ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/201016. Deutscher Psychotherapeutentag: „Eine historische Entscheidung“

POLITIK

16. Deutscher Psychotherapeutentag: „Eine historische Entscheidung“

Bühring, Petra; Meißner, Marc

Als E-Mail versenden...
Auf facebook teilen...
Twittern...
Drucken...
LNSLNS

Die Reform der Psychotherapieausbildung war das zentrale Thema des 16. Psychotherapeutentags. Nach intensiver Diskussion verabschiedeten die Delegierten ein Konzept, das nur noch eine Approbation mit zwei Spezialisierungen vorsieht.

Der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Rainer Richter, plädiert für eine regionale und sektorübergreifende Bedarfsplanung. Foto: Jörg Hermann
Der Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer, Rainer Richter, plädiert für eine regionale und sektorübergreifende Bedarfsplanung. Foto: Jörg Hermann

Der 16. Deutsche Psychotherapeutentag (DPT) am 8. Mai in Berlin stand ganz im Zeichen der Ausbildungsreform der psychotherapeutischen Berufe. „Der DPT hat die Chance, die Weichen für die Zukunft der ganzen Profession zu stellen, bevor es andere tun“, betonte Prof. Dr. Rainer Richter, Präsident der Bundes­psycho­therapeuten­kammer (BPtK). Zwei Jahre hat man schon über die Ausbildungssituation in der Psychotherapie diskutiert, Forschungsgutachten analysiert und sich in Arbeitsgruppen die Köpfe heiß geredet. Der BPtK-Vorstand hatte unter Beteiligung von Bundesdelegierten, Landeskammern, Verbänden, Ausbildungsteilnehmern und Hochschulen ein konkretes Eckpunktepapier erarbeitet.

Anzeige

Trotzdem fiel den Delegierten die Entscheidung für eine Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung nicht leicht, die im Wesentlichen auf eine einheitliche Approbation abzielt: Künftig sollen alle Absolventen dazu befugt sein, Kinder, Jugendliche und Erwachsene zu behandeln. Während der Ausbildung soll eine Grundqualifizierung für die Behandlung aller Altersgruppen in einem sogenannten common trunk erfolgen. Darauf aufbauend soll ein Schwerpunkt mit vertiefter Qualifizierung entweder für die Behandlung von Kindern und Jugendlichen oder von Erwachsenen gesetzt werden. Voraussetzung für die Psychotherapieausbildung soll ein Masterstudiengang sein, der klinische Psychologie, Pädagogik und Sozialarbeit zusammenfasst.

Einige Delegierte befürchteten offenbar den Verlust ihrer beruflichen Identität, wenn es künftig nur noch den Beruf des Psychotherapeuten mit Schwerpunkten gibt. So plädierte Karl-Wilhelm Höffler, Niedersachsen, „für den Erhalt der unterschiedlichen Berufe“. Peter Lehndorfer vom BPtK-Vorstand stellte dazu klar: „Wir entscheiden nicht mehr für uns, sondern für die Menschen, die in vier Jahren mit ihrer Ausbildung beginnen.“ Ulrich Müller, Hessen, wollte die Entscheidung noch einmal auf den nächsten Psychotherapeutentag verschieben: „Ich wehre mich gegen die Aussage, dass wir eine große Chance verpassen, wenn wir jetzt nicht entscheiden.“ Walter Ströhm, Nordrhein-Westfalen (NRW), befürchtet ein „Downgraden des Psychologischen Psychotherapeuten“ bei einer einheitlichen Approbation. Heiner Vogel, Hochschullehrer und Delegierter aus Bayern, gab zu bedenken, dass „die Fachhochschulen das umfangreiche Curriculum nicht leisten können“.

Landesprüfungsämter akzeptieren Bachelor bereits

Der Präsident der BPtK hatte die Delegierten zuvor um ein Votum für ein eigenes Reformkonzept der Profession gebeten, für dessen Gelingen die einheitliche Approbation Voraussetzung ist. Zum einen sei es nur so möglich „das Bachelorrisiko für den Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten (KJP) zu minimieren“. Zum anderen ermögliche ein eigenes – realistisches – Reformkonzept, dass dieses auch bei einer Reform des Psychotherapeutengesetzes (PTG) berücksichtigt wird. Dabei kann unter anderem auch die Diskussion um die Vergütung und Qualifizierung während der praktischen Ausbildung (psychiatrisches Jahr) wieder aufgenommen werden. Andrea Mrazek, Präsidentin der Ostdeutschen Psychotherapeutenkammer, ergänzte, es sei „nahezu chancenlos, ins PTG hineinzuschreiben, dass wir den Masterabschluss für KJP fordern“. Diese Forderung hatte die BPtK in den letzten fünf Jahren immer wieder erhoben, nachdem die Kultusministerkonferenz im Zuge des Bologna-Prozesses der Logik, Fachhochschuldiplom wird Bachelor und Universitätsdiplom wird Master gefolgt war. „Wenn wir jetzt nicht entscheiden, entscheiden andere“, betonte Richter. Denn inzwischen akzeptierten neun von 16 Landesprüfungsämtern den Bachelor als Voraussetzung für die Ausbildung zum Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeuten. Fachhochschulen und Ausbildungsinstitute stellten sich bereits auf den Bachelor ein.

