ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1997Berliner Waldbühne: Kunst statt Kult

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Berliner Waldbühne: Kunst statt Kult

Juds, Bernd

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LNSLNS Welch eine Metamorphose hat diese Berliner "Waldbühne" erlebt: als "Dietrich-Eckart-Bühne" (benannt nach dem "Deutschland-erwache!"-Dichter der Nazis) und als "geistige Schwester des Olympiastadions" war sie 1936 in die Grunewaldhügel gebaut worden - als "Krönung eines Gedankens nationalsozialistischer Weltanschauung". Hier spielte man "Thingspiele", in denen es unter anderem um "nordisches Erbgut" ging - "rassisch Erweckte" contra "Fremdrassige": "Kult, nicht ,Kunst', ist Thingstattsache" hieß der NS-Slogan.
Kunst statt Kult hingegen boten Daniel Barenboim, die Berliner Philharmoniker und Zubin Mehta beim traditionellen Freilicht-Mittsommerkonzert in eben diesem Amphitheater in den stillen Waldhügeln nahe der Havel. Zwar rüttelte noch ein Raubvogel auf Beutesuche über den Häuptern der zwanzigtausend Musiktouristen, als Zubin Mehta den Stab zur Ouvertüre "Ruslan und Ludmilla", von Glinka, hob. Dann senkte sich abendlicher Amselfrieden über das Riesenrund: Daniel Barenboim begann mit temperamentvollen Akkorden Tschaikowskys b-Moll-Klavierkonzert.
Mehta eröffnet das folgende Andantino als Sommernachtstraum, seine Flötisten konkurrieren mit Drosseln und Schwalbensirren. Das Orchester, nach der Pause, zelebriert noch - meisterlichst - Mussorgski und RimskiKorsakows "Capriccio Espagnol". Es folgt "Berliner Luft", die Stadthymne, als krönende Dreingabe am Schluß. Bernd Juds
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