ArchivDeutsches Ärzteblatt11/1996Umweltthema im März – Klimaveränderung: Schlechte Prognosen

POLITIK: Aktuell

Umweltthema im März – Klimaveränderung: Schlechte Prognosen

Eckel, Heyo; Hüttemann, Ulrich; Rink, Claus

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LNSLNS Um die Zusatzbezeichnung "Umweltmedizin" zu erlangen, müssen Ärztinnen und Ärzte sich auch mit dem Thema "Klimaveränderungen" befassen. Daher sollen im folgenden die häufigsten Fragen dazu dargestellt werden. Die Antworten beziehen sich auf Veröffentlichungen aus den USA (Global Change Data and Information System), England (Atmospheric Research and Information Centre), Australien (Australian Bureau of Meteorology Research Centre) und Deutschland (Klimarechenzentrum des Max-Planck-Instituts in Hamburg).
¿ Wann liegt eine Klimaveränderung vor?
Die Grobdefinition lautet: Wenn sich der mittlere Zustand der Atmosphäre innerhalb einer Klimaregion innerhalb von 35 bis 50 Jahren signifikant ändert. À Wie kann es zu globalen Veränderungen kommen?
– Bei einer Veränderung der allgemeinen Strahlungsverhältnisse durch direkte oder indirekte Strahlung der Sonne,
– bei einer Veränderung der Reflexions- und Absorptionsverhältnisse in der Atmosphäre oder auf dem Erdboden und
– bei einer Veränderung der chemischen Zusammensetzung der Weltmeere.
Á Welche Anzeichen für globale Klimaveränderungen gibt es?
– Die bodennahe Lufttemperatur der letzten 100 Jahre ist um etwa 0,3 bis 0,6 Grad gestiegen.
– Die Schneebedeckung auf der Nordhemisphäre hat abgenommen.
– Die Masse der alpinen Gletscher hat seit 1850 um 50 Prozent abgenommen.
– Die Niederschläge in der Sahelzone haben abgenommen.
– Die tropischen Ozeane erwärmen sich, der Wasserdampfgehalt in der unteren tropischen Atmosphäre steigt.
– Die Stratosphärentemperaturen nehmen ab.
 Gibt es besondere Faktoren, die zu einer globalen Veränderung führen?
– Zuführung von Spurengasen.
– Großflächige Vegetationsveränderungen in den subarktischen und tropischen Gebieten. – Intensivierung von Großviehhaltung und Reisanbau. – Verstärkung des Flugverkehrs.
– Abbau der Ozonschicht, deshalb Zerstörung des Meeresplanktons mit daraus resultierender Freisetzung von CO2.
à Welche gesicherten Erkenntnisse gibt es bis heute?
Auch bei Feststellungen zum "gesicherten Stand der Forschung" sind Unsicherheiten in den Prämissen enthalten, die alle Ergebnisse verfälschen können. Zwei Beispiele:
Die Vorgänge bei der Zirkulation in den Ozeanen sind noch nicht ausreichend bekannt. Es fehlen unter anderem Kenntnisse über die Effekte von Wol-ken oder die Auswirkungen der stratosphärischen Sulfatkonzentrationen vor allem durch Vulkanausbrüche. Der "gesicherte Stand" ist abhängig von der Realitätsnähe verschiedener Szenarien (Hochrechnungen). Bei einem Emissionsszenario, welches von der Prämisse "business as usual" (keine Veränderung im Verhalten der Menschen) ausgeht, könnte man von einem Anstieg der bodennahen Lufttemperatur um 0,3 Grad ± 0,15 Grad pro Jahrzehnt ausgehen. Bei einem Szenario, welches vom maximalen Erfolg eingeleiteter Regulierungsmaßnahmen ausgeht, läge der Anstieg der bodennahen Lufttemperatur bei 0,6 Grad pro Jahrhundert (beides bezogen auf ein globales Mittel).
Ä Wie sieht der gesicherte Stand der vermuteten globalen Auswirkungen aus?
– Anstieg des Meeresspiegels um 30 bis 50 cm in den nächsten fünf Jahren, Häufung und Verstärkung von Flutkatastrophen.
– Flächenverluste von Inselstaaten und küstennahen Regionen, die auf Meeresniveau liegen.
– Veränderung der Ökosysteme durch Überforderung der Anpassungsfähigkeit an neue Klimavoraussetzungen.
– Austrocknung der Böden in semiariden landwirtschaftlich genutzten Gebieten mit Degradationserscheinungen (Versalzung, Erosion).
– Häufung klimatischer Extremereignisse.
– Beschleunigung des mikrobiellen Abbaus organischer Substanzen, die zur Freisetzung von CO2 und zur Verstärkung des Treibhauseffektes führen.
Å Und regionale Auswirkungen? – Temperaturzunahme in Westeuropa von 0,25 Grad pro Jahrzehnt.
– Zunahme der winterlichen Niederschläge in Nord- und Mitteleuropa mit möglicher Zunahme regionaler Starkereignisse über das ganze Jahr.
– Häufung von Extremereignissen.
– Meeresspiegelanstieg von etwa 3 bis 4 mm pro Jahr.
– Ausdehnung tropischer Krankheiten in gemäßigte Breiten.
– Veränderung landwirtschaftlicher Anbaumethoden.
– Veränderung des Lebensverhaltens, zum Beispiel Wanderungsbewegungen auf Grund schlechterer Umweltbedingungen.


Prof. Dr. med. Heyo Eckel
Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann
Dr. rer. nat. Claus Rink


Rückfragen an: Dr. Claus Rink, c/o Georisk GmbH, Schloß Türnich, 50169 Kerpen, Tel 0 22 37/6 12 22,
oder e-mail: Internet: 100526.2351
@compuserve.com, e-mail: Compuserve: 100526,2351
enviroreport@t-online.de

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