Diese Argumente überzeugten die Mehrzahl der Delegierten, ihre Zustimmung zu einer einheitlichen Approbation zu geben. „Wir müssen die historische Chance nutzen, endlich auch mit den ärztlichen Psychotherapeuten auf einer Ebene zu stehen“, so Bernhard Moors, NRW. Er wies darauf hin, dass einzelne Bachelorabsolventen bereits versuchten, sich in die Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung einzuklagen. Nikolaus Melcop verdeutlichte: „Wer dafür ist zu verschieben, ist dafür, die Abwertungstendenzen des KJP zu verstärken.“

Barbara Lubisch, NRW, will den Status der Psychotherapeuten in Ausbildung (PiA) stärken: „Sie sollen nicht lernen, sich schlecht behandeln zu lassen.“ Jürgen Tripp von der Bundeskonferenz der PiA verdeutlichte noch einmal, dass „ein Beruf das stringenteste und logischste Modell ist“ und rief die Delegierten zu einer „mutigen Entscheidung“ auf. Der Psychotherapeutentag fordert unter anderem auch eine gesetzlich vorgeschriebene und angemessene Vergütung für PiA, vor allem für die praktische Ausbildung in psychiatrischen und psychosomatischen Einrichtungen. Darüber hinaus soll den Ausbildungsteilnehmern die Berechtigung erteilt werden, unter Supervision oder Aufsicht Patienten psychotherapeutisch zu behandeln.

Ein wichtiges Signal gab Anne Springer, Berlin, indem sie die Zustimmung der Psychoanalytiker erklärte. Hochschullehrer Prof. Dr. Thomas Fydrich schließlich, der als Gast anwesend war, ist sich sicher, dass auch die Fachhochschulen sich bemühen werden, entsprechende spezialisierte Studiengänge anzubieten, weil „die Attraktivität des Berufes so hoch ist“. Nachdem ein Antrag auf geheime Wahl die Abstimmung noch einmal ein wenig verzögerte, entschieden die Delegierten mit einer Mehrheit von 87 zu 17 Stimmen dafür, den Vorstand der BPtK zu beauftragen, eine umfassende Novellierung des Psychotherapeutengesetzes sowie der Ausbildungs- und Prüfungsordnung in diesem Sinn auszuarbeiten.

Bedarfsplanung muss reformiert werden

Das zweite große Thema des DPT war die Umstrukturierung der Bedarfsplanung. Richter stellte klar: Bei der Diskussion um Ärztemangel und Landarztquote „wird es unsere Aufgabe sein, eine Verbesserung der Versorgung psychisch kranker Menschen zu fordern“. Zustimmung fand im Wesentlichen der Vorschlag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für eine Reform der Bedarfsplanung. Dieser sieht eine kleinräumigere Zulassungssteuerung vor, die auch psychisch Kranken zugutekäme. „Wenn für Kinder und Jugendliche auch in den strukturschwachen Regionen Psychotherapeuten unter akzeptablen Bedingungen erreichbar werden, dann ist das eine echte Verbesserung der Versorgung“, betonte der BPtK-Präsident. Darüber hinaus ist eine sektorübergreifende Bedarfsplanung vorgesehen, die über einen Zweckverband geregelt werden soll. Dieser soll aus Mitgliedern des Landesministeriums, der Kassenärztlichen Vereinigung, Lan­des­ärz­te­kam­mer und Landeskrankenhausgesellschaft bestehen, sowie Vertretern der Krankenkassen, die aber nur beratende Funktion haben sollen. Auch wenn Richter die sektorübergreifende Planung für alternativlos hält, kritisiert er, dass die KBV die Psychotherapeutenkammern nicht mit einbezieht. „Welch fatales Bild würde entstehen, wenn unsere eigene Standesvertretung, die KBV, zum wiederholten Mal in Folge – ich erinnere an den PKV-Basistarif – die Psychotherapeuten schlicht vergisst?“

Die Entscheidung dafür, die beiden psychotherapeutischen Berufe zusammenzufassen, fiel erst nach langer Diskussion der Delegierten. Foto: Bundes­psycho­therapeuten­kammer
Die Entscheidung dafür, die beiden psychotherapeutischen Berufe zusammenzufassen, fiel erst nach langer Diskussion der Delegierten. Foto: Bundes­psycho­therapeuten­kammer

Richter stellte den Reformvorschlag des BPtK-Vorstands vor und machte deutlich, dass eine Neugestaltung der Bedarfsplanung nicht nur in einer Steuerung der Niederlassungen auf Grundlage der derzeitigen Bedarfszahlen bestehen könne. Er lehnte eine Regelung, wie Zu- und Abschläge für unter- beziehungsweise überversorgte Gebiete ab. „Eine Überarbeitung der Verhältniszahlen von Einwohner je Psychotherapeut ist entscheidend. Die bisherigen Verhältniszahlen diskriminieren vor allem psychisch kranke Menschen in ländlichen Regionen.“ Deshalb forderte er eine Versorgungsplanung, die auf empirischen Daten beruhe. Dabei müsse regional und sektorübergreifend geplant werden. Gerade für schwer oder chronisch psychisch Kranke sei eine ambulante Versorgung durch multiprofessionelle Teams die qualitativ beste Versorgung und dabei noch wirtschaftlicher. Dies lasse sich aber nicht durch bundesweite Vorgaben, sondern nur durch regionale Gremien realisieren. Der Gemeinsame Bundes­aus­schuss (G-BA) solle dann nicht mehr über die konkrete Sitzzahl entscheiden, sondern Regelungen für die Zusammensetzung der regionalen Gremien aufstellen.

Versorgung soll regional und sektorübergreifend erfolgen

Geheime Abstimmung – die Delegierten des 16. DPT stimmten für eine Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung. Foto: Jörg Hermann
Geheime Abstimmung – die Delegierten des 16. DPT stimmten für eine Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung. Foto: Jörg Hermann

Rolf Wachendorf, Baden-Württemberg, sieht in einer regionalen, sektorübergreifenden Planung keine Lösung. „Damit verlagert man die Kämpfe in die Zulassungsausschüsse. Das schwächt die Selbstverwaltung. Die Gremien könnten dann auch Honorare festlegen, was in der Hand der Selbstverwaltung bleiben sollte.“ Karl-Heinz Schrömgens aus Bremen widersprach dieser Auffassung: „Ich begrüße die regionale Einbeziehung, da ich sehr gute Erfahrungen damit gemacht habe.“ Überregionale Standesvertretungen und Organisationen würden seiner Einschätzung nach eher auf ihre eigenen Interessen achten, als dass sie die lokale Versorgung verbessern wollten. Die Delegierten stimmten schließlich für den Vorschlag des Vorstands und beauftragten damit die BPtK, sich für eine grundlegende Reform der Bedarfsplanung einzusetzen.

Versorgungsforschung für Kinder und Jugendliche

Wurde auf dem 15. DPT noch ein Ausbau der Versorgungsforschung gefordert, konnte der Vorstand diesmal schon erste Ergebnisse vorstellen. Eine Studie der BPtK zum Anteil psychischer Erkrankungen an Arbeitsunfähigkeitstagen zeigte, dass besonders Angestellte in Gesundheitsberufen und im Dienstleistungssektor anfällig für stressbedingte psychische Erkrankungen sind. Die Delegierten stimmten dafür, die Versorgungsforschung weiter auszubauen und vor allem die psychotherapeutische Versorgung von Kindern und Jugendlichen genauer zu analysieren. Diese Forschung soll sich nicht nur auf die Leistungen der Psychotherapeuten beschränken, sondern auch Beratungsstellen und andere Institutionen einbeziehen.

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie hat damit begonnen, verbindliche Definitionen einzelner Therapieverfahren zu erstellen. Diese dienen dem Gemeinsamen Bundes­aus­schuss als Grundlage bei einer künftigen Prüfung der Richtlinienverfahren. Die Delegierten haben sich dafür ausgesprochen, dass bei den Therapiedefinitionen die psychotherapeutischen Professionen und ihre Fachverbände mit einbezogen werden sollen. Nur so ließen sich Kontroversen wie bei der G-BA-Entscheidung über die Gesprächstherapie vermeiden.

