ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2010Osteoporose: Teriparatid bei hohem Frakturrisiko

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Osteoporose: Teriparatid bei hohem Frakturrisiko

Dtsch Arztebl 2010; 107(24): A-1224 / B-1078

Nickolaus, Barbara

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Die osteoanabole Therapie mit dem rekombinanten Parathormon-Fragment ist effektiv, aber aufwendig. Sie ist daher eine Option, wenn es trotz adäquater Vortherapie zu einer Verschlechterung im Krankheitsverlauf kommt.

Mit dem Wirkstoff Teriparatid (Forsteo, Lilly Deutschland GmbH) steht ein rekombinantes Parathormon-Fragment rhPTH (1–34) zur subkutanen Injektion zur Verfügung, das die Neubildung von Knochensubstanz durch Anregung der Osteoblasten bewirkt und die festigende Trabekelstruktur wiederherstellt. Auch der Anstieg des biochemischen Markers Serum-PINP während der Therapie belegt dies.

Wie Dipl.-Ing. Christian Graeff (Universität Schleswig-Holstein, Kiel) berichtete, ist die bislang übliche Knochendichtemessung (eine 2-Spektren-Röntgenabsorptionsmessung) nicht für Therapiekontrollen bei Osteoporose ausreichend, da vor allem über die Festigkeit der Knochenarchitektur keine Aussagen zu erhalten sind. Er wies auf spezielle CT-unterstützte Verfahren zur Finite-Elemente-Analyse (FEA) hin, mit der sich die mechanische Festigkeit von Strukturen im Knochen mit Hilfe komplizierter Rechnerprogramme ermitteln lässt. Mit hochauflösender Computertomographie plus FEA lässt sich sogar das Frakturrisiko einzelner Wirbel im Rahmen einer Mikrostrukturanalyse ableiten und damit die osteoanabole Wirksamkeit der Substanz Teriparatid im Rahmen mehrerer Studien nachweisen.

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Hierzu gehören: EUROFORS-Studie (zwei Jahre Therapie mit Teriparatid), FACT-Studie (Vergleich Alendronat versus Teriparatid über 18 Monate) und OPTAMISE. Hier wurden mit Alendronat beziehungsweise Risedronat vorbehandelte postmenopausale Frauen über zwölf Monate mit Teriparatid therapiert. Zusammengefasst ergeben die Studien, dass es unter Teriparatid unabhängig von einer Vorbehandlung mit Antiresorptiva bereits nach sechs Monaten zu einer signifikanten Verbesserung der Mikrostruktur im Knochen und gleichzeitig zu einer Erhöhung der mechanischen Knochenfestigkeit kommt (FACT-Studie: 21,1 Prozent Festigkeitszuwachs mit Teriparatid versus 3,7 Prozent unter Alendronat). Knochensubstanz wird entsprechend dem Wolff’schen Gesetz vorwiegend dort angebaut, wo hohe Belastungen auftreten, wie etwa am Wirbelkörper, der einem erhöhten Frakturrisiko unterliegt.

Der Dachverband Deutschsprachiger Wissenschaftlicher Gesellschaften für Osteologie (DVO) gab Teriparatid in der aktuellen Leitlinie den Empfehlungsgrad A zur Reduktion vertebraler Frakturen bei Osteoporose.

Neubildung belastbarer Knochensubstanz

Die sekundäre Osteoporose bei Männern, prä- und postmenopausalen Frauen, ausgelöst durch langjährige Glukokortikoidgabe, ist durch ein gegenüber der primären Osteoporose deutlich erhöhtes Frakturrisiko belastet. Prof. Dr. Uwe Lange (Bad Nauheim) erklärte, unter Glukokortikoidgabe komme es zur vermehrten Aktivität der Osteoklasten und dann zur Unterdrückung der Osteoblastengenese. Unter Teriparatid dagegen komme es zur Neubildung belastbarer Knochensubstanz.

Den Nachweis führte eine placebokontrollierte doppelblinde Head-to-Head-Studie über Teriparatid gegenüber Alendronat an 428 Patienten (277 postmenopausale Frauen, 64 prämenopausale Frauen und 83 Männer). Alle Patienten erhielten zusätzlich Calcium 1 000 mg/die und Vitamin D 3 (800 IE). Nach 18 Monaten Therapie war der Knochenmineraldichtewert der LWS unter Teriparatid doppelt so hoch wie unter Alendronat (7,2 Prozent versus 3,49 Prozent).

Teriparatid erhielt den Empfehlungsgrad B des DVO und zur Reduktion peripherer osteoporotischer Frakturen und in Bezug auf die Behandlung der glukokortikoidinduzierter Osteoporose aufgrund der gegenüber Alendronat überlegenen Wirkung. Der Therapieeffekt bleibt auch nach Absetzen der Teriparatidgabe in der Nachbeobachtungszeit von 18 beziehungsweise 24 Monaten erhalten. Das Auftreten mittelschwerer und schwerer vertebraler Frakturen war um 70 Prozent gegenüber der Placebogruppe vermindert.

Teriparatid, das für eine 24-monatige Behandlungszeit bei Osteoporose zugelassen ist, zeigt eine gute Verträglichkeit. Unerwünschte Nebenwirkungen waren vor allem Gliederschmerz, Übelkeit und Schwindel. Der Serum-Calcium-Spiegel bleibt in der Regel im mittleren Normbereich und bedarf keiner ständigen Überwachung. Teriparatid wird in Form einer Glaspatrone (750 µg in 3 ml) angeboten; ein damit verbundenes Injektionsgerät gibt jeweils die subkutan zu spritzende Tagesdosis von 20 µg frei. Die Lösung muss kühl (zwei bis acht Grad Celsius) gelagert werden.

Nach einem Therapiehinweis des Gemeinsamen Bundes­aus­schusses 2007 bietet Teriparatid eine Option für postmenopausale Patientinnen mit manifester Osteoporose, bei denen es trotz einer ausreichend langen und adäquaten Vortherapie zu einer Verschlechterung im Krankheitsverlauf kommt.

Dr. phil. Barbara Nickolaus

Lunch-Symposium anlässlich des Kongresses Osteologie 2010 „Osteoanabole Therapie – offene Fragen, aktuelle Antworten“ in Berlin; Veranstalter: Lilly-Pharma

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