ArchivDeutsches Ärzteblatt20/2010Entschliessungen zum Tagesordnungspunkt III: (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

DOKUMENTATION: Deutscher Ärztetag

Entschliessungen zum Tagesordnungspunkt III: (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung

Dtsch Arztebl 2010; 107(20): A-999 / B-875 / C-863

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LNSLNS Umsetzung der überarbeiteten (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung 2003 in den Lan­des­ärz­te­kam­mern
Auf Antrag des Vorstandes der Bundes­ärzte­kammer (Drucksache III-01) beschließt der 113. Deutsche Ärztetag mit großer Mehrheit die überarbeitete (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung 2003 gemäß Anlage (abrufbar: www.bundesaerztekammer.de/ 113.DAET/Vorstandsantraege/MWBO) unter Berücksichtigung folgender Änderungsanträge und bittet die Lan­des­ärz­te­kam­mern, diese bundeseinheitlich und zeitnah in den Kammerbereichen umzusetzen:

Keine Einschränkungen der Weiterbildung durch Festlegung auf ganztägige Tätigkeit
Der 113. Deutsche Ärztetag beschließt eine Änderung der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung (MWBO):

§ 5 Abs. 3 (bisheriger Vorschlag):

„Der befugte Arzt ist verpflichtet, die Weiterbildung persönlich zu leiten und grundsätzlich ganztägig durchzuführen sowie zeitlich und inhaltlich … Dies gilt auch, wenn die Befugnis mehreren Ärzten an einer oder mehreren Weiterbildungsstätten erteilt wird. Ist ein befugter Arzt an mehr als einer Weiterbildungsstätte tätig, ist eine gemeinsame Befugnis mit einem weiteren befugten Arzt an jeder Weiterbildungsstätte erforderlich.“

Ergänzung nach Satz 1 um:

„Eine Aufteilung auf mehrere teilzeitbeschäftigte Weiterbildungsbefugte ist jedoch möglich, wenn durch komplementäre Arbeitszeiten eine ganztägige Weiterbildung gewährleistet ist.“

Der aktuelle Vorschlag zur Änderung der MBWO würde dazu führen, dass die Erteilung einer Weiterbildungsbefugnis an Personen in Teilzeittätigkeit nicht möglich ist. Wenn jedoch eine Aufteilung auf Personen an verschiedenen Kliniken (und somit faktischer Teilzeittätigkeit in einer Klinik) möglich ist, so muss auch eine direkte Teilzeittätigkeit bei Gewährleistung einer ganztägigen Anwesenheit eines der Weiterbildungsbefugten möglich sein. Bei zunehmender Flexibilisierung der Arbeitszeiten werden sonst Weiterbildungsmöglichkeiten unnötig eingeschränkt.

Verpflichtende Teilnahme an der Evaluation der ärztlichen Weiterbildung
§ 5 „Befugnis“ der (Muster-)Weiter­bildungs­ordnung (MWBO) soll um einen Absatz (6) ergänzt werden, der lautet:

„(6) Der von der Ärztekammer zur Weiterbildung befugte Arzt ist verpflichtet, an Evaluationen und Qualitätssicherungsmaßnahmen der Ärztekammer zur ärztlichen Weiterbildung teilzunehmen.“

Weiterbildungszeit Zusatz-Weiterbildung Flugmedizin
Weiterbildungszeit:

6 Monate Weiterbildung bei einem Weiterbildungsbefugten für Flugmedizin gemäߧ 5 Abs. 1 Satz 2

180 Stunden Kurs-Weiterbildung gemäß § 4 Abs. 8 in Flugmedizin

Ergänzen:

„Abweichend davon wird anstelle der 6-monatigen Weiterbildung in Flugmedizin ein über einen Zeitraum von einem Jahr regelmäßig absolviertes, alle zwei Wochen stattfindendes kollegiales Gespräch unter der Verantwortung des Leiters eines vom Luftfahrtbundesamt anerkannten flugmedizinischen Zentrums als abweichende, aber gleichwertige Weiterbildung anerkannt.“

Nach den Bestimmungen von JAR-FCL 3 und der deutschen Luftverkehrs-Zulassungs-Ordnung (LuftVZO) müssen anerkannte flugmedizinische Sachverständige (AME) für die Untersuchung von Piloten der Tauglichkeitsklasse 1 die Zusatzbezeichnung Flugmedizin besitzen. Schon jetzt zeichnet es sich ab, dass aufgrund kaum vorhandener Weiterbildungsmöglichkeiten in den nächsten Jahren ein erheblicher Mangel an anerkannten flugmedizinischen Sachverständigen auftreten wird. Die fünf flugmedizinischen Zentren (AMC) in der Bundesrepublik Deutschland werden nicht in der Lage sein, die Vielzahl der Untersuchungen, insbesondere von Privatpiloten, abzudecken. Von ehemals 800 fliegerärztlichen Untersuchungsstellen sind zum jetzigen Zeitpunkt nur noch 400 übriggeblieben, bei weiterhin abnehmender Tendenz durch altersbedingte Abgänge.