Angelika Rothkegel, Bayern, problematisierte gegenüber dem Vorstand den fehlenden männlichen Nachwuchs unter den Psychotherapeuten. „Man kann heute schon kaum noch Kinder an einen männlichen Kollegen überweisen.“ Richter stimmte dem zu, musste aber eingestehen, dass es dafür noch keine Lösung gebe. „Man müsse erstmal herausfinden, war- um Männer Psychotherapeuten werden. Dann können wir sie da auch abholen.“ Florian Hänke von der Bundeskonferenz PiA wies dar- auf hin, dass es im Studium tatsächlich noch mehr Männer als Frauen seien, in der Ausbildung dann aber deutlich weniger. Ein Problem ist für ihn die 18-monatige unentgeltliche Ausbildung, die beispielsweise für einen Familienvater schwer zu stemmen sei.

Um Psychotherapeuten in Ausbildung zu stärken, hat die BPtK unter anderem angeregt, die von ihnen erbrachten Therapieeinheiten bei der Vergütung psychiatrischer und psychosomatischer Einrichtungen zu berücksichtigen. Das Entgeltsystem für die stationäre psychiatrische und psychosomatische Behandlung wird zurzeit reformiert und auf ein DRG-System mit tagesbezogenen Fallpauschalen umgestellt. Die BPtK hat vorgeschlagen, die Leistungen von PiA im neuen Operationen- und Prozedurenschlüssel zu erfassen. Wenn die Therapieeinheiten der PiA vergütet würden, steige auch die Bereitschaft, dieses angemessen zu entlohnen, betonte der BPtK-Vorstand.

Der Präsident der BPtK zog ein positives Fazit, vor allem im Blick auf die Ausbildungsreform. „Der 16. Deutsche Psychotherapeutentag hat sich mit großer Mehrheit für eine Reform der Psy­cho­thera­peuten­aus­bildung ausgesprochen“, sagte Richter. „Die Psychotherapeuten stehen geschlossen hinter wesentlichen Reformeckpunkten. Damit hat die Profession entschieden, wichtige berufspolitische Weichen selbst zu stellen und die notwendigen Reformen voranzubringen.“

Petra Bühring, Dr. rer. nat. Marc Meißner

Resolutionen

Gewaltopfer besser schützen und unterstützen

„. . . Der Deutsche Psychotherapeutentag fordert bundesweite Regelungen, um Kinder und Jugendliche nachhaltig vor Gewalt und ihren Folgen zu schützen. Opfer von körperlicher und seelischer Gewalt leiden oft bis an ihr Lebensende an deren Folgen. Nicht selten führt die Gewalterfahrung dazu, dass sie später selbst zu Tätern werden. Deshalb muss Gewalt in Familien und Institutionen besser vorgebeugt werden. Wo dies nicht gelingt, muss dafür gesorgt werden, dass Gewaltopfer – wenn erforderlich – eine Behandlung angeboten bekommen.“

Daher fordert der Deutsche Psychotherapeutentag wirksame, qualitätsgesicherte und frühzeitige Hilfsangebote für Risikofamilien. Darüber hinaus sollen ausreichende Beratungs- und Behandlungsangebote für Opfer von Gewalt eingerichtet werden. Hierzu sind eine multiprofessionelle Vernetzung von Ärzten, Psychotherapeuten und der Jugendhilfe sowie eine sektorübergreifende Zusammenarbeit notwendig. Bisher fehlen auch bundeseinheitliche Normen, die Berufsgeheimnisträgern eine verantwortliche Gewissensentscheidung ermöglichen.

Online-Anbindung der Praxis muss freiwillig bleiben

„Der Deutsche Psychotherapeutentag begrüßt die kritische Bestandsaufnahme der Tele­ma­tik­infra­struk­tur durch die Bundesregierung. Die Vertrauensbeziehung zwischen Patient und Psychotherapeut erfordert allerhöchste Anforderungen an Datenschutz und Datensicherheit. Die deutsche Psychotherapeutenschaft fordert deshalb, dass die Online-Anbindung der psychotherapeutischen Praxen freiwillig bleiben muss. [. . .] Wenn sich die Telematikstruktur als sicher erwiesen hat, kann jeder Praxisinhaber für sich entscheiden, ob er die weiteren Anwendungen der elektronischen Gesundheitskarte nutzen möchte.“

Hierzu fordert der DPT, dass es möglich sein soll, Versicherungsstammdaten online zu aktualisieren, ohne dass die Praxissoftware dazu ins Netz gehen muss. Die Versichertendaten sollen außerdem nicht mit handelsüblichen Kartenlesern lesbar sein. Der Online-Abgleich von Stammdaten darf keine Profilbildung ermöglichen, das heißt, es darf darüber nicht erkennbar sein, wer wie oft welchen Therapeuten in Anspruch nimmt.

