ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2010Frida-Kahlo-Retrospektive: Eine faszinierende Frau

KULTUR

Frida-Kahlo-Retrospektive: Eine faszinierende Frau

Dtsch Arztebl 2010; 107(21): A-1080 / B-951 / C-939

Bühring, Petra

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LNSLNS Die bislang größte Ausstellung zum Werk der mexikanischen Malerin zeigt noch Unveröffentlichtes. Familienfotos ergänzen die Kunst.

Frida und Diego in Tizapán, 1937, Sammlung Promotora Cultuarl Fernando Gamboa A. C. Foto: Nickolas Muray, Foto Archives
Frida und Diego in Tizapán, 1937, Sammlung Promotora Cultuarl Fernando Gamboa A. C. Foto: Nickolas Muray, Foto Archives
Frida Kahlo ist seit langem eine Ikone ihres Landes und weltweit eine Symbolfigur weiblicher Kreativität und eines von Leiden, Lieben und Unabhängigkeitsstreben geprägten Lebens. Wäre es nach der mexikanischen Künstlerin gegangen, hätte sie in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag gefeiert und nicht schon 2007. Frida, die bekennende Marxistin und leidenschaftliche Nationalistin, verschob ihr Geburtsdatum von 1907 auf 1910, dem Jahr der mexikanischen Revolution. Anlässlich ihres imaginären 100. Geburtstag ehrt der Berliner Martin-Gropius-Bau Frida Kahlo in der bislang größten Retrospektive. Die Ausstellung ist gleichzeitig Höhepunkt der in Deutschland veranstalteten Feierlichkeiten der Vereinigten Staaten von Mexiko, die den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit und eben den 100. Jahrestag der Revolution begehen.

Mehr als 150 Gemälde und Zeichnungen, darunter die Bilder der beiden größten Kahlo-Kollektionen, die Sammung Dolores Olmedo Patiño und die Sammlung Gelman, sind in Berlin zu sehen. Darunter befinden sich einige verschollen geglaubte Arbeiten, wie das bemalte Gipskorsett Kahlos und ihre letzten Arbeiten aus dem Jahr 1954 sowie das in Öl gemalte Selbstporträt als Sonnenblume – es galt bislang als zerstört. Zahlreiche der 90 präsentierten Zeichnungen waren nie zuvor zu sehen. Die Retrospektive sei deshalb „auch für die Frida-Kahlo-Kult-Gemeinde spannend“, betont Kuratorin Helga Prignitz-Poda. Die Kunsthistorikerin will „vor allem die Malerin zeigen“. Rezeptionen über Frida, die Feministin, die Revolutionärin oder die Leidende gebe es genug.

So zeigt die Ausstellung ihre künstlerische Entwicklung von der Neuen Sachlichkeit, dem mexikanischen Estridentismus – einer avantgardistischen, interdisziplinär arbeitenden Künstlerbewegung nach der Mexikanischen Revolution –, bis hin zum Surrealismus und ihrem ganz eigenen Realismus.

Die gebrochene Säule, 1944, Museo Dolores Olmedo Patiño, Xochimilco, Mexiko-Stadt. Foto: Banco de México, Diego Rivera-Frida Kahlo Museumstrust, México, D. F./ VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Die gebrochene Säule, 1944, Museo Dolores Olmedo Patiño, Xochimilco, Mexiko-Stadt. Foto: Banco de México, Diego Rivera-Frida Kahlo Museumstrust, México, D. F./ VG Bild-Kunst, Bonn 2010
Es ist kein leichtes Unterfangen, Leben und Werk Frida Kahlos voneinander zu trennen. Von ihren 145 Gemälden sind allein 60 Selbstporträts. Frida verarbeitete das lebenslange Leiden in ihren Bildern: Mit 18 Jahren hatte sie einen schweren Busunfall, bei dem sich eine Stange durch ihr Becken bohrte. Hinzu kam eine vermeintliche Polioerkrankung in der Kindheit, deren Diagnose jedoch inzwischen nicht mehr als gesichert gilt. Von manchen wird eine Spina bifida occulta als Ursache für ihre späteren Beschwerden angesehen. Jedenfalls ließ sie im Laufe ihres Lebens 22 Operationen an Wirbelsäule und Beinen über sich ergehen und erlebte eine Reihe von Fehlgeburten. Das Bild „Die gebrochene Säule“ (Abbildung rechts) zeigt wohl am eindrücklichsten, wie die damals 37-Jährige ihren Körper erlebt hat. Die körperliche Versehrtheit hielt sie nicht davon ab, ein Leben voller Leidenschaft zu führen. Sie heiratete 1929 – und später noch einmal – Diego Rivera, den damals bereits berühmten Maler riesiger politisch-revolutionärer Wandbilder, und verarbeitete auch dessen beständige Untreue in ihren Bildern. Selbst hatte sie auch einige Liebesaffairen. Unter anderem mit dem ungarischen Fotografen Nickolas Muray, der auch das Foto „Diego und Frida“ aufnahm (Abbildung links). Das Foto ist Teil der begleitenden Fotoschau aus dem Besitz der Familie Kahlo und naher Freunde, die dem Besucher „Einblicke in Fridas Leben geben soll, um dieses aus dem Werkkontext zu lösen“. Die Großnichte Cristina Kahlo kuratiert diesen Teil der Ausstellung, der eine faszinierende Frau mit folkloristischer Kleidung, prächtigem Schmuck und selbstbewusstem Blick zeigt.
Petra Bühring

Die Frida-Kahlo-Retrospektive ist bis zum 9. August im Martin-Gropius-Bau, Niederkirchnerstraße 7, 10963 Berlin zu sehen (www.gropiusbau.de). Danach wird die Ausstellung im Kunstforum Wien gezeigt.
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