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Die fehlende Fähigkeit, Blasen- oder Darminhalt zu speichern und selbst zu bestimmen, wann und wo er entleert wird – so lautet frei übersetzt die Definition von Inkontinenz der Internationalen und Deutschen Kontinenzgesellschaften. Gemäß dieser Definition ist Kontinenz keine angeborene Fähigkeit, sondern muss in den ersten Lebensjahren gelernt werden. Der Verlust dieser Fähigkeit bedeutet für die Betroffenen häufig eine Stigmatisierung und kann zu sozialem Rückzug und Isolation führen.

Die möglichen Ursachen für das Auftreten einer Inkontinenz sind vielfältig. Das Deutsche Ärzteblatt wird seinen Lesern mit der in diesem Heft beginnenden vierteiligen Serie „Inkontinenz“ einen Überblick über dieses komplexe Krankheitsbild geben.

Aufgabe des Arztes ist es, zwischen Drang- und Belastungsinkontinenz zu unterscheiden, sowie Inkontinenzformen, die Symptom anderer, zum Beispiel neurologischer Erkrankungen sein können, zu diagnostizieren. Während die Belastungsinkontinenz in der Regel ein anatomisches Korrelat besitzt, welches einen operativen Zugang ermöglicht, sieht sich der behandelnde Arzt in der Therapie des gehäuften Harndrangs, mit oder ohne Inkontinenz, einer Vielzahl therapeutischer Instrumente gegenübergestellt. Diese reichen von medikamentöser Therapie über externe Elektro- oder Magnetstimulation bis zur Detrusorinjektion von Botulinum-Toxin oder der Implantation elektronischer Neuromodulatoren.

In einem ersten Beitrag stellen Dannecker und Koautoren die Harninkontinenz der Frau vor. Im mittleren Lebensalter sind Frauen deutlich häufiger von einer Harninkontinenz betroffen als Männer. Gründe hierfür liegen in der Anatomie des Beckenbodens der Frau, der anfälliger für einen Deszensus der Beckenorgane ist. Die zweite, von Börgermann et al. vorgelegte Arbeit, beschäftigt sich mit der Therapie der Belastungsinkontinenz beim Mann. Die erworbene Harninkontinenz beim Mann ist häufig iatrogen als Folge operativer oder strahlentherapeutischer Eingriffe im kleinen Becken bedingt.

Mit zunehmendem Lebensalter gleichen sich die Prävalenzen der Harninkontinenz von Mann und Frau wieder an. Bei geriatrischen Patienten steht oft der Verlust kompensatorischer Mechanismen durch demenzielle Erkrankungen und Verlust von Mobilität im Vordergrund. Goepel und Mitautoren führen mit ihrem Text zur Harninkontinenz im Alter die Leser in diese Thematik ein. Schließlich komplettieren Probst et al. die Serie mit einer Abhandlung über die Stuhlinkontinenz. Das Auftreten einer Stuhlinkontinenz stellt für den Betroffenen ein noch größeres soziales Stigma dar als die Harninkontinenz. Um der Komplexität des Zusammenspiels von analem Sphinkter, Rektumampulle und Kolon gerecht zu werden, stehen heute über die Anamnese und klinische Untersuchung hinaus auch funktionelle und bildgebende Diagnostik zu Verfügung.

Das Thema Inkontinenz zu enttabuisieren und Betroffenen als Anlaufstelle zu dienen, ist eine Aufgabe, der sich die Deutsche Kontinenz Gesellschaft verschrieben hat. Gegründet im Jahre 1987 stellt sie ein Forum für interdisziplinäre und interprofessionelle Zusammenarbeit in der Versorgung aller Inkontinenz-Patienten dar. Dies findet seine Konsequenz in der Zertifizierung von Beratungsstellen und Kontinenz- und Beckenbodenzentren, die als Leistungserbringer im Gesundheitssystem den komplexen Herausforderungen der Behandlung von Stuhl- und Harninkontinenz gerecht werden müssen.

Interessenkonflikt
Der Autor erklärt, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des
International Committee of Medical Journal Editors besteht.

Anschrift des Verfassers
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Herbert Rübben
Urologische Klinik und Poliklinik
Medizinische Einrichtungen der Universität
GHS Essen
Hufelandstraße 55
45122 Essen
E-Mail: herbert.ruebben@uni-duisburg-essen.de

Incontinence

Zitierweise: Dtsch Arztebl Int 2010; 107(24): 419

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0419

@The English version of this article is available online:
www.aerzteblatt-international.de

Urologische Klinik und Poliklinik, Medizinische Einrichtungen der Universität GHS Essen: Prof. Dr. med. Dr. h. c. Rübben

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