ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2010Resistenztests nicht erwähnt
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LNSLNS Klinische Leitlinien für die Behandlung einer Erkrankung setzen voraus, dass die Krankheitsverläufe nicht stark variieren. Dies ist allerdings in fortgeschrittenen Stadien des kolorektalen Karzinoms (KRK) nicht der Fall. Die Forderung nach einer individuellen Chemotherapie basiert darauf, dass bösartige Tumoren sich dem wachstumshemmenden Einfluss von Medikamenten durch zahlreiche komplexe und individuell variierende Mechanismen entziehen können und somit resistent gegen eine Behandlung werden.

In den KRK-Leitlinien, die Empfehlungen auch für die medikamentöse Behandlung der fortgeschrittenen Stadien geben, findet man keine Erwähnung von Möglichkeiten, Tumorresistenzen nachzuweisen. Es ist nicht ganz verständlich, warum Resistenztests bei den Leitlinien keine Erwähnung gefunden haben. Mit der Entwicklung von Resistenztests wurde bereits in den sechziger Jahren des letzten Jahrhunderts begonnen. Nach einigen Rückschlägen haben sie heute eine große Treffsicherheit erreicht. Mit Zellkulturtests aus frischem Tumorgewebe kann eine Resistenz mit einer Testgenauigkeit von über 90 % diagnostiziert werden (1, 2). Einen großen Fortschritt bedeutet heute auch die Positronenemissiontomographie(PET)-Überwachung von medikamentösen Krebs-behandlungen, da neben der Nachweisbarkeit kleinster Tumorherde auch metabolische Veränderungen und somit eine Resistenz nachweisbar sind (3).

Bei den derzeit propagierten personalisierten Krebstherapien handelt es sich um die Behandlung von Subgruppen von Patienten, die mittels Biomarker-Bestimmungen selektiv erfasst und spezifisch behandelt werden. Bisherige Erfahrungen zeigen jedoch, dass die Subgruppen-Therapie Resistenzbestimmungen nicht ersetzen kann.

Leitlinien sind von großer klinischer Bedeutung, da sie wie bei dem KRK dem behandelnden Arzt den neuesten Stand vermitteln. Bei der medikamentösen Behandlung des KRK sollte allerdings nicht übersehen werden, dass heute durch Tumorresistenzbestimmungen dem Patienten unwirksame Behandlungen erspart bleiben können.
DOI: 10.3238/arztebl.2010.0399a

Prof. Dr. med. Theodor H. Lippert
Medizinische Fakultät der Universität Tübingen
Erlenweg 38
72076 Tübingen
E-Mail: Theodor-Lippert@web.de

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.
1.
Lippert TH, et al.: Intrinsic and acquired drug resistance in malignant tumors. The main reason for therapeutic failure. Arzneimittel-Forschung (Drug Research) 2008; 58: 261–4. MEDLINE
2.
Blumenthal RD: Chemosensitivity, Volume 1, In Vitro Assays. Totowa, New Jersey: Humana Press 2005.
3.
Lippert TH, et al.: Resistenzprobleme bei der medikamentösen Krebsbehandlung: II. Testung von Tumorresistenzen. Gyne 2009; 30: 28–33.
4.
Schmiegel W, Pox C, Arnold D, Porschen R, Rödel C, Reinacker-Schick A: Clinical practice guideline: Colorectal carcinoma — The managment of polyps, (neo)adjuvant therapie, and the treatment of metastases [Klinische Leitlinie Kolorektales Karzinom – Polypenmanagement, (neo)adjuvante Therapie, Therapie im metastasierten Stadium]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106 (51–52): 843–8. VOLLTEXT
1. Lippert TH, et al.: Intrinsic and acquired drug resistance in malignant tumors. The main reason for therapeutic failure. Arzneimittel-Forschung (Drug Research) 2008; 58: 261–4. MEDLINE
2. Blumenthal RD: Chemosensitivity, Volume 1, In Vitro Assays. Totowa, New Jersey: Humana Press 2005.
3. Lippert TH, et al.: Resistenzprobleme bei der medikamentösen Krebsbehandlung: II. Testung von Tumorresistenzen. Gyne 2009; 30: 28–33.
4. Schmiegel W, Pox C, Arnold D, Porschen R, Rödel C, Reinacker-Schick A: Clinical practice guideline: Colorectal carcinoma — The managment of polyps, (neo)adjuvant therapie, and the treatment of metastases [Klinische Leitlinie Kolorektales Karzinom – Polypenmanagement, (neo)adjuvante Therapie, Therapie im metastasierten Stadium]. Dtsch Arztebl Int 2009; 106 (51–52): 843–8. VOLLTEXT

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