ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997„Wasting Syndrome„ bei AIDS: Zum Einsatz von Wachstumshormonen

POLITIK: Medizinreport

„Wasting Syndrome„ bei AIDS: Zum Einsatz von Wachstumshormonen

DAGNÄ

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LNSLNS Beim rekombinierten humanen Wachstumshormon handelt es sich um eine relativ teure, in der Indikation der HIV-Erkrankung neue Substanz, deren Einsatz auch unter Berücksichtigung des Fortschritts in der antiretroviralen Kombinationstherapie bei HIV-Patienten grundsätzlich selten notwendig wird. Diese Empfehlungen sollen Hilfen zur Indikationsstellung und zu Fragen der Effektivität und Toxizität geben. Die Substanz ist in Deutschland für andere Indikationen zugelassen.
In den USA unter der Bezeichnung Serostim zur Behandlung des "wasting syndrome" bei AIDS zugelassen (Schambelan et al. 1996), ergänzt das Wachstumshormon andere Therapiemöglichkeiten wie Ernährungsberatung, orale Supplementierung, Einsatz von Progesteron- oder Testosteronabkömmlingen, die perkutane enterale Gastrostomie (PEG) und die totale parenterale Ernährung bei Patienten, die zehn Prozent oder mehr ihres Ausgangsgewichtes verloren haben und bei denen die erwähnten Therapieverfahren des Wasting nicht oder nicht ausreichend effektiv sind.
Primäre Aufgabe des behandelnden Arztes ist es, in einer solchen Situation sicherzustellen, daß - wenn möglich - eine der Situation entsprechende antiretrovirale Kombinationstherapie durchgeführt wird und behandelbare opportunistische Infektionen als Grund des Gewichtsverlustes ausscheiden. Unter Berücksichtigung der Vor- und Nachteile anderer Therapieverfahren kann die Entscheidung zur subkutanen Gabe von rekombinierten humanen Wachstumshormonen sinnvoll sein.
Grundlage der Entscheidung sollte in jedem Fall die durch bioelektrische Impedanz-Analyse (BIA, Fischer 1997) objektivierte Messung der Körperzusammensetzung sein. Ziel ist in erster Linie die Vermehrung der Muskelmasse, wobei in den meisten Fällen auch eine Verbesserung der körperlichen Leistungsfähigkeit erreicht wird.
Häufigste Nebenwirkung ist bei grundsätzlich eher niedriger Toxizität die Angabe von nach Absetzen rückläufigen, möglicherweise flüssigkeitsbedingten Schwellungen an Händen und Füßen sowie Schmerzen in den kleinen Gelenken. Regelmäßige Labor- und BIA-Kontrollen sind zum Therapiemonitoring erforderlich.
Die US-Zulassung erfolgte für die Dosierung 0,1 mg/kg KG (eine Ampulle zu 6 mg) pro Tag subkutan. Es gibt Hinweise darauf, daß auch niedrigere Dosierungen (3 mg/Tag), zum Beispiel eine Injektion subkutan jeden zweiten Tag, ausreichende therapeutische Valenzen entfalten können. DAGNÄ

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