ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2010Randnotiz: Harte Übung – Arzt im Urlaub

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Randnotiz: Harte Übung – Arzt im Urlaub

Dtsch Arztebl 2010; 107(20): A-957 / B-837 / C-825

Schulz, Brigitte

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LNSLNS Hurra, die schönste Zeit des Jahres steht bevor: Urlaub! Abschalten, entspannen, erholen… Erst mal der Flug. Er verläuft ruhig. Die gefürchtete Frage wird nicht gestellt: „Wir haben hier einen kleinen Notfall. Ist vielleicht zufällig ein Arzt an Bord?“

Das Hotel direkt am Strand ist wundervoll. Jeden Morgen genieße ich den Sonnenaufgang über dem Meer. Das tut auch mein Zimmernachbar, ein Dauerraucher, geplagt von heftigen, tiefen Hustenstößen, um das gesammelte Sputum zu expektorieren. Ich sollte vielleicht doch einmal in meiner Praxis eine Antiraucherkampagne starten, überlege ich.

Ganz entspannt geht’s zum Frühstück in den Speisesaal. Umgehend verstehe ich, weshalb die Lipidwerte meiner Patienten partout nicht sinken wollen. Hier werden Unmengen von Eiern mit Speck, fetter Wurst und Käse, Sahnestückchen vernichtet. Des Weiteren muss ich leider 30 Prozent Adipositas infolge von Obesitas und Bewegungsmangel sowie eine ähnlich hohe Zahl metabolischer Syndrome diagnostizieren. Und die zehn bis 20 Prozent Alkoholiker sind natürlich auch vertreten, die den Tag mit einem Weißbier oder einem Prosecco beginnen und dann abends an der Bar mit mehreren Whiskys ausklingen lassen.

Frau Doktor, jetzt aber an den Strand zum Relaxen. Fehlanzeige. Meinen geschulten Augen fallen da reihenweise Varizen, Senk-/Spreiz-füße, Kyphosen, Skoliosen, Hyperlordosen, aktinische Keratosen auf. Ich lenke meinen Blick hinaus auf das Meer, auf die sich brechenden Wellen und bemühe mich, die krebsroten Leiber nicht wahrzunehmen, die sich in der Sonne aalen. Vergebens. Ein Arzt bleibt ein Arzt, bleibt ein Arzt . . . – auch im Urlaub.
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