ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2010Ärztetarife: Caritas akzeptiert Leitwährung

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Ärztetarife: Caritas akzeptiert Leitwährung

Dtsch Arztebl 2010; 107(21): A-1041 / B-917 / C-905

Flintrop, Jens

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Jens Flintrop. Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik
Jens Flintrop. Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik
Eine gute Nachricht für die 30 000 Ärztinnen und Ärzte in den 470 katholischen Krankenhäusern: Dienstnehmer und Dienstgeber in der Arbeitsrechtlichen Kommission des Deutschen Caritasverbandes haben sich darauf verständigt, alle vergütungsrelevanten Bestandteile des Tarifvertrags für Ärzte an kommunalen Krankenhäusern im Bereich der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (TV-Ärzte/VKA) in die Arbeitsvertragsrichtlinien der Caritas zu übernehmen und in den Folgejahren entsprechend anzupassen. Bei ihrer Sitzung am 23./24. Juni wird die Arbeitsrechtliche Kommission dies voraussichtlich offiziell beschließen. Für die Ärzte gelten somit künftig dieselben Eingruppierungsregeln und dieselbe Entgelttabelle wie für ihre 55 000 Kollegen in den kommunalen Kliniken.

Die Arbeitsrechtliche Kommission reagiert mit ihrer Entscheidung, den TV-Ärzte/VKA wie früher den Bundesangestelltentarifvertrag als Leitwährung zu akzeptieren, auf die Realitäten im Wettbewerb um qualifiziertes ärztliches Personal. Denn viele katholische Krankenhäuser haben die Ärztetarife des Marburger Bundes (MB) schon längst durch die Hintertür eingeführt. Sie zahlen den Ärzten individuelle Zulagen, um sie als neue Kräfte zu gewinnen beziehungsweise zum Bleiben zu bewegen. Die aktuelle Einigung zwischen Dienstnehmern und Dienstgebern sorgt hier für eine überfällige Transparenz und Gerechtigkeit. Es profitieren vor allem jene Ärzte, die ihrem katholischen Arbeitgeber in den vergangenen Jahren trotz besserer Verdienstmöglichkeiten in anderen Krankenhäusern treu geblieben sind und den Ärztemangel auch nicht als Druckmittel für individuelle Gehaltssteigerungen nutzen wollten oder konnten.

Sicher werden nun die Ärzte in den katholischen Krankenhäusern die aktuelle Tarifauseinandersetzung zwischen dem MB und der VKA mit noch größerer Spannung verfolgen. Einstweilen kann hier jedoch keine Annäherung der Tarifvertragsparteien vermeldet werden. Nach Angaben der Ärztegewerkschaft beteiligen sich seit dem 17. Mai circa 15 000 Ärzte an 200 Standorten an dem Arbeitskampf, mit dem die Arbeitgeberseite zu Zugeständnissen gezwungen werden soll – Tendenz steigend. Eine Rückkehr an den Verhandlungstisch ist derzeit nicht absehbar. Stattdessen gefallen sich MB und VKA in Tarifritualen und bezichtigen sich gegenseitig der Lüge.

Auf einem ganz anderen Blatt steht die Frage, ob der TV-Ärzte/VKA überhaupt noch als Leitwährung für Tarifabschlüsse taugt. Die Antwort ist „Ja“ – bezeichnet man doch jeweils die im internationalen Währungssystem bedeutsamste Währung als Leitwährung. Und in der Tarifwelt der Ärzte regelt der TV-Ärzte/VKA zweifellos die Arbeitsbedingungen und Vergütungen der größten Gruppe von Ärzten. Dies gilt umso mehr, wenn die Caritas die vergütungsrelevanten Bestandteile demnächst übernimmt.

Freilich würde es die Ärztegewerkschaft bevorzugen, wenn nicht der bedeutsamste, sondern der jeweils beste Tarifvertrag als Vorbild für den nächsten Abschluss diente. Dies wäre derzeit – pikanterweise – der Tarifvertrag für die Ärzte im Medizinischen Dienst der Kran­ken­ver­siche­rung. Dort startet beispielsweise ein Facharzt mit 5 254 Euro, bei einer 38,5-Stunden-Woche, 13 Monatsgehältern und einem Zuschlag je Kind von 102 Euro. Im Tarifbereich VKA verdient ein Facharzt im ersten Jahr 4 834 Euro, bei einer 40-Stunden-Woche, zwölf Gehältern und ohne Kinderzuschläge.

Jens Flintrop
Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik
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