ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2010Arzneimittelsicherheit: Standard-Spritzenaufkleber in der Akutmedizin

TECHNIK

Arzneimittelsicherheit: Standard-Spritzenaufkleber in der Akutmedizin

Dtsch Arztebl 2010; 107(20): A-1031 / B-907 / C-895

Sybrecht, Gerhard W.; Prien, Thomas

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LNSLNS Die Empfehlung der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin soll das Verwechslungsrisiko bei Spritzen verringern.

Medikationsfehler sind häufig – auch in der Intensivmedizin. Eindrucksvoll zeigte dies eine prospektive europäische Studie, die vor einem Jahr im „British Medical Journal“ und im „Deutschen Ärzteblatt“ veröffentlicht wurde. In ihr fanden Valentin et al. 75 „Ereignisse“ je 100 Patiententage: beinahe ein „Ereignis“ je Patient und intensivmedizinischen Behandlungstag. Knapp ein Prozent der untersuchten Patienten hatte einen bleibenden Schaden oder starb infolge eines Medikationsirrtums (1). Die Deutsche Interdisziplinäre Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin e.V. (DIVI) hat sich die Aufgabe gestellt, diese Medikationsfehler bei der parenteralen Medikamentengabe deutlich zu reduzieren. Als erstes Ergebnis der eigens gegründeten „Kommission Arzneimittelsicherheit“ wird nun eine Empfehlung zur bundesweit einheitlichen Gestaltung von Spritzenetiketten vorgelegt.*

Zwar war es schon bisher in vielen Einrichtungen der Akutmedizin (Anästhesie, Intensiv- und Notfallmedizin) gängige Praxis, in Spritzen aufgezogene Medikamente durch farbige Selbstklebeetiketten (Aufkleber) zu kennzeichnen. Allerdings gibt es eine Vielzahl unterschiedlicher Systeme, teilweise sogar innerhalb eines Krankenhauses. Eine Standardisierung wird dazu beitragen, das Risiko einer Medikamentenverwechslung (zum Beispiel bei Personalwechsel) zu verringern und die Arbeitsabläufe zu verbessern.

Der DIVI-Standard für Spritzenaufkleber ist eine Erweiterung der ISO 26825 (2). Diese Norm der Internationalen Organisation für Standardisierung regelt die Gestaltung von Spritzenaufklebern in der Anästhesie. Wegen der engen organisatorischen und teilweise personellen Verflechtung der akutmedizinischen Fächer in Deutschland war eine von der klinischen Anästhesie (und damit von der ISO 26825) abweichende Gestaltung einerseits in der Intensiv- und Notfallmedizin und andererseits in der Anästhesie nicht sinnvoll (3).

In der ISO 26825 werden einzelne Medikamente bestimmten Wirkungsgruppen mit einer Kennfarbe zugeordnet (zum Beispiel Hypnotika: gelb). Zugrunde liegt die Überlegung, dass Verwechslungen innerhalb einer Wirkungsgruppe weniger schwerwiegende Folgen haben als Verwechslungen zwischen den Gruppen (wie zum Beispiel die Verabreichung eines Hypnotikums anstatt eines Relaxans). Eine Erweiterung der ISO 26825 war notwendig, weil ansonsten zu viele der in der Intensivmedizin eingesetzten Medikamente zur Gruppe „diverse Medikamente“ mit einheitlichem Layout (schwarze Schrift auf weißem Grund) gehört hätten.

Einzelheiten des Standards können über die Internetpräsenz der DIVI (www.divi-org.de) eingesehen werden. Im Wesentlichen wurden für sieben weitere Medikamentengruppen die Kennfarben sowie ein Basislayout für große Spritzenetiketten, die sich für 50-ml-Spritzen eignen, festgelegt. Einen Überblick über die Medikamentengruppen und ihre Farbcodes gibt die Tabelle.

Selbstverständlich ist dieser DIVI-Standard für Spritzenetiketten nur eine Maßnahme zur Vermeidung von Medikationsfehlern. Als nächster Schritt ist die Integration einer maschinenlesbaren Identifikationsmöglichkeit in Form eines 2-D-Data-Matrix-Codes vorgesehen.
Prof. Dr. med. Gerhard W. Sybrecht, Prof. Dr. med. Thomas Prien, DIVI


*in Kooperation mit dem Aktionsplan AMTS (Arznei­mittel­therapie­sicherheit) der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Krankenhausapotheker, dem Verband der forschenden Pharmaindustrie, der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und operative Intensivmedizin und den Fachgruppen der DIVI
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1.
Valentin A et al.: Fehler bei der parenteralen Medikamentenverabreichung auf Intensivstationen. Dtsch Arztebl 2009; 106(16): A 771–7. VOLLTEXT
2.
International standard 26825/2008: Anaesthetic and respiratory equipment – User-applied labels for syringes containing drugs used during anaesthesia – Colours, design and performance.
3.
Prien T: Empfehlung der DGAI zur farbigen Kennzeichnung von Spritzen. Anästh Intensivmed 2009; 50: 333–4.
1. Valentin A et al.: Fehler bei der parenteralen Medikamentenverabreichung auf Intensivstationen. Dtsch Arztebl 2009; 106(16): A 771–7. VOLLTEXT
2. International standard 26825/2008: Anaesthetic and respiratory equipment – User-applied labels for syringes containing drugs used during anaesthesia – Colours, design and performance.
3. Prien T: Empfehlung der DGAI zur farbigen Kennzeichnung von Spritzen. Anästh Intensivmed 2009; 50: 333–4.

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