ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2010Impfstoff gegen Meningokokken: Immunschutz vor vier Serotypen

PHARMA

Impfstoff gegen Meningokokken: Immunschutz vor vier Serotypen

Dtsch Arztebl 2010; 107(22): A-1128

Leinmüller, Renate

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Die quadrivalente Meningokokkenvakzine ist für die aktive Impfung ab dem elften Lebensjahr zugelassen. Sie dient der Vorbeugung invasiver Erkrankungen und damit schwerer Komplikationen – auch als Reiseimpfung.

Mit dem konjugierten quadrivalenten Meningokokken-Impfstoff Menveo® können Personen ab elf Jahren sicher vor vier der fünf weltweit führenden Serogruppen geschützt werden. Die Vakzine ist seit kurzem in allen 27 EU-Ländern erhältlich und erweitert den Schutz gegen Meningokokken der Gruppe C um die Serogruppen A, W135 und Y.

Serogruppen B und C in Deutschland am häufigsten
Meningokokken sind bei jungen Erwachsenen die häufigsten bakteriellen Erreger der Hirnhautentzündung. In Deutschland verursachen die Serogruppen B und C die meisten Erkrankungsfälle. Während der Serotyp B am häufigsten ist, stufte Prof. Dr. med. Markus Knuf (Wiesbaden) die Serogruppe C als „aggressiver“ ein. Angesichts der differenzialdiagnostischen Probleme (Meningismus unzuverlässig, Fieber wichtig, aber nicht spezifisch) sei die Prävention der rasant und schwer verlaufenden Meningokokken-Erkrankungen sehr bedeutsam, betonte der Pädiater.

Die ersten grippeähnlichen Symptome sind unspezifisch. Die Erkrankung verschlechtert sich in der Regel sehr schnell. Klassische Symptome wie Nackensteife und flohstichähnlicher Ausschlag treten erst 13 bis 22 Stunden danach auf. Innerhalb von 24 bis 48 Stunden nach den ersten Symptomen kann der Tod eintreten. Jeder fünfte Überlebende leidet unter lebenslangen Komplikationen wie Hirnschäden und Verlust von Hörvermögen und Gliedmaßen.

Im Gegensatz zum bisher verfügbaren quadrivalenten Polysaccharidimpfstoff bewirkt die Konjugatvakzine eine belastbare Immunantwort – auch bei Säuglingen und Kleinkindern – und die Ausbildung eines Immungedächtnisses. Sie ist boosterfähig, sorgt für eine verlängerte Schutzwirkung und begünstigt den Aufbau einer Herdenimmunität. Darüber hinaus, so Oliver Thomas (Head Medical Affairs) vom Unternehmen Novartis Vaccines weiter, sei nach wiederholter Impfung keine verminderte Immunantwort zu erwarten.

In 24 Studien mit 18 500 Probanden (längste Laufzeit bisher 22 Monate) ist nach Angaben des Referenten eine gute Immunantwort in allen Altersgruppen bei gleichzeitiger Gabe mit Routine-impfstoffen (Tetanus, Diphtherie, Pertussis) erzielt worden. Die gleichzeitige Gabe beeinflusste die Immunogenität nicht.

Bei Jugendlichen im Alter zwischen elf und 17 Jahren zeigte sich Thomas zufolge eine bessere Immunantwort als beim Einsatz des Polysaccharidimpfstoffs. Eine Persistenz der Antikörper ist bisher über zwölf Monate belegt.

Gute Verträglichkeit auch bei Säuglingen und Kleinkindern
In allen klinischen Studien sei eine gute Verträglichkeit dokumentiert worden. Dies gelte auch für Kleinkinder und Säuglinge, erklärte Thomas. Eine entsprechende Zulassung für diese Altersstufen werde Ende des Jahres bei der Europäischen Arzneimittelagentur EMA beantragt. Geplant ist auch die Zulassung eines Impfstoffs gegen die Serogruppe B. Die Studien mit einem proteinbasierten Impfstoff befinden sich in Phase III.

Obwohl im europäischen Raum Meningokokken der Gruppe B eine große Rolle spielen, gibt es zum Schutz vor diesem Serotyp noch keinen Impfstoff. Bei länger dauernden Kontakt mit einem Erkrankten ist daher dreitägige Antibiotika-prophylaxe empfehlenswert.
Dr. rer. nat. Renate Leinmüller

Launch-Pressekonferenz „Menveo®: Fortschritt bei der Prävention gegen Meningokokken A, C W135 und Y“ in Frankfurt am Main, Veranstalter: Novartis Vaccines
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