ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Anforderungen an arbeitsmedizinisch-toxikologische Analysen: Stand der Technik

MEDIZIN: Die Übersicht

Anforderungen an arbeitsmedizinisch-toxikologische Analysen: Stand der Technik

Dtsch Arztebl 1997; 94(37): A-2331 / B-1891 / C-1735

Lehnert, Gerhard

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LNSLNS Das Biological Monitoring ist in den letzten 30 Jahren zu einem unverzichtbaren Bestandteil arbeitsmedizinischer Vorsorgeuntersuchungen von Personen geworden, die an ihren Arbeitsplätzen mit chemischen Substanzen umgehen. Wegen der Bedeutung für die Prävention beruflich bedingter Erkrankungen und nicht zuletzt wegen der möglichen ökonomischen Konsequenzen kommt der Zuverlässigkeit arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysen größte Bedeutung zu. Es erscheint deshalb an der Zeit, den Stand der Analysentechnik zu schildern und Mindestanforderungen an die Zuverlässigkeit der Ergebnisse zu definieren.
Die laufende Bestimmung von Schadstoffen oder ihrer Metabolite in den Körperflüssigkeiten gefahrstoffexponierter Personen erlaubt es, die sogenannte innere Belastung zu quantifizieren und anhand von Grenzwerten zu entscheiden, ob diese Exposition als tolerabel angesehen werden kann. Dieses Biological Monitoring als Möglichkeit der Individualprävention hat sich in den letzten 25 Jahren neben der Messung der Schadstoffe in der Luft (Ambient Monitoring) etabliert und ist auch in die Gefahrstoffverordnung eingeschlossen. Grundlage des Biological Monitoring sind Methoden der instrumentellen analytischen Chemie, die sich von anderen in der Heilkunde routinemäßig verwendeter Analysenverfahren vor allem dadurch unterscheiden, daß die nachzuweisenden Substanzkonzentrationen im Ultraspurenbereich liegen und daß sich die Probenaufbereitung einer Automatisierung weitgehend entzieht. Trotz dieser Schwierigkeiten können heute Mindestanforderungen an die Zuverlässigkeit arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysenergebnisse definiert werden. Dabei stützt man sich zum einen auf Analysenverfahren, die bezüglich ihrer analytischen Zuverlässigkeit und Nachvollziehbarkeit geprüft sind, zum anderen auf die Erfahrung aus 18 Ringversuchen, die von der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin seit 1982 durchgeführt worden sind. Im Zusammenhang mit der Zuverlässigkeit arbeitsmedizinisch-toxikologischer Laborergebnisse ist der Arzt, der solche Analysen durchführen läßt, im Sinne von § 5 der (Muster-)Berufsordnung auf seine Verpflichtung zur Qualitätssicherung beziehungsweise deren Kontrolle hinzuweisen. Auch der Arbeitgeber kommt seiner Verpflichtung nach § 18 der Gefahrstoffverordnung im Rahmen seiner Überwachungspflicht nicht nach, wenn die von ihm in Auftrag gegebenen Untersuchungen nicht der Qualitätssicherung unterzogen sind.
Die Qualitätssicherung im Bereich arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysen erfolgt entsprechend der bislang gültigen Technischen Regel für gefährliche Arbeitsstoffe 410 (TRgA 410) zur Gefahrstoffverordnung (28). Die Ausführungsbestimmungen zur Durchführung der statistischen Qualitätssicherung befinden sich im Anhang zur genannten Technischen Regel und gründen sich auf die entsprechenden Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer (8, 9, 10). Diese haben vor allem die Methoden des klinisch-chemischen Laboratoriums im Blickfeld. Für den Bereich arbeitsmedizinisch-toxikologischer Untersuchungen sind jedoch verschiedene Besonderheiten zu beachten. Diese sowie der derzeitige Stand der Technik im Bereich arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysen sollen im folgenden dargestellt werden.
