ArchivDeutsches Ärzteblatt PP6/2010Bedarfsplanung: Kleinere Bezirke

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Bedarfsplanung: Kleinere Bezirke

PP 9, Ausgabe Juni 2010, Seite 265

Osterloh, Falk

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LNSLNS Um den unterschiedlichen Anforderungen in Stadt und Land gerecht werden zu können, wollen Bund und Länder nun die Planungsbereiche verkleinern.

Es ist beschlossene Sache: Die Bedarfsplanung, wie wir sie heute kennen, wird bald der Vergangenheit angehören. Zusammen mit seinen Ministerkollegen aus den Bundesländern will Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Philipp Rösler dafür sorgen, dass „relativ schnell“ die unzeitgemäßen Planungsbereiche, wie sie derzeit bestehen, einer neuen Einteilung weichen. „Es ist dringend notwendig, die Regelungen zur Bedarfsplanung in Deutschland zu ändern“, sagte Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter Philipp Rösler nach dem Gespräch mit seinen Länderkollegen im Bun­des­ge­sund­heits­mi­nis­ter­ium. „Diese Regelungen stammen noch aus den 1990er Jahren, als wir eine Ärzteschwemme hatten. Doch seither haben sich die Rahmenbedingungen vollkommen geändert.“ Heute gebe es in einem Bezirk gleichzeitig eine Über- und eine Unterversorgung mit Vertragsärzten, die sich jedoch durch die Größe des Bezirks statistisch ausgleichen. „Die Länder wünschen sich deshalb, dass die Bezirke verkleinert werden“, erklärte Rösler. „Wir wollen ihnen gern die Möglichkeit geben, das zu tun.“

Der schleswig-holsteinische Minister für Arbeit, Soziales und Gesundheit, Dr. Heiner Garg (FDP), dankte dem Minister dafür, dass er die Forderung der Länder aufgegriffen habe. „Wir brauchen eine Bedarfsplanung, die sich an den tatsächlichen Bedürfnissen orientiert“, sagte Garg. Auch müsse die sektorenübergreifende Bedarfsplanung in den Fokus genommen werden. Die Bedarfsplanung könne jedoch nur ein Baustein sein. Die Arbeit der Ärzte müsse auch wieder leistungsgerecht honoriert werden. Nicht das Geld allein sei entscheidend, sondern die Verbesserung der Arbeitsbedingungen, meinte Dr. med. Monika Stolz (CDU), Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familien und Senioren in Baden-Württemberg. Eine Änderung der Bedarfsplanung biete nun die Grundlage, um bereits existierende Instrumente zielgerichteter umsetzen zu können, zum Beispiel bei der Einrichtung einer Zweigpraxis.

Zur sektorenübergreifenden Bedarfsplanung habe es bereits Gespräche mit der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) gegeben, erklärte Rösler. Die KBV spricht sich bereits seit langem für eine kleinräumigere Bedarfsplanung aus. Zurzeit arbeitet sie an einem Konzept, mit dem der Versorgungsbedarf auch sektorübergreifend ermittelt werden kann.

Kampagne soll schlechtes Landarztimage aufpolieren
Das Ge­sund­heits­mi­nis­terium will darüber hinaus zusammen mit der Kultusministerkonferenz und dem Wirtschaftsministerium die Auswahl der Medizinstudierenden stärker auf eine spätere Arbeit als Landarzt ausrichten. Eine Imagekampagne soll dabei helfen. Denn heute sei es zum Teil so, dass Medizinstudierende keine Weiterbildung zum Hausarzt absolvieren wollten, weil der Beruf ein so schlechtes Image habe, meinte Rösler. Es gehe jedoch nicht allein um die Studierenden. „Wir müssen auch versuchen, diejenigen Ärzte wieder für die kurative Medizin zu begeistern, die derzeit in anderen Bereichen arbeiten“, so der Minister. Das Thema ärztliche Versorgung auf dem Land müsse allerdings von Bund, Ländern und der Selbstverwaltung gemeinsam angegangen werden. Als nächstes will Rösler daher mit der Bundes­ärzte­kammer und der Kassenärztlichen Bundesvereinigung sprechen.
Falk Osterloh
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