ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Gewichtsverlust als unabhängiger Risikofaktor bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz

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Gewichtsverlust als unabhängiger Risikofaktor bei Patienten mit chronischer Herzinsuffizienz

akr

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LNSLNS Die Therapie von Patienten mit schwerer chronischer Herzinsuffizienz (CHI) ist schwierig. Für eine optimierte spezifische Therapie ist es wichtig, Prognosemarker zu finden, die es erlauben, Patientengruppen mit besonders hohem Sterberisiko zu identifizieren. Bei Patienten mit CHI ist der relativ häufig auftretende chronische Gewichtsverlust seit Hippokrates als Syndrom der Kardialen Kachexie bekannt. Erstmals wurden solche Patienten prospektiv identifiziert und ihr Überleben im Vergleich zu nicht kachektischen Patienten unter Berücksichtigung bekannter Risikofaktoren (NYHA-Klasse, LVEF, maximale Sauerstoffaufnahme [MVO2], Natrium-Plasmaspiegel) analysiert.
Zwischen Juni 1993 und Mai 1995 wurden 171 ambulante CHIPatienten (17 Frauen, Alter 60611 Jahre) klinisch und spiroergometrisch (Laufbandtest, MVO2 17,566,7 ml/kg/min) untersucht. Kardiale Kachexie bei CHI-Patienten wurde als ungewollter, dokumentierter, nicht ödematöser Gewichtsverlust von mehr als 7,5 Prozent über einen Zeitraum von mehr als sechs Monaten definiert. Im November 1996 wurden der Follow-up (alle Patienten > 18 Monaten) und eine Überlebensanalyse durchgeführt (all cause mortality, Cox-proportional hazard). Das Überleben aller Patienten betrug 87,1 Prozent nach sechs Monaten, 83,0 Prozent nach 12 Monaten und 77,8 Prozent nach 18 Monaten (insgesamt wurden 49 Todesfälle beobachtet).
Als kachektisch wurden 28 Patienten identifiziert (Gewichtsverlust neun Prozent bis 36 Prozent). Die kachektischen Patienten (Gewicht 6368 kg, 8267% des Idealgewichts, NYHA Klasse II: 7, III: 16, IV: 5) waren älter (p < 0,05), hatten einen niedrigeren MVO2 (p < 0,01), und niedrigeres Plasmanatrium (p < 0,01), aber die LVEF war ähnlich im Vergleich zu nicht kachektischen Patienten (26614 vs 31615%). Patienten mit Kardialer Kachexie hatten eine Mortalität von 18, 29, 39 und 50 Prozent nach 3, 6, 12 und 18 Monaten. Patienten mit einem MVO2 < 14 ml/kg/min hatten eine Mortalität von 19, 30, 40 und 51 Prozent bei den genannten Zeitpunkten.
Ein MVO2 < 14 ml/kg/min, NYHA Klasse (alle p < 0,0001), Prozent Idealgewicht (p = 0,0002), LVEF (p = 0,0004), kachektischer Status (p = 0,0029), und Lebensalter (p = 0,028) waren signifikante Prognosemarker. Die multivariate Analyse der 18-Monate-Mortalität zeigte, daß das Vorhandensein der Kardialen Kachexie unabhängig von Alter, NYHA-Klasse, LVEF, MVO2 und Natriumspiegel eine verschlechterte Prognose kennzeichnete. Für die beiden bedeutendsten Risikofaktoren MVO2 < 14 ml/kg/min und kachektischer Status wurden Kaplan-Meier-Überlebenskurven konstruiert. Patienten ohne Risikofaktoren hatten eine sehr gute 18Monate-Prognose (Überleben 93 Prozent, n = 103). Mit einem Risikofaktor (n = 55) betrug das 18-MonateÜberleben 62 Prozent, aber Patienten mit einem MVO2 < 14 ml/kg/min und Kardialer Kachexie (n = 13) hatten ein 18-Monate-Überleben von nur 23 Prozent. Die Kombination der beiden Risikofaktoren Kardiale Kachexie und MVO2 < 14 ml/kg/min erlaubt einerseits die Definition einer Hochrisiko-Patientengruppe und andererseits bei Abwesenheit dieser Risikofaktoren die Definition von Patienten mit sehr guter Prognose. Es wird daher vorgeschlagen, den Gewichtsverlust standardisiert bei allen Patienten mit CHI zu bestimmen und ihn bei der Evaluierung von Patienten zur Herztransplantation beziehungsweise bei anderen Interventionsstudien, die auf eine Analyse des Überlebens abzielen, zu berücksichtigen. akr


Anker SD, Ponikowski P, Varney S, Clark AL, Chua TP, Webb-Peploe KM, Harrington D, Kox WJ, PooleWilson PA, Coats AJS: Wasting as independent risk factor of survival in chronic heart failure. Lancet 1997; 349: 1050-1053.
Dr. Stefan Anker, Cardiac Medicine, Imperial College School of Medicine at the National Heart & Lung Institute, Dovehouse Street, London SW3 6LY, Großbritannien.

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