ArchivDeutsches Ärzteblatt37/1997Börsebius zu Immobilienfonds: Wo die Tulpen blühen

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Börsebius zu Immobilienfonds: Wo die Tulpen blühen

Rombach, Reinhold

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LNSLNS Als Geheimtip bei der Suche nach steuersparenden Kapitalanlagen wer-den derzeit die Niederlande heiß gehandelt. Speziell bei geschlossenen Immobilienfonds seien die steuerlichen Rahmenbedingungen ideal und die für Auslandsengagements typischen Risiken minimal.
In der Tat, eines dieser Risiken sind ja bekanntlich die Wechselkursschwankungen, die - manche wissen davon ein leidvolles Lied zu singen - durchaus der prospektierten Rendite den Garaus machen können. In Holland ist genau dieses Problem kaum existent, da der Gulden an die Mark gekoppelt ist. Bei einer gemeinsamen europäischen Währung erledigt sich das Thema ohnehin von selbst.
Dazu kommt, daß viele Anbieter von Hollandfonds deutsche Gesellschaften sind, beispielsweise die Frankfurter Niederlassung der Rabobank, die Hamburger MPC Münchmeyer und das am selben Ort ansässige Bankhaus Wölbern. Das schafft einerseits mehr Vertrauen und reduziert andererseits die Kosten im Falle eines Rechtsstreites erheblich. So gesehen sind geschlossene Immobilienfonds aus unserem Nachbarland durchaus risikoarm, zumal die Ausschüttungen mit knapp sieben Prozent in Ordnung sind.
Wie ist das aber nun mit der steuerlichen Seite? Manche Steuerberater sollen ja geradezu feuchte Augen vor Rührung bekommen ob der Möglichkeiten, die das deutsch/niederländische Dop-pelbesteuerungsabkommen bietet. Also, das funktioniert so: Der (deutsche) Anleger bei Hollandfonds muß eine Steuererklärung in den Niederlanden abgeben (kostet wieder extra). Aber, und da steckt der Clou, bei Alleinstehenden beträgt der Freibetrag rund 6 400 Mark und bei Verheirateten das Doppelte. Da die Einkünfte aus dem Hollandfonds vermutlich die einzigen dort erzielten sind, locken also erhebliche Steuervorteile, zumal Einkünfte über diesen Freibeträgen auch bloß mit 25 Prozent besteuert werden müssen, soweit sie nicht exorbitant hoch sind.
Im günstigsten Fall müssen also selbst bei einer Million Mark Anlagekapital Erträge nur zu 25 Prozent versteuert werden, in Holland wohlgemerkt. In Deutschland unterliegen diese Einkünfte dem sogenannten Progressionsvorbehalt nach § 32b Einkommensteuergesetz.
Das ist im Verfahren recht kompliziert, weil die Einkünfte einmal "zahlenmäßig" dem steuerpflichtigen Einkommen hinzugerechnet, dann aber (nach der Berechnung des Durchschnittssteuersatzes) wieder herausgerechnet werden. Das Ergebnis: Die ausländischen Einkünfte werden nicht zusätzlich besteuert, die inländische Steuerlast steigt trotzdem. Zugegeben, das ist etwas kompliziert, und der deutsche Steuerberater kann wieder eine Beratungsstunde mehr abrechnen, und man hat’s dann doch nicht so recht verstanden. Aber wer traut sich schon, das zuzugeben? Börsebius
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