Qualitätssicherung
arbeitsmedizinischtoxikologischer Befunde
Ziel jeder arbeitsmedizinisch-toxikologischen Untersuchung ist ein ärztlicher Befund, der sich seinerseits auf ein analytisch zuverlässiges Labor-ergebnis stützt. Dieses Laborergebnis muß mit den entsprechenden Ergebnissen anderer Laboratorien sowie den einschlägigen Referenz- und Grenzwerten vergleichbar sein. Die Voraussetzungen dafür müssen durch Standardisierung der präanalytischen Phase, durch die Verwendung von standard operating procedures (1, 7, 13) und die strikte Durchführung der Qualitätssicherung geschaffen werden. Auf die Verantwortlichkeit des Arztes für die Richtigkeit von Laborergebnissen ist in diesem Zusammenhang hinzuweisen (16).
Qualitätskriterien
Im Rahmen der Qualitätssicherung werden die Präzision und die Richtigkeit von Laborergebnissen geprüft. Unter Präzision versteht man gemeinhin die Wiederholbarkeit eines Analysenergebnisses (Streuung) (12). Die Richtigkeit eines Analysenergebnisses ist das Maß für dessen Annäherung an den wahren Analytgehalt der Probe.
Kontrollmaterial
Für die verschiedenen Maßnahmen der Qualitätssicherung ist Kontrollmaterial (Kontrollharn, Kontrollblut und anderes) notwendig.
Die Anforderungen an Kontrollmaterial für arbeitsmedizinisch-toxikologische Analysen sind im Textkasten Kontrollmaterial dargestellt. Zusätzlich zu diesen Anforderungen muß Kontrollmaterial, das für arbeitsmedizinische Ringversuche eingesetzt wird, bezüglich seiner Analytkonzentrationen unbekannt sein. Stehen für den einen oder anderen Parameter käufliche Kontrollproben nicht zur Verfügung, so müssen diese selbst hergestellt werden (5). Zur Herstellung des Kontrollmaterials setzt man Tierblut und Humanharn ein. Diese Materialien werden mit den verschiedenen Analyten dotiert. Dies ist international üblich. Die Verwendung von nativem Kontrollmaterial weist gegenüber dotiertem Kontrollmaterial keine Vorteile auf.
Grenzwerte zur
Interpretation der
Analysenergebnisse
Die Laborergebnisse arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysen werden anhand von Grenzwerten interpretiert, deren Überschreitung eine berufliche Gefahrstoffbelastung als gesundheitlich intolerabel kennzeichnet. Daran bindet der Verordnungsgeber Maßnahmen, um eine gesundheitliche Gefährdung der Beschäftigten auszuschließen. Diese Maßnahmen sind unter Umständen mit erheblichen ökonomischen Konsequenzen für den Arbeitgeber, den Adressaten der Gefahrstoffverordnung, verbunden. Arbeitsmedizinisch-toxikologische Laboranalysen dienen der Beantwortung der Frage, ob bestimmte Grenzwerte eingehalten oder überschritten sind. Das Kriterium der klinischen Chemie, die Qualität von Laborergebnissen "an den medizinischen Erfordernissen" auszurichten (9), kann für den Bereich der Arbeitsmedizin nicht ohne weiteres übernommen werden. Da die Vorgaben des Verordnungsgebers (Gefahrstoffverordnung) eine dichotome Entscheidung erfordern - Einhaltung des Grenzwertes oder Überschreitung -, muß an arbeitsmedizinisch-toxikologische Analysen die zusätzliche Forderung gestellt werden, die Substanzen in den biologischen Materialien so valide zu bestimmen, wie es der Stand der Technik zuläßt.
Referenzwerte
Bei den für den Arbeitsplatz relevanten Grenzwerten handelt es sich vor allem um Referenzwerte.
