ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2010Eradikation nicht möglich
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LNSLNS „Pilze im Darm“ sind ein „Dauerbrenner“ – eine Übersicht im Deutschen Ärzteblatt könnte eine solide Informationsbasis bilden. Die vorliegende Arbeit wird diesem Anspruch jedoch nicht gerecht. Woran liegt das? Fachliche Fehler sind nur wenige zu finden: Daten zur Glucanexposition werden einseitig zitiert, die „Exprimierung“ (gemeint ist wohl „Expression“) von Pathogenitätsfaktoren ist nicht Grundlage der Biofilmbildung. Bei genauerer Betrachtung sind es jedoch Suggestivformulierungen, die zu einer falschen Rezeption führen können. Statt von „Candida-Besiedlung“ sprechen die Autoren teilweise von „Candida-Belastung“. Das Reizdarmsyndrom wird als „Indikation mit dem engsten – wenn auch nicht bewiesenen – Bezug zur Candida-Besiedlung“ beschrieben. Richtiger wäre, dass bisher kein Anhalt für diesen Bezug existiert (1) – auf welcher Basis er als „eng“ oder „naheliegend“ bezeichnet wird, ist schleierhaft. Die Schlussfolgerung „die Eradikation von Darmpilzen ist nur bei klarer Indikationsstellung indiziert“ ist nicht hilfreich. Trotzdem impliziert sie, dass eine „Eradikation“ unter bestimmten (nicht näher definierten) Voraussetzungen sinnvoll sein kann, und ignoriert, dass eine solche erwiesenermaßen nicht möglich ist (1). Ein Erkenntnisgewinn ist insgesamt nicht erkennbar. Die nach Ansicht der Autoren „noch offenen Fragen“ werden nicht formuliert, die „weiteren Sachverhalte“, die seit 2004 „geklärt werden konnten“, bleiben rätselhaft.

Korrekterweise wird die Tätigkeit beider Autoren für die Ardeypharm GmbH als Interessenkonflikt angegeben – die Kommission am Robert-Koch-Institut zitiert einen der Autoren (US) als „Protagonisten der Candida-Hypothese“ (1). Per se ist das nicht verwerflich – eher muss die Frage nach dem Funktionieren des Peer Review gestellt werden: Wie kann ein solcher – gleichermaßen medizinisch nicht weiterführender wie hochsuggestiver – Artikel im Deutschen Ärzteblatt publiziert werden?
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0369a

Prof. Dr. med. Oliver Kurzai
Septomics Research Centre
Friedrich-Schiller-Universität Jena
Leibniz-Institut für Naturstoff-Forschung und Infektionsbiologie –
Hans-Knöll-Institut
Beutenbergstraße 11 a
07745 Jena
E-Mail: oliver.kurzai@hki-jena.de

Interessenkonflikt
Der Autor erhielt Forschungsmittel von SIRS-Lab sowie Reisemittel und Honoraria von Abbott, Gilead und Pfizer.
1.
Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“: Pathogenetische Bedeutung der intestinalen Candidabesiedlung. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2004; 47: 587–600.
2.
Schulze J, Sonnenborn U: Yeasts in the gut: from commensals to infectious agents [Pilze im Darm – von kommensalen Untermietern zu Infektionserregern]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 837–42. VOLLTEXT
1. Kommission „Methoden und Qualitätssicherung in der Umweltmedizin“: Pathogenetische Bedeutung der intestinalen Candidabesiedlung. Bundesgesundheitsbl Gesundheitsforsch Gesundheitsschutz 2004; 47: 587–600.
2. Schulze J, Sonnenborn U: Yeasts in the gut: from commensals to infectious agents [Pilze im Darm – von kommensalen Untermietern zu Infektionserregern]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106: 837–42. VOLLTEXT

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