ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Kapitalmarkt: Anleihe-Stripping für Steuersparer

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Kapitalmarkt: Anleihe-Stripping für Steuersparer

Löwe, Armin

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LNSLNS Seit dem 1. Juli darf in Deutschland gestrippt werden. Bond Stripping, das Trennen von Stammrecht und Kupon bei Anleihen, wurde Anfang der achtziger Jahre in den USA eingeführt. Nun kann diese Möglichkeit zum Steuersparen auch hierzulande genutzt werden.
Strippen, verwendet im Zusammenhang mit Anleihen, ist ein Kunstwort, gebildet aus den Initialen von "Separate Trading of Registered Interest and Principals of Securities". Die Assoziation mit "Striptease" ist durchaus beabsichtigt: Das Anleihestripping, in den USA seit den 80er Jahren möglich, erhielt dadurch einen Aufmerksamkeitswert, der sicher erheblich zu seiner Popularisierung beigetragen hat. Hinzu kam der besondere Appeal, den die neuen Anlagemedien hatten. Denn mit gestrippten Anleihen lassen sich Steuern sparen - nun auch in Deutschland.
Die normale Anleihe besteht aus Mantel und Bogen. Der Mantel ist die eigentliche Schuldurkunde (auch als Stammrecht bezeichnet), die dem Eigentümer das Recht bestätigt, daß er am Ende der Laufzeit einen bestimmten Betrag vom Schuldner zurückerhält. Der Bogen enthält die Zinsscheine, die zum Bezug der Zinsen berechtigen. Bei einer zehnjährigen Anleihe mit einem jährlichen Zinstermin sind es zehn Stück, bei 30jährigen Anleihen 30 Stück.
Steuern erst
in der Zukunft
Auf diese Zinsscheine kommt es beim Anleihe-Stripping besonders an. Denn mit dem gezielten Erwerb von Zinsscheinen, die in späteren Jahren fällig werden, kann der Privatanleger die Besteuerung auf einen Zeitpunkt verlagern, zu dem er keine oder nur wenig Steuern zu zahlen hat. Es entsteht eine durchgehende Laufzeitpalette von ein bis 30 Jahren, aus denen ein Anleger die für ihn beste auswählen kann. Die von vornherein als Zerobonds emittierten Titel bieten diesen Vorteil nicht.
Eine Anleihe mit zehn Jahren Laufzeit und jährlicher Zinszahlung kann nun in zwölf eigenständige Wertpapiere aufgesplittet werden, die jeweils eine eigene Wertpapier-Kennummer erhalten. Neben der eigentlichen Anleihe, die in ihrer ursprünglichen Form bestehenbleibt, entstehen der bloße Mantel ohne Zinskupons und die 10 Zinsscheine. Alle 12 Bestandteile sind künftig selbständig handelbar und werden an den Börsen notiert. Aus der jüngsten 30jährigen Anleihe des Bundes, die seit 4. Juli zu strippen ist, können also 32 selbständig handelbare Papiere werden. Davon sind 30 Zinsstrips.
Ein Anleger, der heute 50 Jahre alt ist und mit 65 in Rente gehen will, wird sich für Zinsscheine entscheiden, die 2012 fällig werden. Ein heute 40jähriger wird die Scheine wählen, die 2022 zurückgezahlt werden. Aus den Zinsscheinen werden im Wege des Strippings Zerobonds, die keine laufende Zinsausschüttung haben, sondern deren Zinsen mit dem Laufzeitende erst ausgezahlt werden. Und die Zinsen sind auch erst zu versteuern, wenn sie dem Anleger zugeflossen sind (Zuflußprinzip). Falls es doch noch zu einer Senkung des Spitzensteuersatzes käme, könnte auch eine kurzfristige Verlagerung von Zinseinkünften in die nahe Zukunft interessant sein.
Für das Strippen von Anleihen wie für die Erfindung von Zerobonds waren steuerliche Gründe ausschlaggebend. Der Zerobond wurde in den 70er Jahren in den USA erfunden. Die Emittenten boten den Anlegern damit die Möglichkeit, ihre Zinseinkünfte auf Lebensphasen mit niedriger Besteuerung zu verlagern. Die Nachfrage nach diesen Titeln wurde mit der Zeit so stark, daß die von vornherein als Zerobonds emittierten Titel nicht mehr ausreichten.
Einige amerikanische Investmentbanken entschlossen sich deshalb, Treasuries, also Bundesanleihen, zu strippen und auf diese Weise aus Kupon-Anleihen Null-Kupon-Anleihen zu machen. Um den Markt aber unter eigene Kontrolle zu bekommen, schuf das US-Finanzministerium das Strips-Programm (Programm über den getrennten Handel von registrierten Zinsscheinen und Mänteln von Wertpapieren).
Zerobonds haben bekanntlich aber einen erheblichen Nachteil: sie unterliegen starken Kursschwankungen, wenn der Marktzins sich ändert. Vor allem bei einem Erwerb in der jetzigen Niedrigzinssphase bergen Zerobonds also ein großes Kursrisiko. Das braucht einen Anleger nicht zu interessieren, der bis zum Laufzeitende die Nullkupon-Anleihe behält. Aber wenn er zum vorzeitigen Verkauf gezwungen sein sollte, müssen je nach Zinssituation erhebliche Kursverluste hingenommen werden. Umgekehrt profitieren Zerobonds tendenziell stärker von einem Zinsrückgang.
Sichere
Kalkulation
Auf der anderen Seite trägt der Inhaber von Zerobonds kein Wiederanlagerisiko. Zins und Zinseszins liegen bis zum Ende der Laufzeit fest, und daran ist dem typischen Zerobonds-Anleger und Steuersparer gelegen. Wer also weiß, daß er bis zu einem bestimmten Tag die Zerobonds behalten will, hat eine sichere Kalkulationsbasis.
Bundesanleihen strippen darf jeder. Bedingung ist, daß ein Anleger mindestens 100 000 DM der Anleihe hält. Gestrippte Anleihen zusammenführen dürfen dagegen nur Kreditinstitute. Nur so kann gewährleistet werden, daß ein Vermögenszuwachs beim privaten Anleger versteuert wird. Der private Investor muß die gestrippten Anleihen an die Bank verkaufen, die sie zusammenfügt. Beim Verkauf muß er die Differenz zwischen Kauf- und Verkaufspreis versteuern. Denn darin stecken die Zinsen, die nicht jährlich ausgezahlt, sondern angesammelt wurden. Armin Löwe
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