ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2010Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

KULTUR

Filmkalender: Im Kino andere Welten entdecken

Dtsch Arztebl 2010; 107(20): A-1030 / B-906 / C-894

Schuchart, Sabine

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LNSLNS Preisgekröntes Autorenkino aus Israel und Chile – das Deutsche Ärzteblatt stellt alle vier Wochen eine Auswahl sehenswerter Neustarts vor.

Drama
Ab 20. Mai:
Du sollst nicht lieben
Foto: Salzgeber
Foto: Salzgeber
Haim Tabakmans (*1975) mehrfach ausgezeichneter Debütfilm beschäftigt sich mit einem heiklen Thema: Homosexualität im ultraorthodoxen Judentum. Ruhig und subtil schildert der israelische Regisseur diese verbotene Liebe, die in einer von Regeln und Ritualen bestimmten Gesellschaft keinen Platz hat. Mit Nahaufnahmen führt er uns in eine Atmosphäre beklemmender Enge, in der Homosexualität noch nicht einmal denkbar ist. Dabei zieht er den Zuschauer in den Bann seiner Geschichte und Figuren, ohne jemals in Klischees zu verfallen und etwa die Menschen der Glaubensgemeinschaft zu diffamieren. Aaron ist ein jüdisch-orthodoxer Metzger in Jerusalem (Foto). Der Ehemann und Vater von vier Kindern gerät in eine tiefe Krise, als eines Morgens Ezri in seinem Leben auftaucht und er sich in den 22-jährigen Studenten, der in seinem Geschäft aushilft, verliebt.
Israel u. a. 2009, 90 Min. (FSK: 12)

Ab 20. Mai:
Der Vater meiner Kinder
Dem französischen Filmproduzenten Grégoire steht das Wasser bis zum Hals. Seine Geldgeber verlieren die Geduld, seine Firma ist in tiefroten Zahlen. Zwar hat er mit Sylvia eine kluge und liebevolle Frau, drei lebenslustige Kinder, aber der Workaholic behält seine Sorgen für sich und nimmt sich schließlich das Leben. Dies markiert – etwa in der Mitte des Films – den Wendepunkt. In der zweiten Hälfte erkundet Regisseurin Mia Hansen-Løve, wie Menschen mit dem Verlust eines geliebten Menschen umgehen, mit der Leere gleichermaßen wie mit den Chancen. Zum ersten Mal schaut Sylvia hinter die Fassade des gemeinsamen Lebens.
Frankreich u. a. 2009, 112 Min.

Ab 17. Juni:
La Nana – Die Perle
Als bester fremdsprachiger Film für den Golden Globe 2010 nominiert und mit diversen Festivalauszeichnungen geehrt, gelang dem Chilenen Sebastián Silva mit seinem zweiten Film „La Nana“ eine einfühlsame, mit feinem Humor unterlegte Psychostudie. Seit 23 Jahren steht die alleinstehende Haushälterin Raquel (hervorragend: Catalina Saavedra) im Dienst der sechsköpfigen Familie Valdez. Die 41-Jährige ist mit dem großen Haus und den Kindern völlig überfordert, doch als die Familie ein zweites Hausmädchen einstellt, entfacht sie einen Psychokrieg gegen die Konkurrentin. Erst als die lebenslustige, selbstbewusste Lucy (Mariana Loyola) ins Haus kommt und Raquel erstmals in ihrem Leben Freundschaft und Zuneigung erfährt, kann sie aus ihrem inneren Gefängnis heraustreten.
Mexiko/Chile 2009, 115 Min.

Dokumentation
Ab 27. Mai:
Die Eroberung der inneren Freiheit
Sokrates erfand vor mehr als 2 000 Jahren eine Methode, Menschen mit einfachen Fragen zu Reflexion und Selbstbesinnung zu veranlassen. Im Jahr 2000 ließ sich die Vollzugsanstalt Berlin-Tegel auf das Experiment ein, Schwerverbrecher mit Hilfe dieser „Sokratischen Gespräche“ zu therapieren. Es kam zu verblüffend positiven Ergebnissen.
Deutschland 2009, 85 Min.

Ab 27. Mai:
Postcard to Daddy
Der Filmemacher Michael Stock wurde in seiner Kindheit und Jugend jahrelang von seinem Vater missbraucht. 25 Jahre später sucht er den Frieden mit dem Vater, konfrontiert ihn, die Mutter und Geschwister vor der Kamera mit der Vergangenheit. Trotz des unfassbaren Dramas klagt Stock nicht an, sondern will verstehen.
Deutschland 2010, 86 Min.
Sabine Schuchart


DVD-Tipp
Das kosmische Spektrum
Foto: Komplett-Media
Foto: Komplett-Media
Die Kamera dringt in die menschliche Haut ein: Zellen werden erkennbar, der Zellkern, die Chromosomen und die DNS. Noch einen Zehnerschritt kleiner: die Welt der Atome mit Protonen, Neutronen und Elektronen. Dann erscheinen die kleinsten bekannten Teilchen: Elektronen und Quarks. Zwischen ihnen und der „Planck-Länge“, der geringsten in der Physik denkbaren Ausdehnung, liegt unendlich leerer Raum – im unendlich Kleinen. Zuvor die umgekehrte Reise zum Größten, dem 13,7 Milliarden Lichtjahre entfernten Rand des Universums: In Potenzschritten führt die Kamera von der Erde an der Sonne vorbei, durch die Milchstraße und dann in den Weltraum mit seinen Abermilliarden von Galaxien. Zwischen diesen beiden Extremen der bis heute bekannten Welt lebt der Mensch ungefähr in der Mitte.

„Universum und Quanten – eine Reise zum Größten und zum Kleinsten“, 90 Min., Komplett-Media, Erscheinungstermin: Anfang Juni 2010; circa 20 Euro; Bezug über Internet, Buch- oder Fachhandel
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