Medizinische Versorgungszentren nicht der ärztlichen Standespolitik opfern

„Der Deutsche Psychotherapeutentag sieht in Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) einen unverzichtbaren Beitrag
zur Weiterentwicklung der Angebotsstrukturen des deutschen Gesundheitssystems. Viele psychisch kranke Menschen
brauchen eine ambulante Versorgung durch multiprofessionelle Teams. MVZ erleichtern die Organisation dieses Versorgungsangebots. Darüber hinaus bieten MVZ für alle beteiligten Gesundheitsberufe Vorteile bei der Vereinbarkeit von Familie und Beruf.“

Der DPT betont, dass Psychotherapeuten unabhängig davon, ob sie selbstständig oder angestellt sind, über Diagnose und Therapie für und mit dem Patienten entscheiden. Dabei ließen sie sich weder von persönlichen noch ökonomischen Interessen leiten. Allerdings sprechen sich die Psychotherapeuten gegen die geplante Regelung, MVZ nur bei einer Mehrheitsbeteiligung durch Ärzte zuzulassen, aus. „. . . Dies diskriminiert die anderen Gesundheitsberufe, die sich alle dem Wohl der Patienten verpflichtet fühlen. Es untergräbt das Vertrauen der Patienten in die Qualität der Versorgung, die neben Ärzten durch eine Vielzahl weiterer Gesundheitsberufe sichergestellt wird.“

Deshalb fordert der DPT die Gesundheitspolitik auf, die Regelungen zur MVZ-Trägerschaft nicht zu verändern. Sie sollten dahingehend präzisiert werden, dass die fachliche-medizinische Leitung durch qualifizierte und fachkundige Personen wahrgenommen werden muss. Einrichtungen, die überwiegend psychisch kranke Menschen versorgen, sollten auch unter psychotherapeutischer Leitung stehen können.

Diotima-Ehrenpreis

Thomas Bock. Foto: BPtK
Thomas Bock. Foto: BPtK

Prof. Dr. Thomas Bock, Leiter der Sozialpsychiatrischen Ambulanz der Universitätsklinik Hamburg-Eppendorf, erhielt den Diotima-Preis für sein langjähriges Bemühen, Psychotherapie in die Versorgung schwer psychisch kranker Patienten stärker zu integrieren. Besonders wichtig ist ihm der sogenannte Trialog bei der psychotherapeutischen Behandlung: Nicht nur Therapeut und Patient, sondern auch die Angehörigen sollen in die Therapie gleichwertig einbezogen werden. Darüber hinaus setzt er sich dafür ein, die Lebensgeschichte des Patienten bei der Therapie stärker zu berücksichtigen. Bock ist im Verein „Irre menschlich Hamburg e.V.“ aktiv, der die Akzeptanz psychisch kranker Menschen in der Gesellschaft fördern und verbessern will.

Wolfgang Fauldaum-Decke. Foto: BPtK
Wolfgang Fauldaum-Decke. Foto: BPtK

Stellvertretend für den Dachverband Gemeindepsychiatrie e.V. nahm dessen Vorsitzender Wolfgang Fauldaum-Decke den Ehrenpreis entgegen. Der Verband ist ein Zusammenschluss von gemeindepsychiatrischen Fachorganisationen, Bürgerhilfe, professionellen Anbietern, Selbsthilfegruppen, Psychiatrieerfahrenen und Angehörigen von Betroffenen, die mit ihrer Arbeit aktiv verhindern wollen, dass psychisch Erkrankte aus der Gesellschaft ausgeschlossen werden. Der Dachverband leistet seit 30 Jahren durch ambulante Hilfsstrukturen für psychisch kranke Menschen einen wesentlichen Beitrag dazu, dass psychiatrisch und psychisch Kranke nicht sozial isoliert werden oder Familie und Arbeit verlieren.

Leserkommentare

E-Mail
Passwort

Registrieren

Um Artikel, Nachrichten oder Blogs kommentieren zu können, müssen Sie registriert sein. Sind sie bereits für den Newsletter oder den Stellenmarkt registriert, können Sie sich hier direkt anmelden.

Fachgebiet

Zum Artikel

Der klinische Schnappschuss

Anzeige

Alle Leserbriefe zum Thema

Stellenangebote