Um den Bedarf der nächsten Jahre decken zu können und auch zukünftig niedergelassenen und angestellten Kolleginnen und Kollegen die Weiterbildung in Flugmedizin zu ermöglichen, wird um Zustimmung zu dieser Ergänzung gebeten. Davon unberührt bleibt die 180-stündige Kurs-Weiterbildung.

Evaluation der Weiterbildung

Projekt „Evaluation der Weiterbildung in Deutschland“
Der 113. Deutsche Ärztetag begrüßt die Maßnahmen zur Qualitätssicherung der Weiterbildung und die Fortsetzung des gemeinsamen Projekts von Bundes­ärzte­kammer und Lan­des­ärz­te­kam­mern „Evaluation der Weiterbildung in Deutschland“.

Die Beteiligungsquote sowie die Ergebnisse der ersten Umfrage 2009 haben gezeigt, wie wichtig es ist, die Befragung der Weiterzubildenden und Weiterbilder als Instrument für eine Feedbackkultur zur Verbesserung der Situation der Weiterbildung zu nutzen. Die Erfahrungen mit dieser erstmals bundesweit durchgeführten Untersuchung sollten in den Gremien von Bundes- und Lan­des­ärz­te­kam­mern beraten werden, um Konsequenzen für die geplante Erhebung im Frühjahr 2011 abzustimmen. Im Zusammenhang mit einer gezielten Einflussnahme der Lan­des­ärz­te­kam­mern auf die Weiterbildungskultur werden insbesondere die Longitudinalvergleiche langfristige und konkrete Aussagen über Verbesserungspotenziale in der Weiterbildung zulassen.

Ergebnisse und Weiterentwicklung
Der Deutsche Ärztetag begrüßt die nun vorliegende Veröffentlichung der Ergebnisse der Evaluation der Weiterbildung 2009 der Bundes­ärzte­kammer.

Sie bestätigen trotz nur mäßiger Beteiligung der Weiterzubildenden die bestehende Einschätzung zur Realität der Weiterbildung in Deutschland. Die insgesamt gute Globalbewertung der Weiterbildung (Durchschnittsnoten) zeigt die bekannte gute Ergebnisqualität, aber die Durchschnittsnote ermöglicht nicht die Unterscheidung guter oder schlechter Weiterbildungsstätten und -befugten.

Der Deutsche Ärztetag spricht sich daher dafür aus:

Bei weiteren Veröffentlichungen sollte die Auswertung nicht über Mittelwerte, sondern über Häufigkeitsverteilungen mit Angabe der Beteiligungsquoten erfolgen. Die Sinnhaftigkeit der dynamischen Spinnen ist zu überprüfen und deren Veröffentlichung ggf. einzustellen.

Alle Befugtenberichte, in denen sich Weiterzubildende ausschließen, müssen gekennzeichnet werden, damit nicht fälschlicherweise mit einer guten Weiterbildung vor Ort geworben werden kann.

Um eine höhere Beteiligung der Weiterzubildenden zu erreichen, sind mehr Transparenz und eine zugesicherte Mitwirkung bei der Aufarbeitung der Evaluationsergebnisse erforderlich.

Die Rückwirkung der Arbeitsbedingungen auf die Qualität der Weiterbildung ist in Zukunft stärker in den Mittelpunkt der Darstellung zu stellen.

Optimierung der ärztlichen Weiterbildung
Die Weiterbildung der Ärzte in Deutschland ist geregelt und gewährleistet durch die fortlaufende Weiterentwicklung und kontrollierte Umsetzung der MWBO durch die Ärztekammern als Organe der ärztlichen Selbstverwaltung.

Erstmalig 2009 wurde das Instrument der Evaluation zur Überprüfung der tatsächlich gelebten Weiterbildung in Deutschland eingesetzt. Die Resultate hieraus, die hierbei gewonnenen Erfahrungen – insbesondere hinsichtlich der Schwachpunkte – sind Grundlage zur Verbesserung dieses Instruments, an dem grundsätzlich festgehalten werden wird.

Der Deutsche Ärztetag fordert und fördert die Gewährleistung einer umfassenden und tatsächlich im Alltag praktizierten ärztlichen Weiterbildung durch Maßnahmen der Ärztekammern.

Der Deutsche Ärztetag sieht Angebote privater Firmen, die Qualitätssiegel für eine optimierte ärztliche Weiterbildung bieten und diese mit neuen Beratungs- und Zertifizierungsverfahren verbinden, kritisch und lehnt sie ab.

