ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2010Hausärztemangel: Mehr Freiheit im Studium
Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Ein Pflichtfach Allgemeinmedizin im PJ sei ein wichtiges Signal, schreibt Birgit Hibbeler. Ein Signal für was? Dass man zu diesem Fach gezwungen werden muss? Natürlich ist der Nachwuchsmangel bei den Hausärzten ein Problem. Aber den Politikern fallen als Lösung wieder einmal nur Zwangsmaßnahmen ein. Noch ein Pflichtfach mehr für die jungen angehenden Kolleginnen und Kollegen, noch mehr Regelungen. Kaum ein Mediziner, der gerne Radiologe oder Laborarzt werden möchte, wird während eines solchen Pflichtkurses die Liebe zur Allgemeinmedizin entdecken. Auf der anderen Seite wird derjenige, der gerne als Hausarzt arbeiten möchte, nicht wegen eines fehlenden Pflichtfachs einen anderen beruflichen Weg einschlagen, sondern weil die Bedingungen im hausärztlichen Bereich schlecht sind – ein unklares, undurchschaubares Honorarsystem, Regressdrohungen beim Verordnen von Medikamenten und Hilfsmitteln, unglaubliche Bürokratie der DMP, integrierte Versorgung, Einzelverträge und vieles mehr. Es sind die politisch geschaffenen schlechten Rahmenbedingungen, die junge Ärztinnen und Ärzte vom Schritt in die Selbstständigkeit als Hausarzt abhalten, nicht die Inhalte des Fachs Allgemeinmedizin. Außerdem ist es inhaltlich fraglich, was ein Pflichtfach der Allgemeinmedizin bringen soll. Wir brauchen Ärztinnen und Ärzte mit viel klinischer Erfahrung, die vieles gesehen haben, die eine gute internistische und chirurgische Ausbildung erfahren haben und möglichst noch Erfahrungen aus den „kleinen“ Fächern mitbringen, um den immer größer werdenden Anforderungen in der ambulanten hausärztlichen Medizin gerecht zu werden in einer Zeit, in der die Patienten nur noch kürzeste Zeiten stationär behandelt werden.

Nicht noch mehr Pflicht, mehr Freiheit im Studium ist notwendig. Natürlich ist es sinnvoll, dass die Allgemeinmedizin an den Universitäten vertreten ist, aber doch nicht als Zwangsmaßnahme. Wer die Allgemeinmedizin wählt, sollte Freude am Umgang mit dem Menschen in seiner individuellen Lebenssituation haben, sie oder er sollte die Nähe zum Patienten suchen, und diese ganz besonderen Seiten dieses schönen Fachs Allgemeinmedizin lernt man sicherlich nicht besonders gut, wenn man dazu gezwungen wird . . .

Anzeige

Dr. med. Kai Hansen, 24321 Lütjenburg

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Anzeige