ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Prävention: „Aktion gegen den Darmkrebs“ hat Erfolg

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Prävention: „Aktion gegen den Darmkrebs“ hat Erfolg

Glöser, Sabine

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LNSLNS Das Modellprojekt "Aktion gegen den Darmkrebs - Je früher desto besser" zeigt Erfolge: Die Teilnahme an der Früherkennungsuntersuchung ist gestiegen. Diese positive Zwischenbilanz zogen die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe, die das Projekt im April 1996 mit der KV Bayerns und den gesetzlichen Krankenkassen initiierten.
"In München hat sich jede zweite Frau und jeder fünfte Mann über 45 Jahren am Okkultblut-Screening beteiligt. Dies entspricht einer Steigerung von 49 Prozent bei Frauen und 27 Prozent bei Männern." Dieses positive Zwischenergebnis präsentierte Dr. Lutz Altenhofen vom Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung (ZI) in München nach einjähriger Laufzeit der "Aktion gegen den Darmkrebs".
Mit dem Ziel, die Teilnahme an der Untersuchung zur Darm­krebs­früh­erken­nung zu steigern, starteten die Deutsche Krebsgesellschaft und die Deutsche Krebshilfe zusammen mit der KV Bayerns (KVB) und den gesetzlichen Krankenkassen in Bayern im April vergangenen Jahres ein Modellprojekt. In den Regionen München, Regensburg und Straubing forderte die KVB alle Vertragsärzte auf, Patienten ab dem 45. Lebensjahr zur Vorsorgeuntersuchung zu animieren und diese direkt in der Praxis vorzunehmen. Bisher haben sich mehr als 4 500 Vertragsärzte - hauptsächlich Allgemeinärzte, Internisten, Urologen und Frauenärzte - daran beteiligt. Die Vergütung erfolgt außerhalb des gedeckelten Budgets und umfaßt neben der Untersuchung eine Dokumentation.
Das Angebot erreiche die richtige Zielgruppe, wertete Altenhofen die Ergebnisse. Etwa jeder zweite Teilnehmer habe bisher das Krebsfrüherkennungsprogramm nie oder nicht regelmäßig in Anspruch genommen. Bei jedem zwanzigsten Teilnehmer sei der Okkultbluttest positiv gewesen. In München seien bei etwa 165 000 Teilnehmern 67 Darmkrebs- und 360 Polypenträger erkannt worden. Nach vorläufigen Angaben seien 38 Prozent der Tumoren im Frühstadium und fast die Hälfte aller Darmtumoren im fortgeschrittenen Stadium entdeckt worden. Die Akzeptanz der Früherkennungsuntersuchung müsse daher bei Ärzten und Versicherten noch erhöht werden, sagte Altenhofen. Nach heutigen Erkenntnissen gingen 90 bis 95 Prozent der Darmkrebserkrankungen aus Polypen hervor; würden diese frühzeitig entdeckt und bei einer Darmspiegelung entfernt, könne das Darmkrebsrisiko minimiert werden.
Angst vor Schmerzen
Eine Befragung der Patienten, die sich zur Abklärung eines positiven Okkultbluttestes einer Darmspiegelung unterzogen, ergab: Jeder dritte Patient hatte Bedenken vor der Darmspiegelung - häufigstes Motiv war Angst vor Schmerzen und die mögliche Entdeckung einer schweren Erkrankung. Doch 80 bis 90 Prozent der Patienten beurteilte die Untersuchung im nachhinein als erträglich.
Daß ein Augenarzt auf eine Darm­krebs­früh­erken­nungsuntersuchung hinweist, sei für die Patienten zwar ungewöhnlich, aber auch die Ärzte müßten umdenken, betonte Dr. med. Albert Liebl, Präventionsbeauftragter der KVB. Denn entscheidend sei, daß langfristig Ärzte aller Fachrichtungen mitmachten.
Die Krebsfrüherkennung leiste einen wichtigen Beitrag zur Kostendämpfung im Gesundheitswesen, unterstrich der Geschäftsführer der Deutschen Krebshilfe, Achim Ebert. "Gute Früherkennungsprogramme retten wahrscheinlich mehr Patienten das Leben als neue Medikamente." Dr. Sabine Glöser
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