ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2010Krankenhäuser: Visionär
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Selten habe ich einen so realitätsfernen oder sagen wir vielleicht besser visionären Beitrag im DÄ gelesen!

Während allerorts von Ärzte-/Fachärztemangel die Rede ist, sprechen die Unternehmensberater Da-Cruz und Hermann von Trainee-Programmen für die „50 plus“-Ärzte an den Kliniken!

Um die Sache deutlich zu machen, der Hinweis: „Die Gefahr, dass die Produktivität älterer Ärzte bei steigendem Gehalt abnimmt, ist virulent.“ Dann das Beste: „Insgesamt sollte eine Abkehr vom Senioritätsprinzip hin zu einer leistungs- und qualifikationsbezogenen Vergütung für die meisten Klinikträger angestrebt werden.“ Da verschlägt es einem die Sprache.

Klar bin ich jetzt auch ein „50 plus“-Arzt und fühle mich da wohl besonders an der Ehre angekratzt! Aber ist den Herren bekannt, wie lange es mittlerweile dauert, ein qualifizierter Facharzt zu werden, zumal in operativen Fächern? Wie den Unternehmensberatern auch bekannt sein dürfte, gibt es einen mühsam ausgehandelten Tarifvertrag, der entsprechend der Assistenz-/Facharztzeit und damit auch des Alters eine höhere Vergütung vorsieht.

Und nachdem man alle Stufen der Ausbildung an Krankenhäusern der Maximalversorgung oder Uni-kliniken durchlaufen und endlich den geforderten OP-Katalog erfüllt hat, ist man unter Umständen schon ein „40 plus“! Und zehn Jahre später beginnt dann das Trainee-Programm! Und wer soll denn bitte das Training durchführen? Ein „60 plus“-Chefarzt? Wobei Chefärzte aus Sicht des Arbeitszeitgesetzes natürlich die Idealbesetzung überhaupt sind: Sie dürfen quasi „pausenlos“ durcharbeiten, Ermüdung gibt’s da nicht! . . .
Dr. med. Olaf Ring, Oberarzt, Klinik Kitzinger Land,
97318 Kitzingen
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