ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2010Periphere neuropathische schmerzen: Transdermales Capsaicin deaktiviert Nozizeptoren

PHARMA

Periphere neuropathische schmerzen: Transdermales Capsaicin deaktiviert Nozizeptoren

Dtsch Arztebl 2010; 107(23): A-1173

EB

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Kutanes Pflaster bewirkt eine Schmerzlinderung für drei Monate nach einmaliger Anwendung. Qutenza® wird in Deutschland stufenweise eingeführt.

Neuropathischer Schmerz ist eine komplexe, schwer behandelbare Störung, die aus Nervenschäden infolge verschiedener Erkrankungen, Medikationen, chirurgischer oder traumatischer Verletzungen resultiert. Nach Angaben des Neuropathic Pain Network liegt die Prävalenz von neuropathischem Schmerz in Deutschland bei sechs Prozent. Zwar gibt es bereits eine Reihe von Arzneimitteln zur Behandlung, jedoch wird ihr Einsatz häufig durch unerwünschte Wirkungen wie Sedierung und Schwindelgefühl begrenzt. Weitere Hemmnisse sind Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, ein langsamer Wirkungseintritt, die Notwendigkeit einer potenziell aufwendigen Dosisfindung oder mehrfach tägliche Anwendung.

Anwendung nur durch medizinisches Fachpersonal

Anzeige

Mit der Einlizensierung von
Qutenza
® stellt Astellas eine neue therapeutische Option für diese Patienten bereit. Dieses Arzneimittel zur kutanen Anwendung setzt direkt am Entstehungsort der peripheren neuropathischen Schmerzen an. Durch moderne Galenik wird eine hohe Konzentration (acht Prozent) einer synthetischen Form von Capsaicin rasch über die Haut abgegeben. Der Kontakt mit hochkonzentriertem Capsaicin, dem Wirkstoff der Chilischoten, führt zu einer längerfristigen, reversiblen Deaktivierung der hyperaktiven Nozizeptoren. Capsaicin wirkt als selektiver Agonist durch Überstimulation der TRPV-1-Rezeptoren.

Vor der Anwendung, die von medizinischem Fachpersonal vorgenommen werden muss, wird das Pflaster auf die Größe des schmerzhaften Areals zugeschnitten. Auf der Haut verbleibt es entweder 30 Minuten (bei Anwendung am Fuß) oder 60 Minuten (bei Anwendung an anderen Körperstellen). Vor der Applikation von Qutenza wird ein topisches Anästhetikum aufgetragen, da durch die hohe Konzentration des Capsaicins während der Behandlung zusätzliche Schmerzen an der Applikationsstelle entstehen können, die jedoch spontan nach in der Regel in ein bis zwei Tagen vollständig zurückgehen. Nach einmaliger Anwendung bietet das Pflaster für drei Monate eine effektive Schmerzlinderung.

Qutenza wurde an mehr als 1 600 Patienten klinisch geprüft und zeigte eine signifikante Linderung neuropathischer Schmerzen, bei Patienten mit postherpetischer Neuralgie (PHN) sowie mit Schmerzen infolge einer HIV-assoziierten Neuropathie. 44 Prozent der mit Qutenza behandelten PHN-Patienten berichteten im Laufe der zwölfwöchigen Studiendauer über einen Rückgang der neuropathischen Schmerzen um ≥ 30 Prozent. Auch nach zwölf Wochen berichteten 55 Prozent der Patienten über eine Verbesserung ihres Schmerzzustands.

Stufenweise Einführung in Deutschland

In Deutschland liegen zu Qutenza bislang weder in Studien noch andere Erfahrungen mit der Anwendung vor. Aus diesem Grund wird Qutenza stufenweise in den Markt eingeführt: In einem ersten Schritt werden circa 20 ausgewählte Zentren als Qutenza-Erfahrungszentren in Deutschland in engem Kontakt mit Astellas das neue Produkt anwenden und erproben. Die zweite Stufe sieht eine Ausweitung des Einsatzes von Qutenza auf etwa hundert spezialisierte Zentren vor. Nachdem alle Erfahrungen ausgewertet sind, wird Astellas Qutenza ab Oktober 2010 für alle schmerztherapeutisch tätigen Ärzte in Deutschland verfügbar machen. EB

@Literatur im Internet:
www.aerzteblatt.de/lit2310

1.
Fachinformation Qutenza™, Stand Februar 2010
2.
Simpson DM, et al.: Controlled trial of high-concentration capsaicin patch for treatment of painful HIV neuropathy. Neurology 2008; 70(24): 2305–13. MEDLINE
3.
Backonja M, et al.: NGX-4010, a high-concentration capsaicin patch, for the treatment of postherpetic neuralgia: a randomised, double-blind study. Lancet Neurology 2008; 7(12): 1106–12. MEDLINE
4.
Knotkova H, et al.: Capsaicin (TRPV1 agonist) therapy for pain relief: Farewell or Revival? Clin J Pain 2008; 24(2): 142–54. MEDLINE
5.
Smith B, et al.: Health and Quality of Life Associated With Chronic Pain of Predominantly Neuropathic Origin in the Community. Clinical Journal of Pain 2007; 23: 143–9. MEDLINE
6.
Neuropathic Pain Network. Abrufbar unter http://www.neuropathicpainnetwork.org/english/index.asp. Letzter Zugriff: 9. Februar 2010
7.
Jensen T, et al.: Pharmacology and treatment of neuropathic pains. Current Opinion in Neurology 2009; 22: 467–74. MEDLINE
8.
Qutenza™ (capsaicin) EPAR summary for the public. Ref: EMEA/629172/2009 EMEA/H/C/909. Letzter Zugriff: 9. Februar 2010
9.
Berger A, et al.: Clinical characteristics and economic costs of patients with painful neuropathic disorders. Journal of Pain 2004; 5: 143–9. MEDLINE
1. Fachinformation Qutenza™, Stand Februar 2010
2. Simpson DM, et al.: Controlled trial of high-concentration capsaicin patch for treatment of painful HIV neuropathy. Neurology 2008; 70(24): 2305–13. MEDLINE
3. Backonja M, et al.: NGX-4010, a high-concentration capsaicin patch, for the treatment of postherpetic neuralgia: a randomised, double-blind study. Lancet Neurology 2008; 7(12): 1106–12. MEDLINE
4. Knotkova H, et al.: Capsaicin (TRPV1 agonist) therapy for pain relief: Farewell or Revival? Clin J Pain 2008; 24(2): 142–54. MEDLINE
5. Smith B, et al.: Health and Quality of Life Associated With Chronic Pain of Predominantly Neuropathic Origin in the Community. Clinical Journal of Pain 2007; 23: 143–9. MEDLINE
6. Neuropathic Pain Network. Abrufbar unter http://www.neuropathicpainnetwork.org/english/index.asp. Letzter Zugriff: 9. Februar 2010
7. Jensen T, et al.: Pharmacology and treatment of neuropathic pains. Current Opinion in Neurology 2009; 22: 467–74. MEDLINE
8. Qutenza™ (capsaicin) EPAR summary for the public. Ref: EMEA/629172/2009 EMEA/H/C/909. Letzter Zugriff: 9. Februar 2010
9. Berger A, et al.: Clinical characteristics and economic costs of patients with painful neuropathic disorders. Journal of Pain 2004; 5: 143–9. MEDLINE

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema