ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2010Randnotiz: Gelebte Prävention
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS China, das Reich der Mitte, setzt zum großen Sprung an, die mächtigste Industrienation der Welt zu werden. Damit auf dem Weg an die Spitze nichts schiefgeht, werden Hindernisse – wenn man „Spiegel online“ Glauben schenken darf – inzwischen durch spezielle Formen der Suizidprävention umgangen, deren Raffinesse den westlichen Beobachter staunen lässt.

Nach einer Serie von Suiziden beim Elektronikhersteller Foxconn, der unter anderem für Apple das iPhone zusammenbaut, sollen dessen Mitarbeiter eine präventive Zuwendung im Zuge einer Doppelstrategie erfahren haben. Zum einen habe das Unternehmen seine Gebäude mit Netzen verhängt, um weitere Todessprünge zu verhindern. Zum anderen seien die Mitarbeiter zu einer schriftlichen Erklärung verpflichtet worden, keinen Suizid zu begehen: „Ich verspreche, mich oder andere niemals in einer extremen Form zu verletzen.“ Die Beschäftigten ermächtigten das Unternehmen zudem mit ihrer Unterschrift, sie „zum eigenen Schutz und dem anderer“ in eine psychiatrische Klinik bringen zu lassen, sollten sie in einer „anormalen geistigen oder körperlichen Verfassung sein“.

Über Sanktionen bei Vertragsbruch wird nichts berichtet. Völlig vorurteilsfrei stellen wir uns einen fernöstlichen Ehrenkodex vor, der dem chinesischen Suizidgefährdeten nach der Unterschrift selbst im tiefsten Arbeiterelend noch die Hände bindet. Vielleicht ließen sich auch hierzulande die Ärzte im Rahmen der GKV-Präventionsleistungen zur Einholung entsprechender Erklärungen verpflichten. Patienten, die daraufhin auffällig reagieren, müssten an die Kollegen in der Psychiatrie überwiesen werden.

Kommentare

Die Kommentarfunktion steht zur Zeit nicht zur Verfügung.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote