ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Passivrauchen: Unbegreiflich

SPEKTRUM: Leserbriefe

Passivrauchen: Unbegreiflich

Hausen, Harald zur

Zu dem Beitrag "Passivrauchen: Halb so schlimm?" von Dr. Sabine Glöser in Heft 28-29/1997; ein Leserbrief ist bereits in Heft 34-35/1997 erschienen:
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LNSLNS Der Bericht läßt beim nichtinformierten Leser den Eindruck entstehen, als sei das Gesundheitsrisiko für Passivraucher unwesentlich und wissenschaftlich immer noch umstritten. Die wissenschaftliche Gemeinschaft jedoch kann nur mit einem Kopfschütteln auf diese Veröffentlichung im Deutschen Ärzteblatt reagieren. Bereits 1985 beurteilte die Senatskommission der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) den passiv inhalierten Tabakrauch als gesundheitsschädliches Stoffgemisch. Seitdem wurde in einer Fülle von toxikologischen und epidemiologischen Studien und zuletzt durch die Beratungskommission Toxikologie der Deutschen Gesellschaft für experimentelle und klinische Pharmakologie und Toxikologie (DGPT) im Jahre 1995 deutlich gemacht, daß Passivrauchen zu Atemwegserkrankungen bei Säuglingen, Kleinkindern und Kindern führt, Atemwegserkrankungen Erwachsener herbeiführt, möglicherweise das Risiko für koronare Herzkrankheiten erhöhen und Lungenkrebs hervorrufen kann. Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums sehen gemeinsam mit der Beratungskommission den Tabakrauch in der Innenraumluft als gesundheitsschädliches Stoffgemisch mit kanzerogener Wirkung an. Diese wissenschaftlich fundierte Annahme wurde im übrigen von den Delegierten des 100. Deutschen Ärztetages in Eisenach in einer Entschließung zur Prävention und zum Nichtraucherschutz angenommen.
Es ist daher für uns als Wissenschaftler und Ärzte unbegreiflich, daß das Deutsche Ärzteblatt ausgerechnet gegenwärtig vor der Verabschiedung eines Nichtraucherschutzgesetzes im Deutschen Bundestag durch entsprechende unkritische Veröffentlichungen zu Verunsicherungen bei Kollegen und bei gesundheitspolitischen Entscheidungsträgern beiträgt.
Prof. Dr. med. Dr. h. c. mult. Harald zur Hausen, Deutsches Krebsforschungszentrum, Im Neuenheimer Feld 280, 69120 Heidelberg
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