ArchivDeutsches Ärzteblatt24/2010Randnotiz: Nur das Beste ist gut genug

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Randnotiz: Nur das Beste ist gut genug

Dtsch Arztebl 2010; 107(24): A-1183 / B-1039 / C-1027

Gerst, Thomas

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Vor kurzem wurde der Transplantationsmediziner Christoph Broelsch vom Landgericht Essen zu drei Jahren Haft verurteilt. Das Gericht sah den Tatbestand der Bestechlichkeit, in drei Fällen zusätzlich den der Nötigung als erwiesen an. So habe Broelsch etwa eine Leberkarzinom-patientin unter Druck gesetzt, sie müsse sich wegen der verlangten „Spende“ schnell entscheiden, anderenfalls sei das freie Bett weg, und es gebe eine Wartezeit von vier bis sechs Wochen.

Neulich erreichte mich zu Hause der Anruf einer freundlichen Call-Center-Mitarbeiterin. Ob ich interessiert sei an einem besonderen Angebot der DKV-Deutsche Kran­ken­ver­siche­rung AG mit dem Namen Best Care? Wer will für sich nicht das Beste beanspruchen können? Und so ließ ich die freundliche Anruferin weiterreden.

Gegen einen geringen Zusatzbeitrag könne man, warb sie, ein Serviceprodukt wählen, mit dem bei 24 schwerwiegenden Erkrankungen – verschiedenen Krebsarten, koronarer Herzkrankheit, Bandscheibenvorfall und anderem mehr – betroffene Patienten einen bevorzugten Behandlungs- und/oder Operationstermin bei ausgewählten Spitzenmedizinern erhalten, und das innerhalb von nur fünf Werktagen und unter Umgehung der bei diesen Spitzenkräften sicher bestehenden Wartelisten.

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Ich dankte der Telefonstimme für ihre ausführlichen Informationen und fragte sie dann, ob das Ganze nicht ethisch etwas fragwürdig sei und ob es nicht gewisse Parallelen zum Fall Broelsch gebe – mit dem feinen Unterschied, dass hier eine Versicherung die Mittlerfunktion übernommen habe. Das war vielleicht ein wenig gemein, denn die nette Telefonstimme konnte ja nichts dafür.

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