ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2010Tumordokumentation: Aufwand für den Arzt verringern

TECHNIK

Tumordokumentation: Aufwand für den Arzt verringern

Dtsch Arztebl 2010; 107(22): A-1125 / B-992 / C-980

Krüger-Brand, Heike E.

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Das Arbeiten in gewohnten Systemen würde die Tumordokumentation erheblich erleichtern. Foto: Caro
Das Arbeiten in gewohnten Systemen würde die Tumordokumentation erheblich erleichtern. Foto: Caro
Der Weg von den bisherigen Dateninseln hin zu einer einheitlichen, strukturierten Datenerfassung und -dokumentation bei Krebserkrankungen ist noch weit.

An Daten mangelt es den Organkrebszentren nicht. Genutzt werden sie als Basis für die Zertifizierung, für das Benchmarking und für die Struktur- und Prozessoptimierung. Generell dienen sie dem Zweck, sektorenübergreifend die Versorgungsqualität zu verbessern. Das große Manko: Die Zentren haben jeweils eigene, nichtkompatible Dokumentationssysteme zur Ergebnisqualität entwickelt. Darauf verwies Prof. Dr. med. Ferdinand Hofstädter von der Arbeitsgemeinschaft Deutscher Tumorzentren bei einer Veranstaltung zur Tumordokumentation im Rahmen der IT-Kongressmesse Conhit.*

Eine mehrfache Dokumentation – klinisch, epidemiologisch, regional, nach Kriterien der Qualitätssicherung et cetera – sollte jedoch vermieden werden. Zudem stellt sich die Frage, wer die Qualität der Daten prüfen soll. Dies sollte im Dialog mit den Leitungserbringern geschehen, empfahl Hofstädter. Krebsregister und Organkrebszentren müssten dabei eng zusammenarbeiten. Idealerweise entstehe dabei ein Kreislauf: Die Leitlinien würden die evidenzbasierte Handlungsweise vorgeben, die Register sektorenüberschreitend die Ergebnisqualität messen und die Zentren permanent Strukturen und Prozesse verbessern.

Einheitlicher Basisdatensatz
Aus Sicht Hofstädters wäre für diesen Prozess ein patientenzentrierter einheitlicher und damit vergleichbarer Basisdatensatz erforderlich, der den Patienten von der Erstdiagnose an im gesamten Krankheitsverlauf begleitet. Derzeit werde im Rahmen des Nationalen Krebsplans an einem gemeinsamen Konzept der klinischen und epidemiologischen Krebsregistrierung gearbeitet.

„Die Tumordokumentation soll den Arzt möglichst wenig belasten. Sie sollte zeitnah und in gewohnten Systemen und Konzepten möglich sein“, forderte Dr. med. Udo Altmann, Universität Gießen. Tumorpatienten werden sektorenübergreifend und teilweise in sehr unterschiedlichen Einrichtungen betreut. Die Probleme, die derzeit bei der Tumordokumentation beklagt werden, liegen nach Meinung des Experten unter anderem in der Mehrfachdokumentation, in der geforderten Einbeziehung von Daten aus anderen Betreuungsbereichen und in der retrospektiven Erfassung, die aufwendige Nachrecherchen erfordert. Idealerweise sollte daher jede Einrichtung nur den Teil des Geschehens berichten, in den sie selbst eingebunden ist. Die Zusammenführung zu einer Gesamtschau sei dann über die Krebsregister oder zwischen beteiligten Ärzten/Institutionen über Schnittstellen möglich.

Damit die einzelnen Bausteine der zeitlich und räumlich fragmentierten Behandlung dokumentiert werden können, ist Altmann zufolge bei den beteiligten Partnern eine strukturierte Datenerfassung im jeweiligen Krankenhausinformationssystem (KIS) beziehungsweise im Praxissystem erforderlich. Diese muss die Möglichkeit zum Im- und Export der Daten an Systeme weiterbehandelnder Ärzte und Einrichtungen umfassen, die Trennung unterschiedlicher Tumorerkrankungen des Patienten unterstützen und über den Abrechnungsbezug hinaus auch krankheitsbezogene Aspekte mit berücksichtigen.

Übergreifende Arbeitsgruppe
Inhaltliche Vorgaben wie ein onkologischer Basisdatensatz mit organspezifischen Erweiterungen und der Berücksichtigung von Qualitätssicherungsanforderungen, offene Standards für die Kommunikation und Konzepte für den Datenschutz sind dabei unerlässlich. Um hierzu Lösungen zu erarbeiten, habe die Deutsche Krebsgesellschaft eine Arbeitsgruppe initiiert, an der sich Anbieter von KIS und Praxissystemen, Tumorzentren und Qualitätssicherungsintitutionen sowie der VHitG (Verband der Hersteller von IT-Lösungen für das Gesundheitswesen) beteiligten, berichtete Altmann.
Heike E. Krüger-Brand

*„Intuitive Tumordokumentation – damit die Dokumentatin nicht zum Tumor wird“, veranstaltet in Zusammenarbeit mit dem Chirurgenkongress in Berlin
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