ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2010Variablen vorher fixieren
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Bei wissenschaftlichen medizinischen Berichten interessiert mich immer auch die Beweiskraft der mitgeteilten Ergebnisse. Denn die Beweiskraft bestimmt mein Handeln als Arzt, bei der Weiterbildung und als Hochschullehrer. Auch beim Abfassen von Leitlinien hat die Beweiskraft der Argumente eine zentrale Bedeutung.

Die Beweiskraft wird bestimmt durch die Wahrscheinlichkeitstheorie, konkret die Überschreitungswahrscheinlichkeit, mit der andere als die berichteten Ergebnisse gefunden werden könnten. Um eine konfirmative Beweiskraft zu erlangen, müssen vor Beginn einer Interventionsstudie eine oder mehrere gleichwertige oder hierarchisch geordnete Hypothesen schriftlich niedergelegt werden, die getestet werden sollen. Zudem muss die nötige Fallzahl berechnet werden, gegebenenfalls unter Berücksichtigung multiplen Testens.

Neben den Ergebnissen für die primären Zielvariablen, für die in solchermaßen vorbereiteten Studien konfirmative Beweiskraft erreicht werden kann, werden häufig Ergebnisse für sekundäre Zielvariablen mitgeteilt, die nur Hypothesen generierende Kraft haben. Eine Adjustierung der p-Werte der Ergebnisse von sekundären Zielvariablen ist nur möglich, wenn die Variablen vor Beginn der Studie fixiert wurden. Wenn die sekundären Zielvariablen erst am Ende der Studie oder gar nach Auswertung der erhobenen Daten festgelegt werden, besteht der nicht zu entkräftende Verdacht, dass die berichteten sekundären Zielvariablen aus einer unüberschaubaren Menge an möglichen Variablen ausgewählt wurden und zwar passend zu den zufälligen Ergebnissen. Eine Adjustierung der p-Werte ist dann nicht möglich.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0417a

Prof. Dr. med. Dipl.-Chem. Frank Pohlandt

Leitlinien-Beauftragter der GNPJ

Fünf-Bäume-Weg 138/1

89081 Ulm

E-Mail: frank.pohlandt@uni-ulm.de

1.
Victor A, Elsäßer A, Hommel G, Blettner M: Judging a plethora of p-values: How to contend with the problem of multiple testing — Part 10 of a series on evaluation of scientific publications [Wie bewertet man die p-Wert-Flut? Hinweise zum Umgang mit dem multiplen Testen – Teil 10 der Serie zur Bewertung wissenschaftlicher
Publikationen]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(4): 50–6.
VOLLTEXT
1.Victor A, Elsäßer A, Hommel G, Blettner M: Judging a plethora of p-values: How to contend with the problem of multiple testing — Part 10 of a series on evaluation of scientific publications [Wie bewertet man die p-Wert-Flut? Hinweise zum Umgang mit dem multiplen Testen – Teil 10 der Serie zur Bewertung wissenschaftlicher
Publikationen]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(4): 50–6.
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