Die Kommission Humanbiomonitoring des Umweltbundesamtes definiert diese Werte wie folgt: "Der Referenzwert für einen chemischen Stoff in einem Körpermedium ist ein Wert, der aus einer Reihe von entsprechenden Meßwerten einer Stichprobe aus einer definierten Bevölkerungsgruppe nach einem vorgegebenen statistischen Verfahren abgeleitet wird." (17). Dabei legt man das 95. Perzentil der Meßwerte der Stoffkonzentration im entsprechenden Körpermedium der Referenzpopulation zugrunde. Dieser Wert gibt lediglich an, daß Belastungen der Allgemeinbevölkerung durch den betreffenden Stoff bis zu der Höhe nach dem augenblicklichen Stand der Technik unvermeidbar zu sein scheinen (sogenannte Hintergrundbelastung). Eine toxikologische Bedeutung kommt dem Referenzwert nicht zu. Wird der Referenzwert überschritten, so könnte das unter anderem darauf hindeuten, daß die betreffende Person an ihrem Arbeitsplatz mit diesem Gefahrstoff umgeht. Aus dieser Sicht heraus gewinnt der Referenzwert auch arbeitsmedizinische Bedeutung. Deshalb sollten arbeitsmedizinisch-toxikologische Analysenverfahren so ausgelegt werden, daß auch der Bereich umweltbedingter Schadstoffspiegel in Körperflüssigkeiten erfaßt werden kann.
Biologische Arbeitsstofftoleranzwerte
Die Biologischen Arbeitsstofftoleranzwerte (BAT-Werte) werden von der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft evaluiert und publiziert (11). Der BAT-Wert ist definiert als die bei Menschen höchstzulässige Quantität eines Arbeitsstoffes beziehungsweise Arbeitsstoffmetaboliten oder die dadurch ausgelöste Abweichung eines biologischen Indikators von seiner Norm. Diese beeinträchtigen nach dem gegenwärtigen Stand der wissenschaftlichen Kenntnis im allgemeinen die Gesundheit der Beschäftigten auch dann nicht, wenn sie durch Einflüsse des Arbeitsplatzes regelhaft erzielt werden. Diese Grenzwerte werden ausführlich wissenschaftlich begründet (13) und vom Ausschuß für Gefahrstoffe (AGS) als Technische Regel für Gefahrstoffe 903 (TRGS 903) in das erläuternde Regelwerk zur Gefahrstoffverordnung übernommen (29).
Expositionsäquivalente für krebserzeugende Arbeitsstoffe
Für krebserzeugende Arbeitsstoffe können gesundheitlich unbedenkliche Schwellenwerte im Sinne der BATWerte aus toxikologischen Gründen nicht hergeleitet werden. Deshalb erarbeitet die Senatskommission zur Prüfung gesundheitschädlicher Arbeitsstoffe der Deutschen Forschungsgemeinschaft sogenannte Expositionsäquivalente für krebserzeugende Arbeitsstoffe (EKA). Zur Ableitung solcher Werte werden Beziehungen zwischen der Schadstoffkonzentration in der Luft des Arbeitsplatzes und der Stoff- beziehungsweise Metabolitenkonzentration in biologischem Material aufgestellt. Aus diesen Beziehungen kann entnommen werden, welche innere Belastung sich bei ausschließlich inhalativer Schadstoffaufnahme ergeben würde. Als im Sinne der Gefahrstoffverordnung unzulässig wäre auch eine innere Belastung anzusehen, die aus einer äußeren Belastung, beispielsweise durch Hautresorption (TRGS 150) resultiert, obwohl die einschlägige Technische Richtkonzentration (TRK) des AGS eingehalten ist (Technische Regel für Gefahrstoffe 900 [TRGS 900]) (30).
Analysen in biologischem Material
Besonderheiten
Im Bereich der arbeitsmedizinisch-toxikologischen Analytik sind Stoffkonzentrationen in Körperflüssigkeiten zu erfassen, die in der überwiegenden Mehrzahl der Fälle im µg/l-(ppb-)Bereich angesiedelt sind. Die Referenzwerte für die meisten toxischen Schwermetalle in Körperflüssigkeiten liegen im unteren µg/l- beziehungsweise im ng/l-Bereich. Lediglich die Werte für die Metabolitenausscheidung einiger häufig verwendeter Lösungsmittel weisen mg/l-Konzentrationen auf. Dies bedeutet, daß es sich bei arbeitsmedizinischtoxikologischen Analysen zumeist um Ultraspurenanalytik handelt. Eine solche Analytik stellt an die betreffenden Laboratorien höchste Ansprüche sowohl personeller als auch apparativer Art.
In der weitaus überwiegenden Anzahl der Fälle werden die hochwertigsten Techniken der sogenannten instrumentellen Analytik eingesetzt, um überhaupt die erforderlichen Nachweisgrenzen zu erreichen und um die Spezifität des Substanznachweises zu gewährleisten. Zu nennen sind hier vor allem die Atomabsorptionsspektrometrie, die Inversvoltammetrie und im zunehmenden Ausmaß die ICP/MS (inductively coupled plasma/Massenspektrometrie), die für die Metallanalytik in Körperflüssigkeiten herangezogen werden. Zur Bestimmung organischer Schadstoffe verwendet man die Hochleistungsflüssigchromatographie (HPLC) und die Kapillargaschromatographie (HRGC) mit den verschiedensten Detektoren, wobei die Massenspektrometrie ständig an Bedeutung gewinnt.
Diese apparativ ebenso aufwendigen wie letztendlich auch empfindlichen und störanfälligen Methoden der instrumentellen Analytik erfordern eine äußerst sorgfältige Probenaufbereitung. Die störende biologische Matrix muß vor der eigentlichen analytischen Bestimmung so weit wie möglich vom Analyten abgetrennt werden. Dies setzt häufig mehrere Aufbereitungsschritte voraus, die ihrerseits natürlich zum Analysenfehler beitragen können. Vor diesem Hintergrund wird verständlich, daß der Möglichkeit der Automatisation von Analysen im Bereich der Arbeitsmedizin sehr enge Grenzen gesetzt sind. Die allermeisten Arbeitsschritte müssen "in Handarbeit" vollzogen werden. Eine sehr gute Ausbildung des Laborpersonals ist dabei ebenso Voraussetzung wie eine besonders rigide Handhabung der Qualitätssicherung. Dennoch ist auch unter besonders günstigen Bedingungen die arbeitsmedizinisch-toxikologische Analytik mit oft größeren Fehlern behaftet als diejenige, die sich im Bereich höherer Analytkonzentrationen und unter Anwendung automatisierter Methoden vollzieht.
Standard operating procedures
Aus den oben eingehend geschilderten besonderen Bedingungen arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysen erweisen sich solche Analysenverfahren als zusätzlich qualitätssichernd, die so detailliert beschrieben sind, daß sie sich als Handlungsgrundlage von den Labortechnikern unmittelbar nachvollziehen lassen. Solche sogenannten standard operating procedures (SOP) tragen unmittelbar zur Richtigkeit und Vergleichbarkeit von Analysenergebnissen in diesem Bereich bei. Die Arbeitsgruppe "Analytische Chemie" der DFGSenatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe erarbeitet seit 1972 analytische Verfahren zur Durchführung des sogenannten Biological Monitoring. Diese Verfahren sind, wenn es die Analysentechnik erlaubt, so ausgelegt, daß sie auch den Bereich umweltbedingter Konzentrationen zu erfassen gestatten. Sie werden entweder aus der einschlägigen Literatur ausgewählt oder im Rahmen der Arbeitsgruppe "Analytische Chemie" erarbeitet. Die Verfahren werden bezüglich ihrer analytischen Zuverlässigkeit validiert und detailliert beschrieben. Sie werden dann von mindestens einem weiteren Laboratorium bezüglich ihrer Zuverlässigkeitskriterien und ihrer Nachvollziehbarkeit geprüft. Im positiven Falle werden die Analysenverfahren verabschiedet, redaktionell bearbeitet und publiziert (1, 7). Diese Methodensammlungen werden laufend ergänzt und auf dem neuesten Stand gehalten. Methoden, die nicht mehr dem Stand der Technik entsprechen, werden zurückgezogen. Die "Analysen in biologischem Material" oder die "analyses of hazardous substances in biological materials" repräsentieren heute den Stand der Analysentechnik für arbeitsmedizinischtoxikologische Analysen.
