ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: Lamotrigin - Risiko schwerer Hautreaktionen

BEKANNTGABEN DER HERAUSGEBER: Bundes­ärzte­kammer

Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft: Lamotrigin - Risiko schwerer Hautreaktionen

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS Das Antiepileptikum Lamotrigin (Lamictal) wird als Monotherapeutikum zur Erstbehandlung fokaler und sekundär generalisierter Anfälle bei Patienten ab zwölf Jahren eingesetzt. Weitere Anwendungsgebiete sind die Zusatzbehandlung bei refraktären partiellen und sekundär generalisierten tonisch-klonischen Anfällen bei Erwachsenen und Kindern ab zwölf Jahren sowie die Zusatzbehandlung bei refraktär fokalen Anfällen und dem refraktären Lennox-Gastaut-Syndrom bei Kindern von vier bis elf Jahren.
Zu den unerwünschten Wirkungen (UAW) dieser Substanz zählen erythematöse oder makulopapulöse Hautausschläge, deren Inzidenz in der Fachinformation mit 10 Prozent angegeben wird. Schwerwiegende Hautreaktionen bis hin zum Stevens-Johnson-Syndrom (SJS) oder zur toxisch epidermalen Nekrolyse (TEN, Lyell-Syndrom) gelten als selten. Der Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) gingen seit der Zulassung von Lamictal im Jahr 1993 insgesamt 189 UAW-Berichte zu, darunter 83 Beobachtungen über Hautreaktionen unterschiedlicher Schweregrade. Nach Mitteilung des "Dokumentationszentrums schwerer Hautreaktionen in der Bundesrepublik Deutschland", Freiburg, wurden dort bisher sieben Fälle eines SJS, zwei weitere Fälle eines SJS mit Übergang zur TEN und ein Fall einer TEN als Reaktionen auf eine LamotriginEinnahme im Rahmen einer antiepileptischen Kombinationstherapie eingestuft.
Über die Risiken von Lamotrigin wurde im UAW-Ausschuß der AkdÄ beraten. Als Risikofaktoren wurden eine hohe Anfangsdosierung sowie die begleitende Anwendung von Valproinsäure mit konsekutiver Verdoppelung der durchschnittlichen Halbwertszeit von Lamotrigin herausgestellt.
Auch der Hersteller von Lamictal bestätigt in einem Schreiben an die Fachkreise diese Ergebnisse. Er weist zudem darauf hin, daß bei Kindern bis zu zwölf Jahren die Inzidenz schwerwiegender Hautreaktionen, die einen Kranken­haus­auf­enthalt erforderlich machten, mit 1:300 bis 1:100 höher liege als bei Erwachsenen (Inzidenz 1:1 000). Frühe Manifestationen von Überempfindlichkeitsreaktionen (zum Beispiel Fieber, Lymphadenopathie) könnten auch ohne Hinweis auf eine Hautrötung auftreten.
Die Mehrzahl schwerwiegender Hautreaktionen tritt in den ersten zwei bis acht Wochen nach dem Beginn der Lamotrigin-Therapie auf.
Die AkdÄ empfiehlt, die empfohlene Initialdosierung und Aufdosierungsgeschwindigkeit nicht zu überschreiten. Die Patienten (Erwachsene und Kinder) sollten dezidiert auf die Möglichkeit von Überempfindlichkeitsreaktionen wie Fieber und Lymphadenopathie sowie von Hautreaktionen mit potentiell schwerwiegendem Verlauf hingewiesen werden. Bereits beim Auftreten einer Hautrötung soll der behandelnde Arzt unverzüglich informiert werden, damit Lamictal nach einer entsprechenden Untersuchung (inclusive einer umfassenden Anamnese) und Sicherstellung einer anderen Anfallsprophylaxe gegebenenfalls sofort abgesetzt werden kann.
Wie üblich bittet die AkdÄ um die Mitteilung von beobachteten unerwünschten Wirkungen einer LamotriginBehandlung (auch Verdachtsfälle). Derartige Beobachtungen können auf dem bekannten Berichtsbogen im Deutschen Ärzteblatt, formlos oder auch telefonisch an folgende Anschrift mitgeteilt werden:
Arznei­mittel­kommission der deutschen Ärzteschaft, Aachener Str. 233-237, 50931 Köln, Tel 02 21/40 04-5 18, Fax 02 21/40 04-5 39. N
Anzeige

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote