ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2010Randnotiz: Von Liebe und Ärztemangel

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Randnotiz: Von Liebe und Ärztemangel

PP 9, Ausgabe Juni 2010, Seite 245

Osterloh, Falk

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Wenn man sich verliebt, ist das zunächst einmal etwas Schönes. Das wird wahrscheinlich auch die katholische Kirche so sehen. Auch gegen eine Heirat aus Liebe wird niemand etwas einzuwenden haben. Ist es jedoch die zweite Liebe, wird die Sache schon komplizierter. Denn der zweiten Liebe folgt bisweilen auch die zweite Ehe. Bei 63 183 Ehen – und damit bei 16,8 Prozent aller geschlossenen Ehen – handelte es sich im Jahr 2008 um eine Wiederverheiratung eines oder beider Ehepartner, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.

Für eine solche Wiederverheiratung hatte sich auch der abteilungsleitende Chefarzt eines katholischen Krankenhauses in Nordrhein-Westfalen entschieden. Deswegen hat ihm sein Arbeitgeber gekündigt. Grund: die zweite Liebe. In welch glücklicher Lage muss ein Krankenhaus sein, denkt man, dass in Zeiten eines überbordenden Ärztemangels in deutschen Krankenhäusern –
80 Prozent haben Probleme, offene Stellen zu besetzen – seinen Chefarzt feuert, weil er zum zweiten Mal heiratet. Wie herzerwärmend anachronistisch ist es, wenn es in der heutigen Krankenhauslandschaft nicht nur um knallharte monetäre Kalkulationen geht, sondern auch noch um christliche Werte.

Gleichwohl beschäftigt der Fall nun die Gerichte. Der Chefarzt verklagte seinen Arbeitgeber. Und bekam vom Landesgericht Düsseldorf zu hören, dass er „nach den ihm nach kanonischem Recht obliegenden Loyalitätspflichten durch die erneute Eheschließung eine kündigungsrelevante Pflichtverletzung begangen haben kann“. Abschließend entscheiden mochte sich das Landgericht jedoch noch nicht. Der Fall wurde vertagt.

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