ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2010Diabetes mellitus: Risiken von Spezialistenempfehlungen
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS
Die Autoren haben leider nur in einem Punkt recht: Die Risikobestimmung im Rahmen einer allgemeinmedizinischen Vorsorgeuntersuchung sollte präzisiert werden. Dazu sollte aber die Vermeidung relevanter Gesundheitsschäden, wie zum Beispiel Herzinfarkt, Apoplex oder AVK, herangezogen werden.

Die wichtigsten Risikofaktoren dafür sind längst bekannt, und gut erprobte Beratungssets von Risikokalkulatoren und Umsetzungstools stehen kostenlos zur Verfügung (siehe zum Beispiel www.arriba-hausarzt.de) beziehungsweise finden sich demnächst in jeder Praxis-EDV. Die sinnvollsten Präventionsmaßnahmen (insbesondere Nikotinstopp und vermehrte Bewegung) nützen sowieso allen Bevölkerungsgruppen – unabhängig vom Diabetesrisiko.

Frisch diagnostizierte Diabetiker haben zwar ein erhebliches kardiovaskuläres Risiko – aber das liegt weniger am erhöhten Blutzucker als an begleitenden Risikofaktoren. Eine Ernährungsumstellung ist (abgesehen von salzarmer Kost) eine vergleichsweise aufwendige und wenig effektive Maßnahme zur Verhinderung relevanter Gesundheitsschäden. Obendrein gibt es hierzu fast nur Studien mit Surrogat-Endpunkten.

Angesichts des enormen Aufwandes (!) eines bevölkerungsweiten Präventionsprogramms ist aber strikt auf Evidenzlage, Effektivität und Umsetzbarkeit zu achten. Diabetes als primärer Zielpunkt von Prävention fördert bestenfalls eine Diabetes-Hysterie und den Absatz der ebenso teuren wie nutzlosen „Diabetikerkost“ . . .

Der vorliegende Artikel ist leider ein weiteres Beispiel für die typischen Risiken von Spezialisten-empfehlungen . . .
Dr. med. Uwe Popert, Leiter der DEGAM-Arbeitsgruppe „kardiovaskuläre Prävention“, 34119 Kassel
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema