ArchivDeutsches Ärzteblatt36/1997Börsebius rund ums Geld: Kaum gewonnen, schon zerronnen

VARIA: Schlusspunkt

Börsebius rund ums Geld: Kaum gewonnen, schon zerronnen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Der neueste Schrei im Markt der geschlossenen Immobilienfonds sind Seniorenheime, Altenresidenzen, Ruhestandsoasen und wie die Dinger auch heißen mögen. Die Leute werden immer älter und reicher, und sie geben immer mehr Geld für ein gepflegtes Wohnambiente außerhalb der familiären Einbettung aus. Das sagen zumindest die Initiatoren solcher Objekte und locken den Anlegern das Geld aus der Tasche. Es gilt also, Geld zu verdienen und auch noch jede Menge Steuern zu sparen. Wo soll denn bei einer derartigen Traumkonstellation ein etwaiges Risiko sein?
Wer dennoch ordentlich mißtrauisch ist, dem wird mit einer prima Mietgarantie klargemacht, daß er, würde er sich dieses todsichere Geschäft entgehen lassen, nun wirklich ganz und gar zu den Steuersparmuffeln zählte. Also, was bleibt einem denn schon anderes übrig, der Kollege Chefarzt hat ja auch gezeichnet, und im übrigen will man doch zum feinen Club der cleveren Investoren gehören.
Aber: Zwischen rosaroten Prospektversprechungen und der Realität klaffen bisweilen erhebliche Lücken, bittere fürwahr. Rund 40 000 Anleger der WGS Wohnungsgesellschaft mbH haben dies leidvoll erfahren müssen. Sie bangen um ihr Geld. Die Stuttgarter WGS, eine der ganz großen Adressen in der Branche, hat dieser Tage Konkurs angemeldet. Der Initiator von bundesweit 41 geschlossenen Immobilienfonds mit einem Volumen von zwei Milliarden Mark stolperte vor allem über Mietgarantieverpflichtungen bei gleichzeitig hohen Leerständen. Die WGS baute mit dem Geld der Anleger vor allem Seniorenresidenzen, Altenheime, Hotels und Büros. Offenbar völlig am Markt vorbei. Die Vermietung der Altenwohnheime verlief beispielsweise äußerst schleppend.
Einem Teil der Anleger wurde bereits die Aussetzung der Ausschüttung angekündigt, andere werden mit ähnlichen Hiobsbotschaften rechnen müssen. Ob sie ihre Einlage wiedersehen oder wenigstens einen kleinen Teil davon, ist hochgradig unsicher. Eines ist auch klar: Die von der WGS abgegebenen Mietgarantien sind im Konkursfall als ganz normale nachrangige Forderungen einzustufen, und davor werden bekanntlich erstmal andere Gläubiger mit Grundpfandrechten befriedigt, zuallererst also die Banken. Was dann noch übrigbleibt, ist bestenfalls ein Bodensatz von ein paar Vermögensprozenten.
Zu allem Unglück dürfte sich früher oder später auch noch der Fiskus zu Wort melden und die steuerliche Absetzbarkeit der hier in Frage kommenden WGS-Objekte in Frage stellen. So ist - wieder einmal - klar, daß jede Menge Leute mit einer scheinbar sicheren Anlage auf der Strecke bleiben. Börsebius
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