ArchivDeutsches Ärzteblatt21/2010Börsebius: Üb’ immer Treu und Redlichkeit

GELDANLAGE

Börsebius: Üb’ immer Treu und Redlichkeit

Dtsch Arztebl 2010; 107(21): A-1084 / B-956 / C-944

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LNSLNS Mir wurde das noch vor mehr als 40 Jahren in meiner Lehre eingebläut, für die Hanse war er ein wichtiger unverzichtbarer Grundpfeiler: der ehrbare Kaufmann. Heute scheint diese Charakter-eigenschaft der Anwendung allgemeiner ethischer Grundsätze nicht mehr so sehr auf der Agenda des Umgangs miteinander zu stehen.

Was aber macht den ehrbaren Kaufmann konkret aus? In der bereits 1517 gegründeten „Versammlung Eines Ehrbaren Kaufmanns zu Hamburg“ werden in der Satzung die allgemein anerkannten ethischen Grundsätze genannt und sowieso das Prinzip von Treu und Glauben.

Diese Vorgaben – Solidarität, Humanität, Wahrhaftigkeit, Transparenz, Ehrlichkeit sowie Fairness – sind im Vorfeld der Finanzkrise allesamt auf der Strecke geblieben und haben so dem Ausbruch der Finanzmarktkrise erschreckenden Vorschub geleistet. Aber auch danach hat sich in Wirklichkeit kaum etwas am Verhalten der Finanzmarktakteure geändert, warum auch, aus deren Sicht. Nach wie vor finden windige Produkte (Zertifikate) ihre Abnehmer, nach wie vor genehmigen sich die Banker gigantische Boni, nach wie vor wird von den Geldinstituten billiges Geld (vom Steuerzahler) zum Kauf von höher rentierlichen Anleihen (der PIIGS-Staaten) eingesetzt, um sie dann, wenn sie kaputt sind, im Zweifel später wieder dem Steuerbürger anzulasten. Was für ein grausames System.

Das (wünschenswerte) Verhalten eines ehrbaren Kaufmanns bezieht sich gleichwohl zwingend auch auf andere Berufsgruppen, also auch und erst recht auf die Politikerkaste.

Ehrbar ist es etwa nicht, seit nunmehr drei vollen Jahren verbal auf den Sack zu hauen, was alles zu tun und zu lassen sei, um der Finanzkrise Herr zu werden. Trotz dreier bisheriger Weltfinanzgipfel ist im Grunde nichts geschehen, die vielbeschworene „neue globale Finanzarchitektur“ existiert noch nicht einmal im Ansatz.

Was wurden nicht alles für Reden geschwungen, geschworen, hoch und heilig versprochen, die Akteure zu bändigen, kurzum: Kein Markt und kein Finanzprodukt würden unreguliert bleiben. Bis auf ein bisschen (zeitweiliges) Verbot von ungedeckten Leerverkäufen und das Bereitstellen von irre viel Geld (des Steuerzahlers) ist im Grunde nichts passiert. Plappern gehört nun mal nicht zum Handwerk. Vor allem nicht, wenn es dringend gilt, Treu und Redlichkeit zu üben. Immer.


Börsebius-Telefonberatung „rund ums Geld“
Wie an jedem 1. Samstag des Monats, können Sie auch am 5. Juni 2010 in der Zeit von 9 bis 13 Uhr -Börsebius (Diplom-Ökonom Reinhold Rombach) anrufen (0221 985480-17). Die kostenlose -Telefonberatung ist ein spezieller Service des Deutschen Ärzteblattes für seine Leser.
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