ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2010Art Cologne: Angemessen eleganter Rahmen

KULTUR

Art Cologne: Angemessen eleganter Rahmen

Dtsch Arztebl 2010; 107(23): A-1171 / B-1029 / C-1017

Jaeschke, Helmut

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Die Kölner Kunstmesse erhält Auftrieb durch die Rückkehr einiger wichtiger Galerien.

Foto: Art Cologne
Foto: Art Cologne

Annähernd 60 000 Besucher und damit fast 4 000 mehr als im Vorjahr folgten dem Ruf des Direktors der Art Cologne, Daniel Hug, in die Messehalle 11, um das Angebot der 200 Galerien zu begutachten, und sie wurden nicht enttäuscht. Zum einen präsentierten auf der unteren Ebene die Galerien mit klassischer Moderne und Nachkriegskunst ihr Angebot diesmal
in angemessen elegantem Rahmen, und zudem ist es Daniel Hug gelungen, einige wichtige Galerien zur Rückkehr nach Köln zu bewegen, und diese wurden mit guten Verkaufsergebnissen belohnt: Die Galerie Annely Juda, London, freute sich über Verkäufe einer Großskulptur von Anthony Caro und eines Gemäldes von Hockney. Die Galerie Hans Mayer konnte das wohl größte Gemälde der Messe, die Adaptation von da Vincis Abendmahl, „Last Supper“ von Ben Willikens verkaufen. Judy Lybke (Galerie Eigen und Art,
Berlin) vermisste zwar circa 140 Sammler aus New York, Dubai oder Moskau, die infolge des Flugverbots nicht nach Köln kommen konnten, hatte aber dennoch keine Probleme, bereits am Eröffnungstag das neue Großformat von
Neo Rauch, „Die Kontrolle“, für 600 000 Euro zu veräußern. Während die Akzeptanz der Werke von Neo Rauch verständlich ist, überraschte doch, dass in derselben Galerie Bilder von Tim Eitel und Martin Eder, die von vielen bedenklich nahe am Kitsch eingeordnet werden, ebenfalls Liebhaber fanden.

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Gute Geschäfte mit Nachkriegskunst, insbesondere mit dem Informel, tätigten Maulberger – ein Hauptwerk von Rolf Cavael für 118 000 Euro und Schlichtenmaier – mit zwei Arbeiten von Emil Schumacher für 30 000 Euro beziehungsweise 50 000 Euro. Letzterer konnte für 98 000 Euro auch ein Werk von Karl Fred Dahmen an ein deutsches Museum verkaufen. Diese Verkäufe könnten durch die zeitgleich laufende umfangreiche Informel-Ausstellung „Große Geste“ im Düsseldorfer Museum Kunstpalast beflügelt worden sein, doch ob die deutschen Informellen Schumacher, Götz, Hoehme oder Dahmen jemals auch nur annähernd das Preisniveau ihrer ebenfalls in der Düsseldorfer Ausstellung gezeigten amerikanischen Malerkollegen erreichen werden, bleibt zweifelhaft.

Auf der oberen Etage der Halle 11 ging es experimentierfreudiger zu. Vor allem im Open-Space-Bereich kamen die Liebhaber von Installationen auf ihre Kosten. Gekauft wurde dann aber doch eher in den Galerien für zeitgenössische Kunst. Die Leipziger Galerie Kleindienst machte
gute Umsätze mit Ölbildern von
Sebastian Nebe und Aquarellen von Corinne von Lebusa. Jiri Svestka
aus Berlin und Prag konnte drei minimalistische Arbeiten von Jaromir Novotny an das Kölner Kolumba-Museum abgeben.

Einen Gewinn für die Art Cologne bedeuteten die zahlreichen Galerien vornehmlich aus Berlin, die reumütig zurückgekehrt sind, weil sie eingesehen haben, dass in Zeiten der Finanzkrise der Trend zu gesicherten Werten geht und diese nun einmal auf Spezialmessen für zeitgenössische Kunst nicht zu haben sind. Doch um auf das Niveau der Art Basel aufzuschließen, müssten erst noch wichtige internationale Galerien nach Köln gelockt werden.

Die nächste Art Cologne – Internationale Kunstmesse findet vom 13. bis 17. April 2011 statt. Weitere Informationen im Internet unter: www.artcologne.de.

Dr. med. Helmut Jaeschke

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