ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Nichtsteroidale Antirheumatika: COX-2-Hemmer sind gut verträglich

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Nichtsteroidale Antirheumatika: COX-2-Hemmer sind gut verträglich

Volkert, Ramona

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LNSLNS Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) sind die am häufigsten eingesetzten Arzneimittel. Weltweit werden jährlich 45 000 Tonnen Acetylsalicylsäure eingenommen. In Kanada wird jede vierte über 65jährige Frau mit einem NSAR behandelt. Die Verträglichkeit dieser Arzneimittel ist daher von großer Bedeutung, und selbst sehr seltene Nebenwirkungen stellen angesichts der großen Zahl von Patienten ein klinisch relevantes Problem dar. Nach Schätzungen der Food and Drug Administra- tion (FDA) sterben allein in den USA jährlich 15 000 Menschen an den unerwünschten Folgen von NSAR. Die meisten unerwünschten Wirkungen von NSAR betreffen den Magen-Darm-Trakt. Besonders häufig sind Übelkeit, Erbrechen, abdominelle Schmerzen, Dyspepsie und Diarrhöen. Gastrointestinale Ulzera, Blutungen und Perforationen, die bei rund einem Prozent der Patienten auftreten, sind dagegen eher selten. Sie sind allerdings der Grund vieler stationärer Behandlungen. Besonders prädisponiert für Magen-DarmKomplikationen sind Frauen, ältere Menschen, multimorbide Patienten, Patienten mit Ulkusanamnese sowie Patienten, die langfristig oder mit hohen NSAR-Dosen behandelt werden. Von Bedeutung ist auch das NSAR selbst, denn nicht alle Wirkstoffe sind gleichermaßen gut verträglich. Wie man mittlerweile weiß, sind NSAR, die überwiegend das Isoenzym COX-2 hemmen, weniger toxisch als solche, die überwiegend COX-1 hemmen. Die Cyclooxygenase-1 (COX-1) ist nämlich in erster Linie für die Synthese der "protektiven" Prostaglandine in Magen und Niere verantwortlich, während die COX-2 als induzierbares Enzym bei entzündlichen Reaktionen eine wichtige Rolle spielt. Großangelegte klinische Untersuchungen mit Mel-oxicam (Mobec®, Thomae), dem ersten NSAR mit bevorzugter COX-2-Hemmung, bestätigten die Überlegenheit dieses Therapieprinzips. In den beiden Mega-Stu- dien MELISSA (Meloxicam
Large-scale International Study Safety Assessment) und SELECT (Safety and Efficacy Large-scale Evaluation of Cox-inhibiting Therapies) war Meloxicam genauso wirksam wie Diclofenac und Piroxicam, aber deutlich besser verträglich. In MELISSA wurden 10 051 Patienten, in SELECT 9 268 Patienten mit Osteoarthrose 28 Tage lang entweder mit 7,5 mg/d Meloxicam oder mit 100 mg/d Diclofenac SR beziehungsweise 20 mg/d Piroxicam behandelt. Alle drei Arzneimittel verminderten den Bewegungsschmerz der Patienten jeweils um rund die Hälfte. Unter dem COX-2-Hemmer Meloxicam kam es jedoch signifikant seltener zu Dyspepsie, Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Ernste gastrointestinale Komplikationen wie Ulcera, Blutungen oder Perforationen traten nur vereinzelt auf. Aufgrund der geringen Anzahl dieser Ereignisse ist eine statistische Auswertung nicht möglich, es läßt sich jedoch ein Trend zugunsten von Meloxicam ablesen. Unter Diclofenac wurden sieben, unter Piroxicam 14 gravierende Magen-Darm-Komplikationen beobachtet, während unter Meloxicam nur fünf beziehungsweise sieben solcher Ereignisse auftraten. Dr. med. Ramona Volkert
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