Schaffung einer Internetplattform zur Dokumentation der Weiterbildung
Die Bundes­ärzte­kammer wird aufgefordert, zusammen mit den Lan­des­ärz­te­kam­mern eine Internetplattform zur Dokumentation und Nachverfolgung der Weiterbildung zu erstellen. In diese ist auch die Evaluation der Weiterbildung zu integrieren. Die Nutzung soll für Weiterzubildende mittelfristig verpflichtend sein. Ziel ist es, ein für die Weiterbildungsausschüsse der Lan­des­ärz­te­kam­mern nutzbares Dokument zu erstellen, das vom Weiterbilder bestätigt ist und Auskunft über die Zulassungsfähigkeit des Weiterzubildenden zur Prüfung gibt.

Meldepflicht der Weiterzubildenden
Die Ärztekammern werden aufgefordert, jährlich den Status der ärztlichen Weiterbildung ihrer Kammermitglieder abzufragen. Hierzu könnten die Lan­des­ärz­te­kam­mern eine Meldepflicht der Weiterbildungsbefugten und Weiterzubildenden einführen.

Dadurch werden jährlich bundesweit die vier „W“s der Weiterbildung erhoben:

• wer – ja/nein
• was – Weiterbildungsgang
• wo – bei welchem Befugten
• wann – in welchem Weiterbildungsjahr

Die Meldung könnte z. B. einmal jährlich anlässlich der Beitragsveranlagung ohne Mehrkosten auf dem Meldebogen geschehen.

Bessere Nutzung des Datenpools
Der bei der Evaluation 2009 erhobene Datenpool zur Weiterbildung ist die größte in Deutschland durchgeführte Erhebung zur realen Situation der Weiterbildung.

Die Bundes­ärzte­kammer wird gebeten zu prüfen, inwieweit eine weitere gezielte Auswertung unter Berücksichtigung der realen Weiterbildungssituation in den Kliniken vor der Evaluation 2010 ohne zusätzliche finanzielle Mehraufwendungen möglich ist.

Aufgrund der erhobenen Daten sind dann für die Evaluation 2010 der Fragenkatalog zu verändern und die Möglichkeit der direkten Rohdatenanalyse durch die Lan­des­ärz­te­kam­mern zu überprüfen.

Eine so zu gestaltende fortlaufende Evaluation wird die Weiterbildung in Deutschland in ihrer Strukturqualität deutlich verbessern und damit die Arztflucht aus Deutschland vermindern.

Konsequenzen für die Weiterentwicklung der Weiterbildung
Die Ärztekammern werden aufgefordert, die Ergebnisse der Evaluation in eine aufsuchende Förderung und Kontrolle der Weiterbildung vor Ort durch eine kontinuierliche Strukturqualitätssicherung umzusetzen.

Trotz „scheinbar“ guter Durchschnittswerte zeigt die reale Betrachtung der Weiterbildung vor Ort ein deutlich anderes Bild. Nur die Hälfte der Weiterzubildenden erhält einen Weiterbildungsplan, nur 60 Prozent erhalten Weiterbildungsziele. Eine große Zahl der Weiterzubildenden verweigert die Aufnahme in den Befugtenbericht.

Ab der Evaluation 2010 ist den Weiterzubildenden der direkte Zugriff auf die Befugtenberichte zu gestatten.

Hierzu sind die vom 112. Deutschen Ärztetag beschlossenen Konzepte direkt in die Weiterbildung vor Ort umzusetzen.

Rechtsgrundlagen zur Veröffentlichung von Daten prüfen
Die Bundes­ärzte­kammer wird gebeten, in Zusammenarbeit mit den Lan­des­ärz­te­kam­mern zu prüfen, ob Rechtsgrundlagen geschaffen werden müssen, um die Ergebnisse der Evaluation der Weiterbildung weiterbildungsstättenbezogen veröffentlichen zu können.

In den Heilberufe- und Kammergesetzen ist geregelt, dass Verzeichnisse der befugten Kammermitglieder und der zugelassenen Weiterbildungsstätten bekanntzugeben sind. Das könnte eine abschließende Regelung darstellen. Ferner findet sich zum Beispiel im Niedersächsischen Kammergesetz für die Heilberufe die Regelung, dass Mitglieder der Organe und der Ausschüsse der Kammer die ihnen bei der Ausübung ihres Amtes bekanntgewordenen Daten über persönliche und wirtschaftliche Verhältnisse der Kammermitglieder geheim zu halten haben. Für die Mitarbeiter der Ärztekammer gelten die Bestimmungen des Niedersächsischen Datenschutzgesetzes. Es erscheint daher fraglich, ob eine Veröffentlichung der Ergebnisse der Evaluation, soll sie nicht lediglich freiwillig erfolgen, ohne zusätzliche Rechtsgrundlage möglich ist.
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