ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1997Knieendoprothetik – eine Standortbestimmung: Schlußwort

MEDIZIN: Diskussion

Knieendoprothetik – eine Standortbestimmung: Schlußwort

Jerosch, J.

Zu dem Beitrag von Prof. Dr. med.Jörg Jerosch Dr. med. Susanne Fuchs Prof. Dr. med. Jürgen Heisel in Heft 8/1997
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Wir dürfen uns bei Herrn Kollegen Seegenschmiedt für die freundliche und konstruktive Kritik an unserem Artikel bedanken. Er weist richtig darauf hin, daß bei verschiedenen Eingriffen im Bereich der Haltungs- und Bewegungssorgane heterotope Ossifikationen auftreten können, die beispielsweise und insbesondere auch im Bereich der Hüftalloarthroplastik zu erheblichen Funktionsbeeinträchtigungen führen können. Im Bereich der Knieendoprothetik ist eine derartige Situation jedoch eher selten und nur selten klinisch symptomatisch. 1973 beschrieb Freeman eine ektope Ossifikation nach einer primären zementierten Kniealloarthroplastik bei einem Patienten mit vorbestehender Knieankylose. Engelbrecht und Mitarbeiter (1976) sowie Booth und King (1979) berichteten beide über zwei Fälle von Myositis-Ossifikanz nach Implantation einer Knieendoprothese. McClelleand und Rudolf (1986) berichteten über einen Fall mit Myositis-Ossifikanz, und Scott und Mitarbeiter (1988) publizierten einen weiteren Fall mit heterotoper Ossifikation bei einem Patienten mit präoperativ deutlicher Bewegungseinschränkung.
Lovelock und Mitarbeiter gingen 1984 erstmals systematisch bei einer Gruppe von 224 Patienten nach Knietotalprothesen der Frage nach heterotopen Ossifikationen nach. Sie fanden bei zehn Prozent Veränderungen im Röntgenbild. Nach ihrer Einteilung (gering, mittelgradig, ausgeprägt) fanden sie nur zwei Prozent mit einer mittelgradigen heterotopen Ossifikation im Bereich des M. quadriceps femoris. 1991 fanden Daluga und Mitarbeiter bei Patienten, die nach Knieendoprothese einer Manipulation zugeführt wurden, in 17 von 60 Fällen heterotope Ossifikationen. Diese korrelierten jedoch nicht mit dem klinischen Endergebnis oder dem ScoreErgebnis (hospital for special surgery knee score). 1993 untersuchten Harwin und Mitarbeiter in einer retrospektiven Untersuchung an 158 Patienten mit Knieendoprothesen und fanden in sechs Fällen (3,8 Prozent) heterotope Ossifikationen und schlugen ein radiologisches Klassifikationsschema vor. Die neueste Arbeit von Furia und Mitarbeitern (1995) zeigte bei 70 Patienten in 26 Prozent heterotope Ossifikationen. Die Autoren zeigen anhand einer Multivarianzanalyse mögliche Prädiktoren und fanden, daß heterotope Ossifikationen vermehrt bei postoperativen Bewegungseinschränkungen sowie bei Patienten mit signifikant erhöhtem Knochenmineralsalzgehalt auftraten.
Als Ursachen für die am häufigsten beobachteten, ventral des Femur liegenden Ossifikationen werden Manipulationen mit Osteozangen in diesem Bereich angegeben. Weiterhin wird ein Zusammenhang mit persistierenden Kniegelenksergüssen sowie postoperativ notwendigen Manipulationen aufgeführt.
Unter Berücksichtigung der vorliegenden Literatur kann man festhalten, daß heterotope Ossifikationen nach Kniealloarthroplastik zwar von akademischem Interesse sind, eine klinische Relevanz von den allermeisten Autoren jedoch nicht gesehen wird. Aus diesen Gründen werden auch keine konkreten Therapieschemata wie beispielsweise zur Prophylaxe von heterotopen Ossifikationen am Hüftgelenk hergeleitet.


Literatur beim Verfasser


Prof. Dr. med. J. Jerosch
Klinik und Poliklinik für Allgemeine Orthopädie
Albert-Schweitzer-Straße 33
48149 Münster

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote