sich Porträts der diesjährigen Träger der Ehrung. Es handelt sich um Kurzfassungen der Laudationes, die anlässlich der Verleihung erstellt worden sind.
Dr. med. Birgit Hibbeler

@Die ausführlichen Laudationes finden Sie im Internet unter: www.aerzteblatt.de/paracelsus-medaille.


Träger der Paracelsus-Medaille 2010
Prof. Dr. med. Albrecht Encke (74), langjähriger Leiter der Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie der Universität Frankfurt am Main, ehemaliger Präsident der AWMF. Besonders engagiert hat er sich für die evidenzbasierte Medizin und die Akzeptanz von Leitlinien.

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Dr. med. Alfred Möhrle (70), früherer Präsident der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen und Vorsitzender des Ausschusses „Gebührenordnung“ der Bundes­ärzte­kammer, viele Jahre tätig als niedergelassener Orthopäde. Außergewöhnlicher Einsatz für die ärztliche Selbstverwaltung.

Prof. Dr. med. Klaus Hupe (81), ehemaliger Vorsitzender der Akademie für ärztliche Fortbildung in Westfalen-Lippe, chirurgischer Chefarzt in Marl. Die Borkumer Fortbildungswoche baute er zu einem bundesweit anerkannten, interdisziplinären Fortbildungskongress aus.

Prof. Dr. med. Eduard Seidler (81), langjähriger Direktor des Instituts für Geschichte der Medizin an der Universität Freiburg. Ein Schwerpunkt seiner Arbeit war die Rolle der Medizin zur NS-Zeit. Besonders beschäftigte er sich mit dem Schicksal jüdischer Kinderärzte.

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