Parameterspektrum
Die von der DFG publizierte Methodensammlung "Analysen in biologischem Material" enthält naturgemäß nicht alle Analyte, für die im einschlägigen Schrifttum Analysenverfahren beschrieben sind. Sie enthält vielmehr diejenigen Methoden, die erprobt und nachvollziehbar sind und die zur routinemäßigen Anwendung geeignet sind. Diese Methoden können in entsprechend ausgestatteten Laboratorien Ergebnisse liefern, die hinreichend zuverlässig sind. An der in dieser Methodensammlung enthaltenen Palette von Analyten (Tabelle 1) kann und sollte sich der arbeitsmedizinisch tätige Arzt orientieren, wenn er ein Biological Monitoring durchführen will. Die Untersuchung dieser Parameter ist auch dann eine wertvolle Hilfe für die Individualprävention, wenn es arbeitsmedizinische Grenzwerte bisher nicht gibt oder wenn solche nicht evaluiert werden können.
Durchführung der Qualitätssicherung
Bezüglich der Einzelheiten der Durchführung der laborinternen Qualitätssicherung sei auf die Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer hingewiesen (9).
Ringversuche der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin
Ringversuche (externe Qualitätssicherung) dienen der objektiven Überwachung der Richtigkeit von quantitativen Laborergebnissen. Die Verantwortlichkeit für die Ringversuche im Bereich arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysen liegt gegenwärtig bei der einschlägigen wissenschaftlichen Fachgesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM). Diese hat Ringversuchsleiter ernannt (siehe die bislang gültige TRgA 410). International ist zu beobachten, daß sich unterschiedliche Organisationen wie zum Beispiel wissenschaftliche Institute oder auch private Träger erfolgreich als Ringversuchsleiter betätigen.
Die Ringversuchsleiter benennen für jeden Ringversuch Sollwertlaboratorien nach den Kriterien, die von einem Ausschuß für Qualitätssicherung der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin definiert und publiziert worden sind (18). Sollwertlaboratorien und ihre Leiter müssen
1 im internationalen Schrifttum durch eigene Methodenentwicklungen hervortreten
1 arbeitsmedizinisch-toxikologische Analysen routinemäßig durchführen
1 eine laborinterne Qualitätssicherung durchführen
1 sich an Ringversuchen anderer Veranstalter beteiligen
1 Referenzmethoden anwenden
1 analytische Methoden anwenden, die dem jeweiligen Stand der Technik entsprechen (1, 7).
Diese Sollwertlaboratorien haben die Aufgabe, die Kontrollproben, die für den jeweiligen Ringversuch eingesetzt werden sollen, an fünf verschiedenen Tagen in Doppelbestimmung zu analysieren und die erhaltenen Ergebnisse dem Ringversuchsleiter mitzuteilen. Aus diesen Ergebnissen ermittelt der Ringversuchsleiter den 95Prozent-Bereich. Aus diesen Werten errechnet man den Mittelwert. Dieser stellt den Sollwert dar. Der Toleranzbereich wird durch die plus/minus-dreifache Standardabweichung des Mittelwertes gebildet.
Seit 1982 hat die DGAUM 18 Ringversuche durchgeführt. Heute beteiligen sich regelmäßig zwischen 130 und 160 Laboratorien an diesen Ringversuchen. Bei einem Drittel der Teilnehmer handelt es sich um Laboratorien aus dem Ausland. Diese verteilen sich auf 26 Länder.
