ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Albrecht Encke: Gute Medizin ist kein Zufall

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Albrecht Encke: Gute Medizin ist kein Zufall

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-938 / B-820 / C-808

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LNSLNS Für die Arbeit eines Arztes ist Erfahrung wichtig. Trotzdem sollten Therapieentscheidungen auf objektivierbaren Fakten beruhen – und nicht auf Annahmen. Leitlinien helfen dabei, Patienten nach dem aktuellen wissenschaftlichen Stand zu behandeln. Prof. Dr. med. Albrecht Encke hat die Bedeutung von Leitlinien für die moderne Medizin früh erkannt. Als Präsident der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) hat er maßgeblich zu deren Akzeptanz beigetragen. Zudem leitete er 23 Jahre lang die Universitätsklinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie in Frankfurt am Main und zählt zu den führenden Vertretern seines Faches.

Prof. Dr. med. Albrecht Encke ist ein engagierter Verfechter der evidenzbasierten Medizin. Als langjähriger AWMF-Präsident setzte er sich für die Akzeptanz von Leitlinien ein. Foto: privat
Prof. Dr. med. Albrecht Encke ist ein engagierter Verfechter der evidenzbasierten Medizin. Als langjähriger AWMF-Präsident setzte er sich für die Akzeptanz von Leitlinien ein. Foto: privat
Encke wurde am 24. Juni 1935 in Remscheid als ältestes von vier Kindern des Internisten Bernhard Encke geboren. Von 1955 bis 1961 studierte er Medizin in Freiburg, Tübingen, Wien und Köln. Zum Dr. med. wurde er an der Universität zu Köln promoviert. Seine Dissertation „Schädelnähte unter normalen und pathologischen Verhältnissen“ entstand an der neurochirurgischen Universitätsklinik.

Nach der Promotion folgte in den Jahren 1961 und 1962 ein USA-Aufenthalt in New Jersey. Während dieser Zeit reifte in ihm die Entscheidung, nicht Internist, sondern Chirurg zu werden. Zurück in Deutschland erhielt er ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft. Diese Förderung ermöglichte ihm wissenschaftliche Arbeiten zum Thema Blutgerinnung. Ein Jahr später trat er eine Assistentenstelle an der Chirurgischen Universitätsklinik Heidelberg an. Seine Facharztprüfung legte er 1970 ab und erhielt die Venia Legendi für das Fach Chirurgie. Das Thema seiner Habilitationsschrift lautete: „Disseminierte intravasale Gerinnung in der Chirurgie.“ Im Mai 1971 wurde er Oberarzt. 1979 erhielt er den Ruf auf den Lehrstuhl für das Fach Chirurgie an der Universität in Frankfurt am Main. Bis zu seiner Emeritierung im Jahr 2002 leitete er die dortige Klinik für Allgemein- und Gefäßchirurgie.

Während seiner Tätigkeit in Frankfurt hat Encke Maßstäbe gesetzt und die chirurgische Univer-sitätsklinik zu einem anerkannten Zentrum ausgebaut. 1986 fand unter seiner Leitung die erste Lebertransplantation in Frankfurt statt. Eine regelmäßige Weiter- und Fortbildung waren für ihn immer eine Selbstverständlichkeit. Er wirkte an der Organisation zahlreicher Veranstaltungen mit und gehörte dem Sektionsvorstand „Chirurgie“ der Akademie für ärztliche Fortbildung und Weiterbildung der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen in Bad Nauheim an.

Der Einsatz für eine qualitativ hochwertige Patientenversorgung prägte auch seine Amtszeit als Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie in den Jahren 1999 und 2000. Herausragende Verdienste hat er sich aber vor allem als Präsident der AWMF erworben. Zwei Merkmale prägten seine Amtszeit von 2001 bis 2009: sein klares Eintreten für objektivierbare Fakten und sein Bemühen um Konsens. Respekt verschaffte er sich dabei vor allem durch sein fachlich fundiertes Vorgehen und seine persönliche Integrität. Die AWMF hat unter seiner Leitung an Bedeutung gewonnen und ist als Institution für die Entwicklung medizinischer Leitlinien nicht mehr wegzudenken. Die Akzeptanz in der Ärzteschaft für ein evidenzbasiertes Vorgehen ist in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen – nicht zuletzt, weil die Transparenz für Encke und seine Mitstreiter immer an erster Stelle stand. Für mehr Transparenz setzte er sich auch in der Forschung selbst ein und forderte die Einrichtung eines öffentlich zugänglichen Registers für klinische Studien.

Encke engagierte sich auch in der ärztlichen Selbstverwaltung – unter anderem als Gutachter und Prüfer bei der Lan­des­ärz­te­kam­mer Hessen. Auch für die medizinische Ausbildung setzte er sich ein – als Prodekan der Medizinischen Fakultät Frankfurt. Intensiv befasste er sich mit ethischen Fragestellungen sowie den Themen Palliativmedizin und Sterbebegleitung. Er ist Mitbegründer des Hospizvereins Sankt Katharina in Frankfurt am Main.

Anschrift:
Hans-Thoma-Straße 22
60596 Frankfurt am Main
Foto: privat
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