ArchivDeutsches Ärzteblatt22/2010Börsebius: Sicherer Hafen Bundesanleihen?

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Börsebius: Sicherer Hafen Bundesanleihen?

Dtsch Arztebl 2010; 107(22): A-1129 / B-993 / C-981

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LNSLNS Was war das denn eben? Bei einer Auktion von fünfjährigen Bundesobligationen brachte die Finanzagentur des Bundes Ende Mai nicht alles Material unter. Es wurde ein Volumen von sieben Milliarden Euro angeboten, gezeichnet am Ende aber lediglich 6,12 Milliarden Euro. Es ist sicher nicht der Regelfall, dass in einer Zeit, in der sich Investoren auf ganz sichere Wertpapiere stürzen, plötzlich eine solche Nachfrageunterdeckung auftritt.

Die Frage ist, ob sich dahinter lediglich ein technisches Phänomen verbirgt, da der Bund diese Auktionstermine in der Regel ein Jahr zuvor bereits ankündigt, oder ob Bundesanleihen für den einen oder anderen aufgrund der kargen Verzinsung von 1,47 Prozent einfach zu unattraktiv waren. Dafür spricht einiges, weil am selben Tag die USA ebenfalls fünfjährige Bonds zu deutlich besseren Konditionen anboten (und auch abgenommen bekamen).

Für professionelle Graswachsenhörer deutet sich allerdings schon eine grundsätzliche Wende in der Beurteilung von Bundesanleihen an. Zwar ist unbestritten, dass die Schuldtitel des deutschen Staates in der Schuldenkrise eindrucksvoll ihre Funktion als sicherer Hafen (Safe Haven) unter Beweis gestellt haben, doch mittelfristig, also auf Sicht von zwei oder drei Jahren, kann es im Safe Haven durchaus etwas weniger ruhig zugehen. Diese Gefahren sind eine Folge der strukturellen Veränderungen, die wir in der Währungsunion eben leidvoll erfahren. Der Milliarden-Rettungsschirm wird wegen der damit verbundenen Garantie für die Schuldtitel finanzschwacher Eurostaaten schon allein dafür sorgen, dass sich das Zinsgefüge nach oben verschiebt.

Oder anders: Die Risikoaufschläge bei (schwachen) Staatsanleihen der Eurozonenperipherie werden durch den Rettungsschirm spürbar sinken, während sich im Gegenzug die Bonität (aufgrund der übernommen Garantieverpflichtungen) bei Bundestiteln verschlechtert und die Renditen steigen. Das Prinzip der kommunizierenden Röhren halt. Es wird sich also zunächst lohnen, Anleihen eines südeuropäischen Landes für 4,5 Prozent zu kaufen und eben nicht zehnjährige Bundesanleihen für drei Prozent. Aber wie lange? Die logische Folge des Rettungsschirms ist eine Anpassung der unterschiedlichen Renditeniveaus.

Wenn es so kommt, muss der Bund aber, so er sich neu verschuldet, tiefer in die Tasche greifen, als er es ohne Rettungsschirm hätte tun müssen. Betrüge die Zinserhöhung nur 0,3 Prozentpunkte, fielen 500 Millionen Euro Mehrbelastung jährlich an. Dies alles bei einer insgesamt angespannten Finanzlage. Ob die Politiker auch um diese Ecken herum gedacht haben? Wohl eher nicht.
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