Auch das Spektrum der Parameter und der Kontrollmaterialien hat sich laufend erweitert. Beim 18. Ringversuch wurden sechs verschiedene Kontrollmaterialien angeboten, in denen insgesamt 63 Analyte analysiert werden konnten (Tabelle 2). Damit stellt dieser Ringversuch für arbeitsmedizinisch-toxikologische Analysen das international größte Ringversuchsprogramm dar.
Was die Art und Weise der Durchführung von Ringversuchen sowie die Beurteilung der teilnehmenden Laboratorien anbetrifft, sei auf die Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer (8, 9, 10) und auf die einschlägigen Publikationen hingewiesen, in denen die Ergebnisse der Ringversuche der DGAUM beschrieben sind (2, 3, 4, 5, 14, 20, 21, 22, 23, 24, 25, 27). Auf dieser Grundlage, die nunmehr 18 Ringversuche umfaßt, lassen sich heute die Anforderungen an die Ergebnisse arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysen ableiten, die nach dem Stand der Technik möglich und zu fordern sind.
Stand der Analysentechnik
Die Anforderungen, die an die Richtigkeit von arbeitsmedizinisch-toxikologischen Analysen zu stellen sind, müssen sich am Stand der Analysentechnik orientieren. Diese wird vorgegeben von den Sollwertlaboratorien, die aus den oben genannten Gründen als die qualifiziertesten angesehen werden müssen. Die relative ausreißerbereinigte Standardabweichung der Ergebnisse der Sollwertlaboratorien repräsentiert diesen Stand der Analysentechnik in Form des zufälligen Fehlers unter Vergleichsbedingungen. Aus dem Mittelwert der Sollwertlaboratorien und dessen plus/minus-dreifacher Standardabweichung resultiert der Toleranzbereich. Dieser stellt die maximal zulässige relative Meßwertabweichung vom Sollwert dar. Es ist deshalb eine Mindestanforderung an Laboratorien, die arbeitsmedizinisch-toxikologische Analysen durchführen, daß ihr Meßwert nicht stärker vom Sollwert abweichen darf als die dreifache Standardabweichung der Meßergebnisse der Sollwertlaboratorien. Die Tabelle 3 zeigt für alle Untersuchungsparameter, die heute nach dem Stand der Technik analysiert werden können, die Mindestanforderungen, die an die Richtigkeit der Laborergebnisse gestellt werden müssen.
Die ausreißerbereinigte Präzision der Ergebnisse der Sollwertlaboratorien beruht auf den Ergebnissen der letzten acht Ringversuche der DGAUM. Dabei wurde für jeden Analyten der größte zufällige Fehler angegeben, der bei einem dieser Ringversuche beobachtet wurde. Hervorzuheben ist, daß die hier genannten Präzisionen bei der Bestimmung von Analytkonzentrationen ermittelt wurden, die den genannten Bereich arbeismedizinisch relevanter Konzentrationen abdecken.
Die Palette der Analyte (Tabelle 3) ist auf diejenigen begrenzt, die durch Ringversuche kontrolliert werden können. Dies wiederum hängt davon ab, ob ausreichend viel Sollwertlaboratorien zur Verfügung stehen. Aus dieser Sicht ist die Liste laufend fortzuschreiben und durch weitere Analyte zu ergänzen.
