ArchivDeutsches Ärzteblatt23/2010Schach: Altersfrisch durch Schach

SCHLUSSPUNKT

Schach: Altersfrisch durch Schach

Dtsch Arztebl 2010; 107(23): [72]

Pfleger, Helmut

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Am 18. und 19. Juni findet im Klinikum Bamberg ein wissenschaftliches Symposium „Interdisziplinäre Strategien in der Behandlung von Erkrankungen des Zentralnervensystems“ statt. Nachdem zum Ende dieser Veranstaltung auch ich etwas zum Thema „Schach dem Alter“ gesagt haben werde, wird der dreifache Vizeweltmeister Viktor Kortschnoi ab 17 Uhr an 30 Brettern simultan spielen.

Spielerisch also wird dieses Symposium ausklingen, sicher aber auch kämpferisch. Garant dafür ist der mittlerweile 79-jährige Kortschnoi. Kennzeichnend dafür mögen seine zwei Simultanpartien auf Kuba gegen den schachbegeisterten Che Guevara sein. Beide Male legte man ihm ein diplomatisches Remis nahe, doch nichts da – beim Schach kennt „Viktor der Schreckliche“ (dieses Epitheton hört er selbst nicht gerne) kein Pardon. Trotz inzwischen etlicher gesundheitlicher Malaisen (Hypertonie und Vorhofflimmern) ist er geradezu ein Paradigma kämpferischer Altersfrische und spielte beispielsweise auch noch bei der letzten Schacholympiade Ende 2008 für seine zweite Heimat, die Schweiz, am ersten Brett.

Garry Kasparow, der vielleicht beste Schachspieler aller Zeiten, beschreibt ihn so: „In der gesamten Schachgeschichte lässt sich kein anderer Schachspieler finden, der über so viele Jahre diese Disziplin, Vitalität und unbändigen Kampfgeist gezeigt hat. Er ist auf seine Art unvergleichlich. Kortschnoi sucht selbst jenseits der 70 noch die Wahrheit im Schach. Immer noch strebt er nach großen Partien mit großen Ideen. Er ist einer der größten Wahrheitssucher!“

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Kein Wunder, dass Viktor der Schweizer Rentenanstalt auf deren Anfrage Rentenzahlungen ablehnte, solange er auf hohem Niveau Schach spielen könne, und im Übrigen wolle er seinen letzten Atemzug am Schachbrett machen. Punktum. In Schillers „Dom Karlos“ sagt der spanische König Philipp II., ein großer Freund des Schachspiels: „Noch, / Noch bin ich. Habe Dank, Natur. Ich fühle / In meinen Sehnen Jünglingskraft.“

Doch über den „Einzelfall“ Kortschnoi hinaus haben etliche Studien gezeigt, dass man mit dem Schachspiel der Demenz vorbeugen und sich seine Kreativität erhalten kann. Nun aber zum letzten Ärzteschachturnier Anfang Mai in Bad Neuenahr, bei dem auch wieder sehr viele Ältere Schach spielend dem Alter trotzten. Beispielsweise der ehemalige Chefarzt der Anästhesie, Dr. med. Timm Ludwig, der (wie manch anderer) alle bisherigen 18 Ärzteturniere mitspielte. Von ihm lernte ich diesmal zwei Dinge:

1. „Schach ist ein seltsames Spiel. Manchmal geht’s und manchmal nicht!“ und

2. „Rotwein (die Ahr ist als Rotweingebiet berühmt) ist für alte Knaben eine von den besten Gaben!“

Entsprechend animiert gelang ihm gegen Dr. med. Heiko Schöning, der trotz seiner jungen Jahre bereits eine preisgekrönte Erfindung „Time is Brain“ für die präklinische Vor-Kühlung bei Herzstillstand und Schlaganfall machte, ein hübscher „jugendlicher“ Überfall:

Mit welcher das Matt suchenden Opferkombination eroberte er als Weißer am Zug zwangsläufig die schwarze Dame?

Lösung:

Nach dem Läuferopfer 1. Lxg5+! Sxf6 und nun dem Springerausfall 2. Sg5! war nicht nur die schwarze Dame angegriffen, sondern es drohte auch dank des „Sargnagels“ d6 und des zweiten Schimmels auf c7 das Springermatt auf f7. Im Zweifelsfall ist der König noch wichtiger als die Dame, deshalb 2. . . . Lxd6 3.Sxe4 (auch 3.Dxd6 De7 4. Sge6+! war nicht von schlechten Eltern) Sxe4 4. Sd5, und Schwarz gab auf.

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