ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2010Hausärztemangel: Eine Utopie?
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In dem oben genannten Artikel gehen Sie auf den Hausärztemangel in Deutschland ein und schreiben, dass das Fach an den Universitäten in Deutschland unterrepräsentiert ist. Dem ist vorbehaltlos zuzustimmen. Es stellt sich jedoch die Frage,war- um dem so ist.

Zum einen fehlen allgemeinmedizinische Lehrstühle, das ist richtig. Andererseits braucht man sich über mangelnden universitären allgemeinmedizinischen Nachwuchs nicht zu wundern. Die Anstellung an der Universität erfolgt meist nicht als Arzt, sondern als wissenschaftlicher Assistent. Das resultiert aus der fehlenden Patientenversorgung. Dementsprechend erfolgt die Eingruppierung der Stellen nach dem Tarifvertrag der Länder. Die Vergütung dieser Stellen ist nicht im entferntesten mit der Entlohnung als Arzt beispielsweise nach TV-Ä oder verschiedenen Haustarifverträgen vergleichbar. Ebenfalls dem Fehlen der Patientenversorgung an den universitären Einrichtungen ist geschuldet, dass sich Schwierigkeiten mit der Anrechnung der Zeiten als Weiterbildungszeit ergeben. Gerade aus diesem Grund entwickeln ja die universitären Abteilungen entsprechende Ansätze wie die erwähnten Weiterbildungsverbünde mit gesicherten Rotationsstellen. Ein Lösungsansatz für dieses Problem wäre zum Beispiel die Schaffung allgemeinmedizinischer Polikliniken an den universitären Einrichtungen. Diese könnten eine universitäre allgemeinmedizinische Weiterbildung und eine stärkere Verzahnung zwischen Allgemeinmedizin, klinisch-stationärer Behandlung und medizinisch-wissenschaftlicher Forschung ermöglichen und somit auch zu einem größeren Interesse von Medizinern an der allgemeinmedizinischen Profession führen. Da hierfür jedoch Ressourcen sowohl aus dem universitätsklinischen Bereich als auch aus dem niedergelassen-allgemeinmedizinischen Bereich notwendig wären, rückt dieser Lösungsansatz bereits in der Phase der Ideenfindung in den Bereich der Utopie.

Jens Udo Seelinger, 35112 Fronhausen-
Bellnhausen

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