Was die analytische Zuverlässigkeit arbeitsmedizinisch-toxikologischer Untersuchungen anbetrifft, ist folgendes festzustellen: die Meßergebnisse von zirka zwei Dritteln aller Parameter dürfen nicht mehr als maximal 30 Prozent vom jeweiligen Sollwert abweichen. Dies betrifft vor allem die Metalle und die Lösungsmittelmetabolite. Dieses Ergebnis steht im Gegensatz zu den Anforderungen, die ein anderer deutscher Ringversuchsveranstalter bei Metallbestimmungen in Körperflüssigkeiten stellt. Dort wurden unabhängig von der Art des Metalls eine Abweichung vom Sollwert von einheitlich 36 Prozent zugelassen (15). Dies wird dem Stand der Analysentechnik nicht gerecht. Andererseits müssen bei der Bestimmung der leicht flüchtigen organischen Lösungsmittel im Blut Fehler bis zu 50 Prozent derzeit noch hingenommen werden. Diese Fehler haben ihre Ursachen vor allem im Mangel an geeigneten Referenzmaterialien und sind systematischer Art. Verbessert werden müßte auch die Zuverlässigkeit der Bestimmung der Organochlorverbindung in Plasma. Hier sind derzeit Fehler zwischen 30 und maximal 45 Prozent zu tolerieren.
Zusammenfassend ist aber festzuhalten, daß sich für eine große Anzahl arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analyte Kriterien der analytischen Zuverlässigkeit definieren lassen, die den Stand der Analysentechnik repräsentieren. Vor diesem Hintergrund ist es unverständlich, daß die Deutsche Gesellschaft für Klinische Chemie bei ihrem letzten Ringversuch zur Bestimmung von Spurenelementen im Urin (2/96), der insgesamt 13 Metalle umfaßt, zu der Auffassung gelangt, daß "zuverlässige Sollwerte beim derzeitigen Stand der Analytik nicht ermittelt werden konnten". Dies steht auch im Widerspruch zu den entsprechenden Ergebnissen anderer Ringversuchsveranstalter in europäischen Ländern und vor allem in Kanada. Diese bestätigen unsere Ergebnisse im wesentlichen (6, 19).


Zitierweise dieses Beitrags:
Dt Ärztebl 1997; 94: A-2331-2338
[Heft 37]
Die Zahlen in Klammern beziehen sich auf das Literaturverzeichnis im Sonderdruck, anzufordern über die Verfasser.


Anschrift für die Verfasser
Prof. Dr. med. Dr. h.c. Gerhard Lehnert
Institut und Poliklinik für Arbeits-, Sozial- und Umweltmedizin
Friedrich-Alexander-Universität
Erlangen-Nürnberg
Schillerstraße 25-29 · 91054 Erlangen

1.Angerer J, Schaller KH: Analyses of hazardous substances in biological materials (Vol. 1-5). Weinheim: VCH-Verlag, 1985-1996.
2.Angerer J: Qualitätssicherung im arbeitsmedizinisch-toxikologischen Laboratorium. In: Landesverband Rheinland-Westfalen der gewerblichen Berufsgenossenschaften (Hrsg): Bericht über die arbeitsmedizinische Fortbildungsveranstaltung in Münster 1984, 99-123.
3.Angerer J, Schaller KH, Lehnert G: Erfahrungen mit der Qualitätssicherung im arbeitsmedizinischen Laboratorium bei der Elementenanalyse in Blut- und Harnproben. In: Dörner K (Hrsg): Akute und chronische Toxizität von Spurenelementen (8. Jahrestagung der Gesellschaft für Mineralstoffe und Spurenelemente e.V. in Kiel am 9. und 10. Oktober 1992). Stuttgart: Wissenschaftliche Verlagsgesellschaft mbH, 1993; 143-150.
4.Angerer J, Schaller KH, Lehnert G: Erfahrungen mit der statistischen Qualitätssicherung im arbeitsmedizinisch-toxikologischen Laboratorium. Sichere Arbeit 1993; 3: 6-11.
5.Angerer J, Schaller KH, Weltle D, Göen T: Externe Qualitätssicherung arbeits- und umweltmedizinisch-toxikologischer Analysen. Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 1995; 30: 191-203.
6.Angerer J, Göen T: External Quality Assurance in Biological Monitoring. International Symposium on Biological Monitoring in occupational and environmental Health, Espoo/Finnland 1996.
7.Angerer J, Schaller KH: Analysen in biologischem Material. In. Greim H (Hrsg): Lieferungen 1-12. Deutsche Forschungsgemeinschaft (1976-1996). Weinheim: VCH Verlagsgesellschaft, 1996.
