ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2010Erhöhtes Krebsrisiko für Typ-2-Diabetiker

AKTUELL: Akut

Erhöhtes Krebsrisiko für Typ-2-Diabetiker

Dtsch Arztebl 2010; 107(22): A-1092 / B-964 / C-952

Zylka-Menhorn, Vera

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LNSLNS Typ-2-Diabetiker haben ein erhöhtes Risiko, an verschiedenen Karzinomen zu erkranken. Am deutlichsten ist die Assoziation für Leber- und Pankreaskarzinome. Dagegen erkranken Diabetiker signifikant seltener an Prostatakrebs (The Oncologist 2010, DOI: 10.1634/theonco logist.2009–0300). Die Untersuchung von Kari Hemminki im Deutschen Krebsforschungszentrumin Heidelberg mit Kollegen in Schweden und den USA schloss mehr als 125 000 schwedische Bürger ein, die aufgrund von Typ-2-Diabetes-bedingten Beschwerden ein Krankenhaus aufgesucht hatten.

Die Epidemiologen werteten Daten aus, die von 1964 bis 2007 in Schweden bei jeder Krankenhausentlassung an ein Register gemeldet wurden. Diese wurden mit dem schwedischen nationalen Familienkrebsregister /kombiniert, das seit 1958 alle Krebsfälle des Landes erfasst. Da dieses Register mit einem Mehrgenerationenregister verknüpft ist, können auch Krebsfälle unter den Eltern und Geschwistern der Patienten verfolgt werden.

Die Forscher entdeckten, dass Typ-2-Diabetiker ein erhöhtes Erkrankungsrisiko für 24 der untersuchten Krebsarten haben. Die deutlichste Risikosteigerung wurde für Pankreas- und Leberkarzinome beobachtet: Typ-2-Diabetiker erkranken sechsmal beziehungsweise 4,25-mal häufiger als die Allgemeinbevölkerung. Ein mehr als doppelt so hohes Erkrankungsrisiko beobachteten sie für Karzinome der Nieren, Schilddrüse, Speiseröhre, des Dünndarms und des Nervensystems.

Die Studie bestätigte außerdem die Beobachtung, dass Typ-2-Diabetiker signifikant seltener an Prostatakrebs erkranken. Dies zeigte sich besonders deutlich bei Diabetikern, in deren Familie die Stoffwechselerkrankung bereits aufgetreten war. Je mehr zuckerkranke Angehörige jemand habe, desto geringer sei das persönliche Prostatakrebsrisiko. „Über die Gründe dafür können wir bislang nur spekulieren“, sagt Hemminki: „Möglicherweise ist ein niedrigerer Spiegel an männlichen Geschlechtshormonen bei Diabetikern mit verantwortlich.“

Um auszuschließen, dass die Krebsraten der untersuchten Typ-2-Diabetiker nur deswegen erhöht zu sein scheinen, weil ihre Tumoren im Rahmen einer Routinediagnostik im Krankenhaus zufällig früher entdeckt wurden, analysierten die Forscher zusätzlich, wie viele Krebsfälle bei den Studienteilnehmern ein Jahr beziehungsweise fünf Jahre nach den Kranken­haus­auf­enthalten aufgetreten waren. Dabei zeigte sich zwar eine etwas geringere Risiko-steigerung, aber der Trend blieb gleich. zyl
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