ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Umweltthema im September: Bodenbelastung durch Schwermetalle

POLITIK: Aktuell

Umweltthema im September: Bodenbelastung durch Schwermetalle

Eckel, Heyo; Hüttemann, Ulrich; Rink, Claus

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LNSLNS Die ärztlichen Mitarbeiter im Öffentlichen Gesundheitsdienst werden bei gutachterlichen Tätigkeiten häufig mit der Einschätzung von spezifischen Bodenbelastungen konfrontiert. Dazu soll im folgenden ein Überblick gegeben werden. Schwermetalle sind natürliche Bestandteile von Böden. Als Beispiel für die Schwermetallbelastung von Böden bieten sich die Elemente Blei und Cadmium an, da sie in der Umwelt besonders weit verbreitet und zudem besonders toxisch sind.
Cadmium ist ein im Boden leicht mobiles Schwermetall. Schon bei geringen Schadstoffgehalten wird es an Standorten mit zu niedrigem pH-Wert oder Humusgehalt von den angebauten Kulturen aufgenommen. Dabei können die Lebensmittelricht- beziehungsweise Futtermittelgrenzwerte überschritten werden. Gerade die besondere Mobilität von Cadmium zeigt deutlich, daß Belastungen falsch eingeschätzt werden können. Daher ist immer Vorsicht angebracht, wenn Bodenbelastungskataster nur in Abhängigkeit einer Variablen interpretiert werden.
Blei dagegen ist im Boden weniger mobil und wird daher nur in Ausnahmefällen über die Pflanzenwurzel aufgenommen. Bei besonders hohen Blei- oder Cadmiumgehalten können sich beispielsweise auf Spielplätzen oder in Kleingärten für Kinder gesundheitliche Risiken durch orale Aufnahme ergeben. Übersteigt die Schwermetallbelastung das Bindungsvermögen des Bodens, besteht die Gefahr, daß Schwermetallverbindungen mit dem Sickerwasser ins Grundwasser verlagert werden. Die Belastung des Bodens mit Schwermetallen ist besonders problematisch, da diese im Boden nicht abgebaut werden. Schwermetalle im Boden können daher nicht dauerhaft beseitigt, sondern allenfalls durch eine Umverteilung im Ökosystem lokal gemindert oder den Stoffkreisläufen durch Immobilisierung entzogen werden.
Die Proben von Schwermetallen werden in nutzungsspezifischen Schichten genommen. Die meisten Meßdaten repräsentieren Mischproben der obersten 20 Bodenzentimeter. In den Forsten (Waldbereiche in Städten) liegt die Beprobungstiefe meist zwischen 5 und 35 cm. Angegeben wird der Schwermetallgehalt des obersten mineralischen Bodenhorizonts. Bei Spielplätzen wird der Schwermetallgehalt des obersten untersuchten Bodenhorizonts beziehungsweise der verwendeten Oberflächenbeläge gemessen. Alle Werte beziehen sich auf Materialien, die innerhalb der ersten zehn Bodenzentimeter zu finden sind.
Für eine Bodenbelastung mit Blei oder Cadmium sind zumeist Beimengungen kontaminierter Materialien (zum Beispiel Bauschutt, Schlacke) verantwortlich, die teilweise aus einer Vornutzung als Deponie oder Industriestandort stammen. Entsprechend überformte Böden finden sich insbesondere im Bereich von Klein- und Hausgärten, Grünanlagen und sonstigen Nutzungen. Gerade in Innenstadtbereichen sind häufig großflächige Ablagerungen von Trümmerschutt vorhanden. An diesen Standorten werden regelmäßig die höchsten Schwermetallgehalte gemessen. Belastungsspitzen im Außenbereich können vielfach durch anthropogene Ablagerungen erklärt werden.
Ein besonderes Augenmerk gilt den "privat genutzten Flächen der Haushalte". Bei der Bewirtschaftung von Klein- und Hausgärten sowie gärtnerisch gepflegten Grünflächen kommt es durch die Aufbringung belasteter Komposte und Bodenverbesserungsmittel, insbesondere bei einer regelmäßigen und langfristigen Anwendung, zu erheblichen Schwermetalleinträgen in den Boden. Die Belastung von Komposten wurde in zahlreichen Untersuchungen vielerorts nachgewiesen. Ursache dafür ist vorwiegend die Kompostierung schadstoffhaltiger Abfälle (zum Beispiel von Aschen). Auch die früher weitverbreitete Verwendung belasteter Klärschlammkomposte in Klein- und Hausgärten oder Grünanlagen, die heute nur noch kleinflächig erfolgt, hat zur Bodenbelastung beigetragen. Belastungen von Spielplätzen ergeben sich aus der Verwendung kontaminierter Deck- und Baumaterialien wie Schlacken und Bauschutt.
Verkehrsemissionen
Die Einträge aus der Luft werden leider zu wenig beachtet. Es werden zwar nur geringe Mengen an Schwermetallen durch Niederschlag oder Sinkstaub deponiert, aber in der Summe, bezogen auf ein Jahr, entstehen große Belastungen. Aufgrund der höheren Depositionsmenge zeigt sich dieser Einfluß für Blei deutlicher als für Cadmium. Böden im Innenstadtbereich werden stärker belastet als Böden am Stadtrand. Belastungsspitzen werden in der Umgebung von gewerblichen Emittenten gemessen, aber auch in unmittelbarer Nähe von stark befahrenen Straßen. Gerade die Bleibelastung durch Verkehrsemissionen hat allerdings in den letzten fünf Jahren rasant abgenommen. Belastungen im Bereich der Forsten sind fast ausschließlich auf die Deposition aus der Luft zurückzuführen, die durch deren Filterwirkung noch verstärkt wird. Bei den bearbeiteten Garten- und Landwirtschaftsflächen wird der Oberboden regelmäßig durchmischt, so daß der Immissionseinfluß nicht sehr deutlich erkennbar ist.


Dr. rer. nat. Claus Rink
Prof. Dr. med. Heyo Eckel
Prof. Dr. med. Ulrich Hüttemann


Rückfragen zur Karte: Georisk GmbH, Schloß Türnich, 50169 Kerpen, Tel 0 22 37/6 12 22
Rückfragen zum Text: Dr. Claus Rink, Fax 0 22 38/45 01 40, e-mail: RINK@compuserve. com, oder Rink.UDS.enviroreport@t-online.de

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