8.Bundes­ärzte­kammer: Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer zur Durchführung der statistischen Qualitätskontrolle und von Ringversuchen im Bereich der Heilkunde. Dt Ärztebl 1974; 71: 959-965 (Heft 13).
9.Bundes­ärzte­kammer: Qualitätssicherung der quantitativen Bestimmungen im Laboratorium. Neue Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer. Dt Ärztebl 1988; 85: A699-A712 (Heft 11).
10.Bundes­ärzte­kammer; Ergänzung der "Richtlinien der Bundes­ärzte­kammer zur Qualitätssicherung in medizinischen Laboratorien". Dt Ärztebl 1994; 91: C159-161 (Heft 4).
11.Deutsche Forschungsgemeinschaft MAK- und BAT-Werte-Liste. Weinheim: VCH-Verlagsgesellschaft, 1996.
12.Deutsche Norm DIN 58936, 1989: Begriffe zur Qualität und Anwendung von Klassifizierungs-, Zähl- und Meßsystemen (Teil 2). Präanalytik, Einflußgrößen, Störfaktoren (Teil 8), 1993.
13.Greim H, Lehnert G: Biologische Arbeitsstofftoleranzwerte (BAT-Werte) und Expositionsäquivalente für krebserzeugende Arbeitsstoffe (EKA). Deutsche Forschungsgemeinschaft (1983-1996). Weinheim: VHC Verlagsgesellschaft, 1996.
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15.Instand e.V. Ringversuch November 1992.
16.Kalbreier U, Szadkowski D: Haftungsfragen bei arbeitsmedizinischen Vorsorgeuntersuchungen unter Inanspruchnahme fremder Laboratorien. Arbeitsmed Sozialmed Präventivmed 1981; 16: 270-272.
17.Kommission Human Biomonitoring des Umweltbundesamtes: Konzept der Referenz- und Humanbiomonitoringwerte (HBM) in der Umweltmedizin. Bundesgesundheitsblatt 1996; 6: 221-224.
18.Lehnert G, Rutenfranz J, Szadkowski D, Valentin H: Richtlinie zur Durchführung der statistischen Qualitätssicherung bei arbeitsmedizinisch toxikologischen Analysen. Arbeitsmed Sozialmed Präventivmed 1981; 2: 56.
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21.Schaller KH, Angerer J, Lehnert G, Valentin H, Weltle D: Externe Qualitätssicherung arbeitsmedizinisch-toxikologischer Untersuchungen in der Bundesrepublik Deutschland. Arbeitsmed Sozialmed Präventivmed 1984; 19: 79-84.
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23.Schaller KH, Angerer J, Lehnert G, Valentin H, Weltle D: External quality control programmes in the toxicological analysis of biological material in the field of occupational medicine - Experiences from three round robins in the Federal Republik of Germany. Fresenius Z Anal Chem 1987; 326: 643-646.
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27.Schaller KH, Angerer J, Lehnert G: Biologische Arbeitsstoff-Toleranzwerte (Biomonitoring). Teil VII: Qualitätssicherung arbeitsmedizinisch-toxikologischer Analysen - Erfordernisse für die ärztliche Beurteilung von Ergebnissen des Biomonitoring. Arbeitsmed Sozialmed Umweltmed 1996; 31: 317-323.
28.Technische Regel für gefährliche Arbeitsstoffe 410 (TRgA 410): Statistische Qualitätssicherung. BArbBl 6/1979; 88-92.
29.Technische Regel für Gefahrstoffe 903 (TRGS 903): Biologische Arbeitsstofftoleranzwerte - BAT-Werte. BArBl 7-8/1995; 53-54.
30.Technische Regel für Gefahrstoffe 900 (TRGS 900): Grenzwerte in der Luft am Arbeitsplatz. Luftgrenzwerte - MAK und TRK. BArBl 10/1996; 106-128.

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