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Wir bedanken uns für die Leserzuschriften und das Interesse an unserem Beitrag. Die von Dr. Christian Herzmann et al. angeführte Publikation von Eker und Mitarbeitern wurde in unserer Übersichtsarbeit zu verschiedensten Aspekten zitiert, da sie in der Tat wichtige Daten zur MDR- und XDR-Tuberkulose in Deutschland enthält. Die Aktivitäten des Netzwerkes helfen, bestehende Kenntnislücken zu schließen und epidemiologische sowie klinische Fragestellungen zu beantworten. Zu den im Leserbrief genannten Erfolgsraten von über 80 % bei MDR- und XDR-Tuberkulosen ist jedoch anzumerken, dass sie sich ausschließlich auf die Patienten mit dokumentiertem Behandlungsabschluss beziehen (125/184). Nicht berücksichtigt wurden dabei 26 Patienten der Kategorie „lost-to-follow up“ (hier dürfte ein erfolgreiches Behandlungsergebnis fragwürdig sein), und 33 weitere Patienten wurden zum Zeitpunkt der Erhebung noch behandelt. Für die gesamte Kohorte betrug die definitionsgemäße Erfolgsrate, die zum Vergleich mit anderen Studien herangezogen wurde, 59 %. Gerade am Beispiel der Publikation von Eker et al. haben wir darauf hingewiesen, dass „der relevante Anteil an Patienten mit unbekanntem Therapieergebnis beziehungsweise noch laufender Behandlung die definitionsgemäße Erfolgsrate erheblich schmälern kann“. Wir möchten den Verfassern des Leserbriefes für die Gelegenheit danken, diese Problematik hiermit ausführlicher darstellen zu können. Hinweisen möchten wir bei der zitierten Studie noch auf die für diese Altersgruppe (etwa 40 Jahre) vergleichsweise deutlich höhere Tuberkulose-Letalität mit 14 Todesfällen unter 177 MDR- und einem Todesfall unter 7 XDR-Tuberkulosen. Wird die Bezugsgröße um die obigen Patientenkategorien „bereinigt“ (das heißt 14/120), liegt sie bei MDR-TB bei fast 12 %.

Die von Eker et al. erfasste relevante Zahl an Patienten mit komplexeren Resistenzen, deren Therapieausgang nicht nachverfolgt werden kann, ist besorgniserregend und sicher auch Ausdruck der speziellen Probleme, die Herr Dr. Mütterlein in seinem Leserbrief thematisiert. Die zwangsweise Isolierung von tuberkulosekranken Männern in Parsberg und Frauen in Bad Lippspringe setzt eine sorgfältige Prüfung der jeweiligen Situation voraus. Die Entscheidung darüber wird sicher nicht leichtfertig getroffen, sie sollte aber ganz sicher nicht von wirtschaftlichen Faktoren abhängen. So einschneidend eine Zwangsisolierung erscheinen mag, diese Einrichtungen bieten Menschen, deren vielschichtige und komplexe Probleme den Therapieerfolg gefährden, die Möglichkeit, ihre Erkrankung kompetent – und dabei mit großem Verständnis für ihre individuelle Situation – erfolgreich behandeln zu lassen. Darüber hinaus werden das Risiko für eine weitere Verbreitung der meist resistenten Tuberkulose und damit die Gefährdung des Umfeldes erfolgreich minimiert.

Bei Herrn Prof. Hundeiker möchten wir uns für seine ergänzenden historischen Hintergrundsinformationen und interessanten Ausführungen zu den Anfängen der antituberkulotischen Chemotherapie bedanken.

DOI: 10.3238/arztebl.2010.0436

Prof. Dr. med. Dr. h. c. Robert Loddenkemper

Dr. med. Barbara Hauer, MPH

Deutsches Zentralkomitee zur Bekämpfung der Tuberkulose

Stralauer Platz 34, 10243 Berlin

E-Mail: rloddenkemper@dzk-tuberkulose.de

Interessenkonflikt

Die Autoren aller Diskussionsbeiträge erklären, dass kein Interessenkonflikt im Sinne der Richtlinien des International Committee of Medical Journal Editors besteht.

1.
Eker B, Ortmann J, Migliori GB, et al. for the TBNET: Multi-drug resistant and extensively drug resistant tuberculosis, Germany. Emerg Infect Dis 2008; 14(11):1700–6. MEDLINE
2.
Loddenkemper R, Hauer B: Drug resistant tuberculosis—A world wide epidemic poses a new challenge [Resistente Tuberkulose – Große Herausforderung durch eine Weltepidemie]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(1, 2): 10–9.
VOLLTEXT
1.Eker B, Ortmann J, Migliori GB, et al. for the TBNET: Multi-drug resistant and extensively drug resistant tuberculosis, Germany. Emerg Infect Dis 2008; 14(11):1700–6. MEDLINE
2.Loddenkemper R, Hauer B: Drug resistant tuberculosis—A world wide epidemic poses a new challenge [Resistente Tuberkulose – Große Herausforderung durch eine Weltepidemie]. Dtsch Arztebl Int 2010; 107(1–2): 10–9.
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