ArchivDeutsches Ärzteblatt19/2010Börsebius: Fatale Pläne

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Börsebius: Fatale Pläne

Dtsch Arztebl 2010; 107(19): A-949 / B-829 / C-817

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LNSLNS Das Bundesfinanzministerium hat Großes vor. Im Diskussionsentwurf zum „Gesetz zur Stärkung des Anlegerschutzes und Verbesserung der Funktionsfähigkeit des Kapitalmarkts“ plant Schäuble, zentrale Änderungen des Investmentgesetzes vorzunehmen, die vor allem darauf abzielen, die bisherigen Eckpfeiler des Anlageprodukts „offener Immobilienfonds“ gründlich über den Haufen zu werfen.

Hinter dem Wortungetüm verbergen sich nahezu boshafte Ideen, wie sich diese Anlageklasse der offenen Immobilienfonds künftig am Markt zu behaupten habe. Kernpunkte sind eine Mindesthaltepflicht von zwei Jahren, verbunden mit einer Kündigungsfrist zwischen sechs und 24 Monaten. Darüber hinaus sollen die Rücknahmetermine auf einmal im Jahr oder halbjährlich beschränkt werden.

Wir erinnern uns: Seit Jahrzehnten waren offene Immobilienfonds in jedem Depot so etwas wie der sichere Hafen, typische Witwen-und Waisenpapiere halt. Die jährliche Wertentwicklung war zwar nicht üppig, aber stetig, und die Anlageberater rannten offene Türen ein mit dem (damals richtigen) Argument, sichere Substanzwerte mit hohen Immobilienanteilen gehörten in jedes Depot, und außerdem sei es wichtig, dass börsentäglich und jederzeit Anteile zurückgegeben werden könnten. Das zog natürlich.

Erst durch die Finanzmarktkrise kamen offene Immobilienfonds arg in die Bredouille. Sinkende Immobilienpreise kollidierten mit enormen Mittelabflüssen. Die schlimme Folge: Zigtausende von Fondsinhabern kamen nicht mehr aus den Werten raus, da die Fondsgesellschaften einfach den Laden zeitweilig dichtmachten oder die Fonds immer noch geschlossen sind.

Nun also die neuen, großartigen Pläne. Keine tägliche Rückgabe mehr. Und auch noch Mindesthaltefristen von mindestens zwei Jahren. Einfach grausam. Die Idee des Ministeriums ist offenbar, durch die Änderung der Rahmenbedingungen künftig die zeitweise Aussetzung von Anteilsrücknahmen zu verhindern. Kann sein, aber der Ansatz ist von vornherein falsch.

Das wirkliche Problem ist ein anderes. Seit Jahren beklage auch ich, dass die Wertermittlung bei offenen Immobilienfonds ziemlich intransparent von Gutachtern (wer bestellt die eigentlich?) nach nicht nachvollziehbaren Kriterien vorgenommen wird, die – das beklagen Kritiker ebenfalls schon lange – mit Marktpreisen oder Verkehrswerten aufgrund tatsächlich erzielter Mieten oft nicht viel zu tun haben.

Gerade in Krisenzeiten sind dann die Verwerfungen zu krass und führen eben im Ergebnis genau zu den erlebten Problemen der Rücknahmeaussetzung. Gäbe es marktgerechte Bewertungen, würden Fondspreise zwar stärker schwanken, wären aber immerhin fairer als zuvor.

Sollte das Gesetz so kommen, wird der Bundesfinanzminister zum Totengräber der offenen Immobilienfonds. Auf der dann neuen gesetzlichen Basis wären diese Produkte schlicht nicht mehr verkaufbar. Das kann Schäuble trotz besten Gewissens nicht wirklich wollen.
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